Leistungswandel: (k)eine Frage des Alters

Alt ist nicht gleich alt. Das ist in der Tat eine Binsenweisheit. Denn jeder Mensch altert in unterschiedlicher Art und Weise. Neben dem objektiven kalendarischen Alter sind individuelle Unterschiede maßgebend. Sie betreffen das biologische Alter, das mit dem Wandel der intellektuellen und physischen Fähigkeiten beschrieben wird, und das psychologische Alter, das einer subjektiven Einschätzung unterliegt: „Man ist so alt, wie man sich fühlt“.

Zu den wichtigsten Einflussfaktoren des individuellen Alterungsprozesses zählen neben der persönlichen Veranlagung die gesundheitlichen sowie die wirtschaftlichen und sozialen Lebensumstände, besonders die Arbeitsbedingungen. Körperlich schwer arbeitende Menschen unterliegen grundsätzlich einem stärkeren physischen Verschleißprozess. Aber auch der sogenannte Schreibtischtäter, der einer vorwiegend sitzenden Beschäftigung nachgeht und dabei keine ausgleichenden Aktivitäten entfaltet, kann schon in jungen Jahren unter Rückenproblemen leiden. Eintönige Arbeiten können lange ausgeübt die intellektuelle Leistungsfähigkeit vermindern. Die individuelle Streubreite der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit ist innerhalb derselben Altersgruppe daher groß. Und sie wächst mit steigendem Alter. Pauschale Einordnungen und Lösungen verbieten sich damit. Körperliche Fähigkeiten wie Schnelligkeit, Kraft, Beweglichkeit, Ausdauer und Koordination erreichen ihr Maximum meist zwischen Pubertät und frühem Erwachsenenalter. Diese motorischen Fähigkeiten gehen bis zum Alter von ca. 40 Jahren leicht zurück, dann sinkt die Leistungskurve stärker.

Folgende Beschwerden und Leistungseinschränkungen sind typisch:

  • Aufgrund geringer werdender Muskelkraft vermindern sich die Fähigkeiten zum Heben und Tragen von Lasten. Die Dreh- und Druckkraft der Hände geht zurück.
  • Die Gelenke verlieren an Beweglichkeit, die Elastizität von Sehnen und Bändern nimmt ab. Das betrifft länger dauernde Drehungen der Wirbelsäule, Aktivitäten mit angehobenen Armen (Über-Kopf-Arbeit) oder solche, die eine erhebliche Verbiegung des Handgelenks erfordern.
  • Durch Verschleiß häufen sich Beschwerden vor allem in der Lendenwirbelsäule. Sie sollten deshalb in Ihrem Unternehmen dafür sorgen, dass Zwangshaltungen bei der Arbeit möglichst vermieden oder wenigstens reduziert werden.
  • Viele kennen das: Mit Mitte 40 braucht man plötzlich eine Brille. Allgemein nimmt die Leistungsfähigkeit der Sinne ab einem Alter von 40 bis 45 Jahren ab: Nah- und Fernsicht, Tag- und Nachtsehen sowie Farbunterscheidungen sind betroffen. Hintergrundgeräusche beeinträchtigen das Sprachverstehen, Lärm- und Blendempfindlichkeit nehmen zu.
  • Gleiches gilt für die sensomotorischen Leistungen. Gemeint ist damit die Verbindung von  motorischen Fähigkeiten mit Sinnesleistungen und der Fähigkeit zur Verarbeitung von Informationen. Sie spielen vor allem bei manueller Arbeit im Handwerk und in der industriellen Fertigung eine Rolle. Ab dem 40. Lebensjahr kann sich hier eine Abnahme zeigen. Für komplexe Montagearbeiten brauchen ältere Mitarbeitende daher mitunter mehr Zeit, die Sturzgefahr ist erhöht.
  • Ein besonders wichtiger physiologisch bedingter Aspekt des Alterns ist der zunehmende Bedarf an Regeneration. Ältere Menschen brauchen mehr Zeit als jüngere, um nach körperlichen und geistigen Anstrengungen wieder zu Kräften zu kommen. Ältere Beschäftigte reagieren oft sensibler auf dauerhafte Überlastung, Zeitdruck,  Arbeitsverdichtung und fehlende Erholung.
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