Vorbildliche Nachbarn – vielfältige Initiativen unterstützten das Unternehmertum in Dänemark

Sonja Alt

Sonja Alt

Veröffentlicht: 29.01.2018

Projekt: Gründungsnetzwerk

Zusammenfassung: Wir werfen einen Blick auf staatliche und private Fördermaßnahmen unseres nördlichen Nachbarn.

Das Land in dem Lego erfunden wurde hat nicht nur 7.300 km Küste vorzuweisen, sondern auch erstaunlich viele wegweisende Initiativen und Programme zur Förderung des Unternehmertums. Diese decken von der Entwicklung einer Gründungskultur bei jungen Menschen über die Vereinfachung von Investitionen in Startups bis zu Skalierungsprogrammen und dem Anwerben ausländischer Talente eine Vielzahl unterschiedlicher Aspekte eines nachhaltigen Gründerökosystems ab.

Aufgabe der Danish Business Authority ist es sicherzustellen, dass die Rahmenbedingungen für Innovationen und Unternehmertum in Dänemark optimal darauf ausgerichtet sind, wirtschaftliches Wachstum zu fördern. Zu diesem Zweck erstellen sie regelmäßig wirtschaftliche Analysen, führen Initiativen wie die der „Regional Business Development Centers“ durch, entwickeln neue Programme rund um Entrepreneurship und das Wachstum von Kleinen und Mittelständischen Unternehmen (KMU) und stärken das dänische Gründerökosystem durch Kooperation innerhalb der EU. Eine der wichtigsten Maßnahmen hierbei ist die Global Entrepreneurship Week Denmark, das Pendant zur Gründerwoche Deutschland, die ebenfalls einmal jährlich im November stattfindet

Start-up Dänemark hat das Ziel, talentierte Unternehmer und erfolgsversprechende Startups aus dem Ausland zu überzeugen, ihre Aktivitäten nach Dänemark zu verlagern. Auf diese Weise soll nicht nur das dänische Gründerökosystem, sondern die gesamte wirtschaftliche Entwicklung des Landes gestärkt und ein Zuwachs bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze erreicht werden. Zu diesem Zweck vergibt Start-up Dänemark seit 2015 Gründer-Visa: Unternehmen mit innovativen Ideen, die einen wertvollen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung Dänemarks leisten können, erhalten von Start-up Dänemark eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung, die ihnen die Rahmenbedingungen für die Gründung eines Unternehmens ermöglichen. Die Genehmigungen, von denen pro Jahr maximal 50 Stück vergeben werden, werden für zwei Jahre mit der Option auf Verlängerung erteilt. Bis April 2016 haben sich über 300 Unternehmen beworben, von denen nach einem zweistufigen Bewerbungsverfahren 20 Unternehmen eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung erhalten haben. Start-up Dänemark wird von der Dänischen Business Authority in Zusammenarbeit mit der Agentur für Internationales Recruitment und Integration betrieben.

Der Investment-Fonds Vækstfonden (The Growth Foundation) wurde von der dänischen Regierung eingerichtet und unterstützt dänische Unternehmen bei der Finanzierung von Forschung und Entwicklung, der Internationalisierung sowie Weiterbildungsprojekten. Die Organisation investiert in Unternehmen aus den Bereichen Life Science und Hightech, die sich noch in einer frühen Entwicklungsphase befinden und vergibt sogenanntes Mezzanine-Kapital.

Seit seiner Einrichtung im Jahr 1992 hat der Fonds gemeinsam mit privaten Investoren in über 6.000 Unternehmen mehr als 17 Milliarden dänische Kronen investiert.

Die Dänische Stiftung für Entrepreneurship wurde 2010 von vier unterschiedlichen Ministerien im Zuge der Regierungsstrategie für Entrepreneurship Education als nationales Zentrum für Wissenstransfer und als erste Anlaufstelle für die Entrepreneurship-Lehre eingerichtet. Mit einem jährlichen Budget von 2,7 Millionen Euro zzgl. Zuschüssen von privaten Sponsoren arbeitet die Stiftung eng mit Ministerien, Bildungseinrichtungen, privaten Unternehmen, Organisationen und Gründerökosystemen zusammen, um Menschen über die Möglichkeiten des Unternehmertums zu informieren, weiterzubilden und zu inspirieren.

Ziel der Maßnahmen ist es, dass jeder Schüler mindestens einmal in jeder Bildungsphase mit dem Thema Entrepreneurship in Berührung kommt. Weiterhin werden systematisch Lehrkräfte geschult und zertifiziert.

Jährliche Evaluationen geben Auskunft über den Erfolg der Maßnahmen. So konnten allein 2014/15 über 200.000 Schüler unterschiedlicher Jahrgangsstufen, ca. 5.000 Lehrer, Dozenten und Professoren sowie 38.000 Studenten erreicht werden.

Scale it vernetzt dänische Unternehmen mit dem Ökosystem des Silicon Valley und unterstützt sie so bei der Skalierung und Internationalisierung. Das Programm, das beim „Innovation Center Denmark“ des dänischen Außenministeriums angesiedelt ist, hat drei Stufen: Inspire, Ignite und Accelerate.

SCALEit INSPIRE findet in Dänemark statt und zeigt Startups die vielfältigen Wachstumsmöglichkeiten auf, die das Silicon Valley ihnen bieten könnte.

SCALEit IGNITE ist ein einwöchiges Intensiv-Programm, in dem die Unternehmen ihre Chancen im Silicon Valley erproben können und gleichzeitig wertvolles Feedback zu ihren Internationalisierung-Strategien erhalten.

SCALEit ACCELERATE ermöglicht es Unternehmen mit Sitz in Dänemark, mit einem dänisch-amerikanischen Geschäftsmodell international zu skalieren.

Das Programm Business Startups an der Technical University of Denmark (DTU) soll Innovationen in bestehenden Unternehmen fördern und das Unternehmertum stärken. Ein wichtiger Bestandteil hierbei sind gewerbliche Schutz- und Urheberrechte, bei deren Sicherung DTU die Gründer unterstützt. 

Zum Erfolg des Programms tragen Partnerschaften mit Pre-Seed-Finanzierern wie beispielsweise Pre-Seed Innovation und SEED Capital sowie mit Wissenschaftsparks in Hørsholm, Lyngby und Kopenhagen bei. Die Tochterunternehmen Bioneer, Danish Fundamental Metrology und Dianova unterstützen ebenfalls die Bildung eines umfassenden Wissens-Netzwerk, das die Gründung von Hightech-Unternehmen begünstigt.

Der Creative Business Cup versteht sich selbst als „Weltmeisterschaft” für kreative Unternehmen aus aller Welt mit dem Ziel, mehr öffentliche Aufmerksamkeit für die Kreativindustrie zu generieren. Innovative Unternehmen aus 59 Ländern beteiligen sich inzwischen an der seit sechs Jahren bestehenden Initiative und haben die Möglichkeit, ihre Geschäftsmodelle ausgewählten Juroren und interessierten Besuchern vorzustellen. Außerdem bieten die Organisatoren anlässlich des jährlichen Wettbewerbs im November ein vielseitiges Vortragsprogramm sowie ein vorbereitendes Bootcamp für die beteiligten Unternehmen an. Ursprünglich als Wettbewerb konzipiert, hat sich der Creative Business Cup mittlerweile zu einem weltweiten Netzwerk von kreativwirtschaftlichen Fördereinrichtungen entwickelt, die auch über das Event hinaus Kontakte pflegen und Kooperationen knüpfen.