Effiziente Eigenfertigung mit Alleinstellungsmerkmalen bei der Möbelherstellung

Veröffentlicht: 20.12.2018

Zusammenfassung: Die Deko Design GmbH & Co. KG ist ein kleines, stark wachsendes Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe. Durch die Neukonzeption der Fertigung konnte die Flexibilität erhöht und die Rohstoff- und Materialeffizienz deutlich verbessert werden.

     

 

Das Unternehmen

Die Deko Design GmbH & Co. KG ist in Hollern-Twielenfleth bei Stade angesiedelt. Ende 2017 konnte sie bereits ihr 25jähriges Bestehen feiern. Denn Andreas Grimm, der heutige Inhaber und Geschäftsführer, hat sie bereits als 19-jähriger Einzelunternehmer im Jahr 1992 gegründet. Aktuell arbeiten 39 fest angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen. Deko Design entwickelt und produziert für seine Kunden individuelle, maßgeschneiderte Inneneinrichtungen und Terrassengestaltungen - vornehmlich für Bäckerei-Filialgeschäfte. Von der Wand- und Bodengestaltung über das Lichtdesign bis zur vollständigen Möblierung mit Dekoren erstreckt sich das breite Leistungsportfolio. Hierfür wurden in der Vergangenheit teilweise auch Möbel nach Vorgaben von Deko Design von europäischen Herstellern als Zulieferprodukte zugekauft und mit ausgesuchten und oftmals seltenen Stoffen, Textilien, Lederarten oder anderen Materialien veredelt.

Der Zukauf von Möbeln nach den strengen Vorgaben von Deko Design war, insbesondere auch auf Grund der damit verbundenen Bestellung von design- und produktprägenden Materialien, mit einem hohen Koordinationsaufwand für die Materialsteuerung verbunden. In der Folge türmten sich große Materialbestände im Lager und im Materialfluss waren durch Leckagen relativ hohe Verluste zu verzeichnen. Ziel des Beratungsprojektes war es, diese Einsparpotenziale zu heben und dadurch die Rohstoff- und Materialeffizienz zu verbessern.

Die Beratungsziele

Zu Beginn wurde eine sogenannte Potenzialanalyse durchgeführt. Durch die darin verwendeten Methoden wie beispielsweise die Materialflussanalyse konnte in einem ersten Schritt die bei den Verantwortlichen spürbare Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation im Material- und Informationsfluss in Zahlen, Daten und Fakten gegossen werden. So wurde sie über klare Problemdefinitionen mit einer Darstellung der ermittelten Ursachen für jeden greifbar. Die geschaffene Transparenz ermöglichte dann die Ableitung von einfachen, schnellen und zugleich wirksamen Maßnahmen, die einen glatteren und effizienteren Materialfluss ermöglichten. Ein wichtiger Punkt ist der parallel ebenfalls zu optimierende Informationsfluss.

Potenziale festzustellen ist notwendig, aber nicht hinreichend. Daher folgte im Anschluss an die Potenzialanalyse eine Vertiefungsberatung mit dem Ziel, die vorgeschlagenen Maßnahmen im vorhandenen Unternehmensrahmen umzusetzen und praxiswirksam werden zu lassen. Die Ergebnisse der Vertiefungsberatung ließen beim Unternehmen die Entscheidung reifen, den Materialtourismus komplett einzustellen und volle Kostenkontrolle über die designführenden Materialien zu erhalten. Sprich eine Eigenfertigung aufzunehmen.

Hierzu bedurfte es eines Realisierungskonzepts. Mit dem Förderprogramm go-Inno steht für die Förderung dieser Beratungsaufgaben eine attraktive Leistungsstufe zur Verfügung, die in diesem Fall in Anspruch genommen werden konnte.

Der Materialeinsatz

Deko Design verarbeitet im Jahresdurchschnitt Materialien aus projektbezogenem Einkauf und dazu auftragsneutraler Beistellung in Höhe von ca. 2,25 Mio. €. Der Materialkostenanteil liegt bei 45 Prozent des Umsatzes.

Der Herstellungsprozess

Der relevante Herstellungsprozess sei an dieser Stelle in aller Kürze beschrieben:

  • Zwischenprodukt 1: In der neuen Fertigung werden Tischplatten und Halbteile für Bänke, Stühle und Sonderteile hergestellt. 
  • Zwischenprodukt 2: In der neuen Polsterei werden die Halbteile zu Bänken und Stühlen komplettiert.
  • Montage: In der Montage werden die Tischplatten und die Sonderteile mit Zukaufteilen zu den Endprodukten montiert.
  • Druckerei: In der neuen Druckerei werden die Schablonen für die Wandgestaltungen erstellt.

Vorgehen im Beratungsprojekt

Es lässt sich kurz so beschreiben: Potenzialberatung und Vertiefungsberatung als Treibsatz für ein Realisierungskonzept zu einer höheren Qualitätsleistungsgüte für den Markt.

Zu Beginn wurden aus relativ großer Flughöhe zum Zweck der Gewinnung einer verständlichen Gesamtübersicht die Material- und Informationsflüsse vom Auftragseingang über die architektonische Gestaltung bis zu den Lieferketten und der Endmontage beim Kunden betrachtet. Auf dieser Strecke vom Lieferanten bis zum Kunden wurden die zur Unzufriedenheit führenden „Klemmstellen“ im Gesamtablauf identifiziert, messbar bewertet, ursächlich analysiert und mit Abhilfe schaffenden Maßnahmen belegt. Eine Überlegung führte zu einer in der Produktion von Deko Design innovativen Entwicklung: Die Aufnahme der Eigenfertigung wichtiger Zulieferprodukte.

Mit finanzieller Unterstützung des Moduls go-innovativ der BMWi-Innovationsgutscheine (heute go-Inno) wurde ein Realisierungskonzept mit dem Ziel einer Eigenfertigung erstellt. Deko Design hat mit diesem Realisierungskonzept einen Masterplan bekommen, um

  • eigene Produkte in der eigenen Architektur in Richtung Alleinstellungmerkmal zu gestalten
  • erstmalig eine Eigenfertigung der betreffenden Zulieferprodukte aufzunehmen
  • einen Produktkatalog auch mit eigenen Produkten zu gestalten
  • auf bisher zugekaufte Produkte zu verzichten
  • mit dieser innovativen Produkt- und Prozessgestaltung effizienter (bei Ressourcen und Prozessen) im gesamten Stoffstrom zu werden.

Das Realisierungskonzept wurde nicht nur erstellt, sondern auch umgesetzt. Die neue Fertigung wurde in einem zu diesem Zweck erstelltem Gebäude aufgebaut und inzwischen aufgenommen. Hierfür hat Deko Design ca. 2,5 Mio. Euro investiert. Insgesamt wurden dabei neun neue Arbeitsplätze mit hohen Qualifikationsanforderungen geschaffen.

Ergebnisse

Die größten Vorteile für Deko Design ergaben sich aus

  • dem Abbau des hohen Koordinationsaufwandes für den Materialtourismus
  • dem Abbau der Umlaufbestände bei den Lieferanten
  • der Reorganisation des Lagers für Halbteile mit deutlich geringeren Beständen
  • der Reorganisation der Kommissionierung
  • der merklich gesteigerten Motivation der Mitarbeiter für eine bessere Qualitätsleistung durch eine ganz deutlich verbesserte Führung vor Ort bei den Teamleitern

Der erzielte Materialeffizienzgewinn beträgt nach den ersten Berechnungen insgesamt 1,6 Prozent vom Umsatz. Hinzu kommt der Prozesseffizienzgewinn in gleicher Größenordnung. Zudem hat sich Deko Design mit der Eigenfertigung und den damit geschaffenen Freiheitsgraden neu gegenüber zum Teil problembehafteten Lieferanten positioniert und kann nun unabhängiger von äußeren Einflüssen seine eigene Produktpalette entwickeln und vermarkten. Die Zeichen stehen klar auf Umsatz- und Beschäftigungswachstum.

Fazit

In einem bestehenden Betrieb lässt sich (fast) immer zuerst durch organisatorische Maßnahmen und stärkere Einbeziehung der Mitarbeiter die Motivation der Beteiligten und damit die Effizienz, das heißt die Güte bei der Qualitätsleistung des Unternehmens, deutlich verbessern. Die Auseinandersetzung mit Material,- Energie- und Prozessthemen liefert daher (fast) immer den Treibstoff zum Aufstieg in eine höhere Effizienz-Güteklasse und sorgt so für eine bessere Wettbewerbsfähigkeit.

Danksagung:

Wir danken Herrn Wolfgang Wrobel vom Ingenieurbüro UPW in Bad Zwischenahn, der diesen Bericht aus der Praxis dem RKW zur Verfügung gestellt hat, sowie der Deko Design GmbH & Co. KG.