Gründungsverhalten der Migranten in Deutschland

Veröffentlicht: 20.09.2018

Projekt: GEM

Zusammenfassung: Die Ergebnisse aus dem GEM zeigen, dass Migranten in Deutschland eine höhere Gründungsneigung haben als Nicht-Migranten.

Die Ergebnisse aus dem Global Entrepreneurship Monitor (GEM) zeigen, dass Migranten in Deutschland, die als „nicht in Deutschland geborene Person“ definiert werden, eine höhere Gründungsneigung haben als Nicht-Migranten.
Die TEA-Quote (der Anteil der 18 bis 64-Jährigen, die ein Unternehmen während der letzten 3,5 Jahren gegründet haben und/oder dabei sind ein Unternehmen zu gründen) von Migranten betrug 2017 knapp über 6 Prozent. Im Vergleich dazu lag die TEA-Quote von Nicht-Migranten auf einem Niveau von 5,3 Prozent. Insbesondere in den ersten sieben Jahren nach ihrer Ankunft in Deutschland weisen die Migranten eine überdurchschnittliche Gründerquote auf. Danach sinkt die TEA-Quote bei Migranten und nach der Aufenthaltsdauer von zwölf bis fünfzehn Jahren gleicht sie sich an die TEA-Quote der einheimischen Bevölkerung an. Zu bemerken ist auch der starke Anstieg der TEA-Quote bei Migranten (7,2 Prozent), die länger als 23 Jahre in Deutschland leben.

Problematisch scheint für Migranten der Zugang zu finanziellen Mitteln zu sein. Diese Meinung vertreten insgesamt circa 60 Prozent der befragten Experten. Im Vergleich zu einheimischen Gründern besteht beispielsweise häufig noch keine langjährige Beziehung zu einer Hausbank. Fehlende Sicherheiten können ebenfalls ein Grund sein, die Bereitstellung von Kapital durch Finanzinstitute abzulehnen. Auf eine weitere Besonderheit bei der Gründungsfinanzierung weißt der KfW-Gründungsmonitor 2017 hin. Zwar nutzen Migranten gleich häufig und in gleichem Umfang externe Mittel wie alle anderen Gründer, doch das Geld stammt aus anderen Quellen: Migranten finanzieren ihr Projekt seltener mit Bankdarlehen, dafür häufiger mit Überziehungskrediten und mithilfe von Freunden und Verwandten. Der Grund, warum Migranten für die Gründung teure Überziehungskredite in Anspruch nehmen, kann unter anderem darin liegen, dass sie nur über einen beschränkten Zugang zu Krediten verfügen. Zudem können die Verhandlungen aufgrund von Sprachdefiziten erschwert werden. Weitere Barrieren bei Gründungen durch Migranten können in der Nichtanerkennung beruflicher Qualifikationen liegen.

 

 

 

Dr. Natalia Gorynia-Pfeffer

Dr. Natalia Gorynia-Pfeffer

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universität Hannover hat das RKW Kompetenzzentrum den ersten gemeinsamen Global Entrepreneurship Monitor 2017/2018 zur Lage des Unternehmertums in Deutschland veröffentlicht. Er zeigt sowohl Gründungsaktivitäten und -einstellungen als auch gründungsbezogene Rahmenbedingungen in Deutschland auf.