Psychische Belastungen: Überforderung durch Zeitdruck und Komplexität

Geistige Anspannung oder Arbeiten unter Druck kann
zu Höchstleistungen führen. Die Erfahrung haben wahrscheinlich
fast alle Menschen schon einmal gemacht.
Wenn die Anstrengungen von anderen anerkannt
werden und ausreichende Ruhephasen gegeben sind,
werden sie nicht nur negativ empfunden. Bleibt der
Druck aber längerfristig auf hohem Niveau, hat dies häufig Leistungseinbußen oder -ausfälle zur Folge, Krankheits- und Unfallrisiken steigen. In Zusammenhang mit psychischen Belastungen kommen am Arbeitsplatz die Anforderungen „verschiedenartige Arbeiten gleichzeitig betreuen“ am häufigsten vor. Oft genannt werden auch die Anforderungen „bei der Arbeit gestört/unterbrochen“ und „Konfrontation mit neuen Aufgaben“. Als besonders belastend werden die Aspekte „Arbeiten an der Grenze der Leistungsfähigkeit“ und „starker Termin- und Leistungsdruck“ genannt (Abbildung 6).

Solche Anforderungen und Belastungen können – wenn das Maß einmal überschritten ist – bei allen Beschäftigtengruppen Stress auslösen. Gerade für ältere Beschäftigte stellt sich die Verbindung von Multitasking und Zeitdruck mit einer hohen Komplexität der Arbeitsaufgabe
als eine kritische Belastung dar. Sie geraten im Hinblick auf ihre Belastbarkeit schneller als jüngere Mitarbeitende an ihre Grenzen. Gefährdungen entstehen beispielsweise in Arbeitsbereichen, in denen Störfälle mit „Reizüberflutung“ und akutem Handlungsdruck
auftreten. Stress kann zu physischen und psychischen Erkrankungen führen.

Psychische Erkrankungen sind, ob sie nun im Privatleben oder bei der Arbeit entstanden sind, mittlerweile die zweithäufigste Ursache für Ausfälle im Arbeitsleben. Dabei fallen vor allem die langen Ausfallzeiten auf. Der Anteil der psychischen Störungen am Krankenstand erhöht sich immer weiter. Fällt ein Beschäftigter aufgrund einer psychischen Erkrankung aus, muss der Arbeitgeber durchschnittlich 47,3 Tage auf ihn verzichten. Mittlerweile zählen psychische Erkrankungen zur der Diagnose Nr. 1 für Frühberentung aufgrund einer Erwerbsminderung (Deutsche Rentenversicherung Bund 2021).

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