Susanne Wandersee ist 19 Jahre alt und Kanalbauerin bei der Frisch & Faust Tiefbau GmbH in Berlin. Hier hat sie ihre Ausbildung absolviert und ist bisher sehr zufrieden mit ihrer Berufswahl. Schon immer hatte sie andere Interessen, als die Mädchen in ihrem Umfeld. In ihrer Freizeit ging die junge Kanalbauerin lieber mit den Jungs zum Fußball spielen, anstatt sich die Nägel zu lackieren oder andere „Mädchensachen“ zu tun.

So war auch ihre Berufswahl für ein Mädchen untypisch. Ihr Wunsch war es vor allem, draußen an der frischen Luft und körperlich zu arbeiten. Die Berufsberaterin an ihrer damaligen Schule empfahl ihr daraufhin die Firma Frisch & Faust Tiefbau GmbH. Dort meldete sich Frau Wandersee und bekam gleich das Angebot für ein zweiwöchiges Praktikum. Nachdem sie dies erfolgreich abgeschlossen hatte, wurde ihr ein Ausbildungsplatz von Frisch & Faust angeboten, den sie gerne und dankend annahm.

Besonders begeistert ist sie von ihrem Beruf, weil er sehr abwechslungsreich ist; einmal müssen Schächte abgerissen und neu gebaut werden, ein anderes Mal Halbschalen und das Bankett (Schachtinnenleben) gemauert und beim nächsten Mal Rohre verlegt werden. Dabei arbeitet sie mit vielen verschiedenen Werkstoffen, wie Beton, Klinker, Steinzeug, Kunststoff oder Holz. Und Frau Wandersee kommt durch ihren Beruf in Bereiche der Stadt, die nicht allen Menschen zugänglich sind, in große Tiefen. Hier fasziniert sie immer wieder die Größe des Kanalnetz, die erforderlich ist, um das Abwasser abzuleiten.

Im Freundes- und Familienkreis waren die Reaktionen auf ihre Berufswahl sehr unterschiedlich, einige fanden es gut, andere wiederum nicht. Als sie ihr Praktikum begonnen hat, fragten viele, ob sie sich denn wirklich sicher sei, ausgerechnet diesen Beruf erlernen zu wollen oder ob sie nicht lieber studieren wolle. Es wurde auch viel darüber diskutiert, ob eine Frau diesen Beruf überhaupt ausüben kann. Auch auf der Baustelle und auf dem Lehrbauhof wurde sie gefragt, wieso, weshalb, warum sie gerade diese Ausbildung machte. Es gab immer jemanden, der nicht wirklich mit ihr umzugehen wusste oder sich über Frauen auf dem Bau lustig machte.

Man muss schon ein dickes Fell haben, schlagfertig sein und immer schön kontern, sich bloß nichts gefallen lassen!“, erzählt Frau Wandersee.

Irgendwann haben alle gemerkt, dass sie nicht nur die Theorie beherrscht, sondern auch die Praxis. Damit wurden die Vorurteile und die dummen Sprüche ihr gegenüber weniger. Mittlerweile möchten sogar die ehemals größten Skeptiker gerne mit ihr zusammen arbeiten. Viele ihrer Kollegen haben sie aber freundlich aufgenommen und sind sehr hilfsbereit. Sie wollen ihr schwere Arbeiten abnehmen. Aber Susanne Wandersee ist der Meinung, sie habe sich diesen Job ausgesucht, also gehörten auch die schweren Arbeiten dazu.

Ihre Ausbildung konnte sie sogar aufgrund ihrer sehr guten Leistungen, um ein halbes Jahr verkürzen und hat ihre praktische Prüfung mit „gut“ bestanden. Darauf ist Frau Wandersee besonders stolz, denn in ihrem Lehrjahr war sie die einzige, die wegen ihrer guten Leistungen diese Möglichkeit hatte.

Ihren Arbeitgeber, die Frisch & Faust Tiefbau GmbH, schätzt sie sehr, da sie gerade in der Ausbildungszeit sehr gut unterstützt wurde, von der Geschäftsleitung und den Kollegen. Ihnen ist sie sehr dankbar. Außerdem wurden ihr bereits Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten im Unternehmen angeboten. Nach der erfolgreichen Gesellenprüfung könne sie ein Duales Studium beginnen, um später Bauleiterin zu werden. Frau Wandersee hat sich aber entschieden, erst einmal mehr praktische Erfahrungen zu sammeln und sich anschließend weiterzubilden, zur Polierin oder Meisterin.
Susanne Wandersee hat ihre Chance genutzt und zeigt Ehrgeiz. Sie wollte gerade den Skeptikern auch unter den Kollegen beweisen, was sie kann.

Was die können, kann ich schon lange, dachte ich mir, denen zeigst Du es Susi! Und das tat ich auch!“ so die engagierte junge Kanalbauerin.

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