Höhlen bauen hat mehr Spaß gemacht, als Mutti-Vati-Kind-Spiele. Ich las sehr gerne Abenteuerbücher von Jule Verne und wollte Hochhäuser in China und Japan bauen. Mit meinem Vater reparierte ich unsere Familienfahrräder und baute Regale im Keller.“ sagt sie.

Geboren und aufgewachsen in Magdeburg in der ehemaligen DDR, der Stadt des damaligen Schwermaschinenbaus, war für sie schnell klar, dass sie eine Karriere auf dem Bau einschlagen möchte. Mit dem Wunsch, Bauzeichnerin zu werden, fing ihre berufliche Laufbahn an. Leider klappte dies nicht und sie begann eine Ausbildung zum Dreher und anschließend ein Studium zur Maschineningenieurin. Schließlich war die Grenzöffnung für sie die Chance, in das Bauwesen einzusteigen. Als Quereinsteigerin begann für sie alles 1994. Dieser Quereinstieg dauerte 1 Jahr und der Abschluss hieß Hochbautechniker. Anschließend bildete sie sich im Fernstudium zur Hochbauingenieurin weiter, heute ist sie ebenfalls Immobilien-Ökonomin und kennt sich mit Baufinanzierungen aus. Die barrierefreie Gestaltung im öffentlichen Raum und der Bau von Einfamilienhäusern gehören ebenfalls zu ihren beruflichen Kompetenzen. Mit diesem Lebenslauf, zu denen auch eine Beschäftigung als Bauabrechnerin bei der Philipp Holzmann AG oder als Baukalkulatorin bei Strabag zählen, konnte sie viele Erfahrungen auf unterschiedlichen Positionen im Baubereich sammeln. Das Privatleben habe oft darunter gelitten, berichtet sie, da sie ihre Fähigkeiten in dieser klassischen Männerdomäne immer erst unter Beweis stellen und vollen Einsatz zeigen musste. Damals nicht einfach mit zwei kleinen Kindern. Aber dieser Einsatz hat sich gelohnt, denn ihr Traum von der Bauleiterposition hat sich erfüllt.

Jetzt arbeite die 51 Jährige nach einem langen Auf und Ab im Berufsleben als Bauleiterin für ein Planungs-und Bauüberwachungsbüro in Magdeburg. Die Firma ist Deutschlandweit unterwegs. Arbeitet für Wohnungsunternehmen privat oder städtisch und da überwiegend in der Strangsanierung.

Sie ist Bauleiterin mit Leib und Seele und wird von den Kollegen geschätzt.

Als Frau muss man trumpfen!“, berichtet sie. Durch Fachwissen konnte sie für Akzeptanz sorgen.

Zudem habe die Beschäftigung von Frauen etliche Pluspunkte, wie auch Vorgesetzte und Kollegen festgestellt haben: Frauen bringen als Bauleiterin mehr Struktur und Ordnung auf die Baustelle. Die Tonart ändert sich positiv, da Frauen sachlich und zielführend kommunizieren und unnötigen Diskussionen vermieden werden. Eine Chance für eine Position im oberen Management sieht Frau Nowotny für sich allerdings nicht. „...da ich zu direkt und ehrlich bin und mit meiner Meinung nicht hinterm Berg halte. Das heißt aber nicht, dass ich keinen Respekt habe!“ betont sie.

Für Frau Nowotny haben Frauen in Führungspositionen durchaus viele Vorteile. Sie verfolgen überwiegend einen kooperativen Führungsstil, binden also ihr Team sowohl bei Problemen als auch bei Entscheidungen mit ein und sie können genauso loben wie durchgreifen. Darum ist sie der Meinung, dass sich die Unternehmen Frauen gegenüber öffnen und auf diese einlassen sollten. Die Unterstützung der Frauen sei aber nicht damit abgetan, Frauen nur einzustellen, darüber hinaus müsse man Frauen entgegenkommen und sie begleiten.

Aber Frau Nowotny ist mit ihrer jetzigen Position sehr glücklich, da es ein abwechslungsreiches Arbeiten ist.

Man ist am Schreibtisch und ist auch draußen auf der Baustelle. Außerdem arbeite ich mit vielen unterschiedlichen Menschen, ob Auftraggebern, Auftragnehmern oder auch Mietern.

Die Arbeit macht ihr sehr viel Spaß. Die Akzeptanz der männlichen Kollegen ist super. Die Auftragnehmer sind zu Beginn eines Bauvorhabens ein wenig irritiert wie auch wenige Auftraggeber. Das gibt sich aber nach kurzer Zeit, weil sie fachlich genauso versiert ist wie die männlichen Kollegen.

Die engagierte Bauleiterin möchte Frauen Mut machen, die sich für eine Tätigkeit am Bau interessieren, diesem Wunsch auch nachzugehen. Allerdings rät sie allen Mädchen und jungen Frauen, die sich für ein Studium im Bauwesen interessieren, vorab eine technische Berufsausbildung zu durchlaufen. So erlernen diese nicht nur die Praxis sondern auch Lebenserfahrung.

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