Noch nie war die Zeit so gut für Gründer in der Energiebranche

Andreas Kühl

Andreas Kühl

Veröffentlicht: 29.03.2016

Projekt: Energiegründer

Zusammenfassung: Laut dem Business Angel Panel (siehe Blogbeitrag vom 23.3.) liegt Energie auf dem dritten Platz in der Attraktivität für Wagnisfinanzierer. Wir haben den Energieblogger Andreas Kühl von energynet.de gefragt, warum Energiegründungen attraktiv sind.

Digitalisierung und Energiewende sind die zwei großen Themen, die Bewegung in die Energiewirtschaft bringen. Beide werden im Laufe der nächsten Jahre die gesamte Branche verändern. Selbst die großen Unternehmen der Branche sind dadurch gezwungen, sich neu zu erfinden. Das ist der ideale Zeitpunkt, um ein neues Unternehmen zu gründen, mit einem neuen Geschäftsmodell auf den Markt zu gehen oder neue Dienstleistungen und Produkte anzubieten. Wer also Ideen hat für neue Leistungen oder Produkte in der Energiebranche, der hat jetzt die ideale Zeit diese zu verwirklichen.

Was verändert die Digitalisierung in der Energiewirtschaft?

In der Energieversorgung wirkt sich die Digitalisierung auf alle Bereiche aus. Das geht vom Produktangebot über die Lieferung bis zum Vertriebsweg. Das Produkt, Strom oder Gas, an sich bleibt unverändert, aber das Angebot wird sich deutlich ändern. Viele kleine Kraftwerke können zu einem großen, virtuellen Kraftwerk gebündelt werden. Unterschiedliche Erzeuger können intelligent verknüpft werden. Mit digitalen Stromzählern kann der Verbrauch genauer erfasst und abgerechnet werden. Damit werden theoretisch auch für kleine Kunden Angebote möglich mit einem Strompreis in Abhängigkeit vom aktuellen Marktpreis, bzw. von der Tageszeit.

Die Digitalisierung geht bis zum Haushaltskunden nach Hause mit maßgeschneiderten Angeboten, passenden Informationen zum Energiesparen und mit Produkten für das Smart-Home. Der Schritt vom Energiemanagement zum bewussten Verbrauch oder für die Optimierung des Eigenverbrauchs der PV-Anlage zum Smart-Home ist nicht mehr weit.

Die Kommunikation mit den Kunden beschränkt sich in der Energiebranche heute noch auf eine jährliche, meist manuelle, Ablesung des Zählerstands und der anschließenden Ausstellung der Rechnung. Ob mit einem intelligenten Stromzähler oder nicht, die Möglichkeiten einer für die Kunden optimierten Kommunikation sind heute weit größer. Sie reichen von der Kommunikation über soziale Netzwerke bis hin zu individuellen Informationen zum Energieverbrauch und Einsparmöglichkeiten auf der Stromrechnung. In vielen Ländern ist eine Analyse der Verbrauchsdaten bereits heute üblich.

Veränderungen in der Energiebranche durch die Energiewende

Ein weiterer Faktor, der in der Energiewirtschaft für Veränderungsdruck sorgt, ist die Energiewende. Ein wachsender Anteil an Strom aus Wind-und Sonnenenergie sorgt für sinkende Preise an der Strombörse. Als Folge davon sinkt auch der Erlös aus den konventionellen Kraftwerken der Energieversorger. Hinzu kommt, dass es viele weitere Akteure auf dem Markt gibt. Die Palette der neuen Erzeuger reicht von kleinen Unternehmen und lokalen Energiegenossenschaften bis hin zum Verbraucher, der einen Teil des Stroms selbst produziert. Mit der reinen Stromerzeugung und -lieferung wird also immer weniger Umsatz möglich sein.

Durch die Energiewende wird die Erzeugung und Lieferung von Strom nur noch einen Teil der Leistungen der Energieunternehmen ausmachen. Die Bereitstellung von Strom muss sehr flexibel sein. Es wird künftig mehr darum gehen, Strom und Wärme vor Ort zu erzeugen oder dem Kunden die Erzeugung und Speicherung zu ermöglichen. Dafür sind viele neue Leistungen und individuelle Angebote notwendig.

Neue Marktteilnehmer sorgen für Veränderungsdruck

Beide Bereiche bringen neue Teilnehmer am Energiemarkt hervor. Durch die Digitalisierung wird der Markt interessant für IT-Konzerne, und die Energiewende macht den Konsumenten zu einem Akteur, den Prosumer. Wenn sich die Energiewirtschaft nicht bewegt, werden andere Anbieter diese Aufgaben übernehmen. Daher wird heute nicht mehr die Frage gestellt, ob man sich ändern muss, nur wie die Veränderung aussehen muss und wie schnell sie kommen muss.

Welche Geschäftsmodelle unter den neuen Bedingungen funktionieren, wissen die Energieversorger aber noch nicht. Sie sind in vielen Fällen selbst noch auf der Suche und können sich die Suche leisten. So können sie eigene Innovationszentren aufbauen, wie der EnBW InnovationsCampus oder Startups in der Startphase helfen, wie z.B. im E.ON Accelerator :agile, um jeweils nur ein Beispiel zu nennen.

Vielfältige Hilfe für den Start von Energiegründern

Unterstützung für Innovationen und junge Unternehmen gibt es nicht nur von bestehenden Unternehmen der Energiewirtschaft. Auch andere Unternehmen und Institutionen bieten heute eine breite Form der Starthilfe für Gründer der Energiebranche an. Es gibt eine wachsende Anzahl an Accelerator-Programmen, die sich auf die Themen Nachhaltigkeit, Cleantech oder nur Energie spezialisiert haben. Diese Programme helfen Gründern und Gründerteams, ihr Produkt marktreif zu gestalten und sich für potenzielle Investoren zu präsentieren.

Gefühlt war die Zeit für Energiegründer noch nie so gut wie heute. Der Markt wird sich in den nächsten Jahren verändern und ist offen für neue Impulse von außen. Hinzu kommt eine Vielzahl an Starthilfe-Programmen, die zum Teil auch noch speziell für die Energiebranche zugeschnitten sind. Wir werden uns also noch auf einige neue Energiegründer freuen können.

Andreas Kühl, Energieblogger von energynet.de(© Andreas Kühl - Privat/Non-kommerziell)