Warum sollte man das Silicon Valley mal besuchen?

Google Headquaters, Mountain View, CA

Veröffentlicht: 13.04.2018

Projekt: Gründungsnetzwerk

Zusammenfassung: Reisen bildet. Im ersten Teil meines Rückblicks auf unseren Trip in die USA zum Cleantech Open Global Ideas Wettbewerb schaue ich mir an, warum man die Business-Kultur in Amerika selbst erlebt haben muss.

Zehn Tage USA gemeinsam mit drei Startuppern: Wir waren beim Finale des Cleantech Open Global Ideas Wettbewerb in Los Angeles und sind anschließend noch gemeinsam in San Franscico und im Silicon Valley unterwegs gewesen. Zehn Tage voll intensiver Eindrücke und interessanter Gespräche. Drei Schlüsselszenen sind mir dabei in Erinnerung geblieben.

 

Investor Connect

Der "Investor Connect" war Teil des Cleantech Open Wettbewerbs. Zwei Räume voll mit Stehtischen an denen je ein Vertreter einer Investmentfirma oder ein Business Angels steht. Jedes Startup-Team macht mit zehn von diesen Investoren ein Sieben-Minuten-Interview. Oft stellt sich schnell heraus, das Technologie-Sektor, geographische Herkunft und vor allem Investment Stage der Startups nicht zu den Vorstellungen des Investors passen. Aber typischerweise kommt dann trotzdem ein Satz wie "Eisenbahn-Technik? Das machen wir nicht, aber ich kenne da jemand, der in dem Bereich tätig ist, den kannst Du ansprechen."

Teams, die die Investoren-Szene schon etwas länger kannten, haben uns erzählt, dass es für Hardware-Startups auch in den USA nicht ganz einfach ist, Kapital für die ganz frühen Phasen der Gründung zu bekommen. Im Cleantechbereich werden häufig Maschinen und Anlagen entwickelt und die Geschäftsmodelle stehen und fallen in den USA genau wie bei uns mit lokaler Regulierung und Förderprogrammen. Das passt oft nicht zu den Vorstellungen vieler Investoren, die von den Wachstumsraten erfolgreicher Valley-Startups geprägt sind, die mit Software-Plattformen in kurzer Zeit viele Millionen Kunden erreichen.

Gründerökosystem

Freddy Sulk hat bei unserem Besuch beim German Accelerator, den er als Chief Operations Manager betreut, gut zusammengefasst, was am Gründerökosystem Silicon Valley besonders ist:

"Erstens werden hier schon seit sechzig Jahren Unternehmen gegründet, finanziert und verkauft - also lange bevor das Internet entstanden ist. Diese Gründer geben über Mentoring, das oft an eine Finanzierung geknüpft ist, technisches Wissen und Gründungserfahrung an junge Unternehmen weiter. Und zweitens finden sich hier bei Netzwerk-Events sowohl Gründer als auch die C-Suite von etablierten Unternehmen. Wer Startupper ist und wer erfahrener Unternehmer spielt dabei keine so große Rolle."

Oft wird ja in Deutschland betont die Bedeutung des Mittelstand für die Beschäftigung oder für die regionale Wirtschaft betont, die durch langfristiges Engagement gekennzeichnet sind (siehe z.B. Frederike Welter in der FAZ). Das ist im Silicon Valley aber nicht anders: Erfolgreiche Unternehmen verfolgen auch hier eine langfristige Strategie zum Wohle der Region (sonst ginge es der Region wohl nicht so gut), nur heißt das nicht, dass man Facharbeitern an sich bindet indem man ihnen sichere Arbeitsplätze bietet, sondern dass man Programmierern Gelegenheit gibt, an neuen aufregenden Technologieentwicklungen mitzuarbeiten.

LinkedIn

Die Programmierer sind dabei sehr flexibel - einerseits, weil sie gern am neuesten "heißen Scheiß" mitarbeiten und dafür auch bereit sind, die Stelle zu wechseln. Zum anderen kommt es natürlich vor, dass Startups scheitern und die Mitarbeiter sich neue Stellen suchen müssen. Mirko Wutzler von der Deutschen Außenhandelskammer in San Francisco hat uns erzählt, dass die durchschnittliche Verweildauer auf einer Stelle etwa 18 Monate beträgt. So würden neben dem persönlichen Kontakt soziale Online-Netzwerke wie LinkedIn wichtige Werkzeuge für die Netzwerkpflege, denn sie helfen, die eigenen Kontakte nicht aus den Augen zu verlieren. Die können dann wieder helfen, neue Gelegenheiten zu erschließen - sei es weil die eigenen Stelle sich in Luft auflöst, oder weil man wieder Appetit auf neue Herausforderungen hat.

Fazit

Natürlich muss man nicht versuchen, die amerikanische Business-Kultur eins zu eins nachzuahmen. Steven Hill argumentiet in seinem Buch "Die Startup-Illusion", dass der deutsche Sozialstaat und die im Mittelstand wurzelnde Unternehmerkultur, die regionale Arbeitsmärkte braucht und erhält, Errungenschaften sind, die helfen können Disruptionen aus dem Silicon Valley erfolgreich zu meistern und die deshalb auf keinen Fall leichtfertig der Imitation der Valley-typischen Internet-Ökonomie geopfert werden sollte. Aber von der Offenheit im Umgang mit jungen Unternehmen und dem bedingungslosen Willen zum Netzwerken können wir uns eine Scheibe abschneiden.

Zehn Tage USA gemeinsam mit drei Startuppern: Wir waren beim Finale des Cleantech Open Global Ideas Wettbewerb in Los Angeles und sind anschließend noch gemeinsam in San Franscico und im Silicon Valley unterwegs gewesen. Zehn Tage voll intensiver Eindrücke und interessanter Gespräche. Drei Schlüsselszenen sind mir dabei in Erinnerung geblieben.

Investor Connect

Der "Investor Connect" war Teil des Cleantech Open Wettbewerbs. Zwei Räume voll mit Stehtischen, an denen je ein Vertreter einer Investmentfirma oder ein Business Angels steht. Jedes Startup-Team macht mit zehn von diesen Investoren ein Sieben-Minuten-Interview. Oft stellt sich schnell heraus, das Technologie-Sektor, geographische Herkunft und vor allem Investment Stage der Startups nicht zu den Vorstellungen des Investors passen. Aber typischerweise kommt dann trotzdem ein Satz wie "Eisenbahn-Technik? Das machen wir nicht, aber ich kenne da jemand, der in dem Bereich tätig ist, den kannst Du ansprechen."

Teams, die die Investoren-Szene schon etwas länger kannten, haben uns erzählt, dass es für Hardware-Startups auch in den USA nicht ganz einfach ist, Kapital für die ganz frühen Phasen der Gründung zu bekommen. Im Cleantech-Bereich werden häufig Maschinen und Anlagen entwickelt und die Geschäftsmodelle stehen und fallen in den USA genau wie bei uns mit lokaler Regulierung und Förderprogrammen. Das passt oft nicht zu den Vorstellungen vieler Investoren, die von den Wachstumsraten erfolgreicher Valley-Startups geprägt sind, die mit Software-Plattformen in kurzer Zeit viele Millionen Kunden erreichen.

Gründerökosystem

Freddy Sulk hat bei unserem Besuch beim German Accelerator, den er als Chief Operations Manager betreut, gut zusammengefasst, was am Gründerökosystem Silicon Valley besonders ist:

Erstens werden hier schon seit sechzig Jahren Unternehmen gegründet, finanziert und verkauft - also lange bevor das Internet entstanden ist. Diese Gründer geben über Mentoring, das oft an eine Finanzierung geknüpft ist, technisches Wissen und Gründungserfahrung an junge Unternehmen weiter. Und zweitens finden sich hier bei Netzwerk-Events sowohl Gründer als auch die C-Suite von etablierten Unternehmen. Wer Startupper ist und wer erfahrener Unternehmer spielt dabei keine so große Rolle.

Oft wird ja in Deutschland die Bedeutung des Mittelstand für die Beschäftigung oder für die regionale Wirtschaft betont, die durch langfristiges Engagement gekennzeichnet sind (siehe z.B. Frederike Welter in der FAZ). Das ist im Silicon Valley aber nicht anders: Erfolgreiche Unternehmen verfolgen auch hier eine langfristige Strategie zum Wohle der Region (sonst ginge es der Region wohl nicht so gut), nur heißt das nicht, dass man Facharbeiter an sich bindet indem man ihnen sichere Arbeitsplätze bietet, sondern dass man Programmierern Gelegenheit gibt, an neuen aufregenden Technologieentwicklungen mitzuarbeiten.

LinkedIn

Die Programmierer sind dabei sehr flexibel - einerseits, weil sie gern am neuesten "heißen Scheiß" mitarbeiten und dafür auch bereit sind, die Stelle zu wechseln. Zum anderen kommt es natürlich vor, dass Startups scheitern und die Mitarbeiter sich neue Stellen suchen müssen. Mirko Wutzler von der Deutschen Außenhandelskammer in San Francisco hat uns erzählt, dass die durchschnittliche Verweildauer auf einer Stelle etwa 18 Monate beträgt. So würden neben dem persönlichen Kontakt soziale Online-Netzwerke wie LinkedIn wichtige Werkzeuge für die Netzwerkpflege, denn sie helfen, die eigenen Kontakte nicht aus den Augen zu verlieren. Die können dann wieder helfen, neue Gelegenheiten zu erschließen - sei es, weil die eigenen Stelle sich in Luft auflöst oder weil man wieder Appetit auf neue Herausforderungen hat.

Fazit

Natürlich muss man nicht versuchen, die amerikanische Business-Kultur eins zu eins nachzuahmen. Steven Hill argumentiet in seinem Buch "Die Startup-Illusion", dass der deutsche Sozialstaat und die im Mittelstand wurzelte Unternehmerkultur, die regionale Arbeitsmärkte braucht und erhält, Errungenschaften sind, die dabei helfen können, Disruptionen aus dem Silicon Valley erfolgreich zu meistern und die deshalb auf keinen Fall leichtfertig der Imitation der Valley-typischen Internet-Ökonomie geopfert werden sollte. Aber von der Offenheit im Umgang mit jungen Unternehmen und dem bedingungslosen Willen zum Netzwerken können wir uns eine Scheibe abschneiden.