Am 2. November wurde der neue Academic Entrepreneurship Monitor vorgestellt. Er beleuchtet die Besonderheiten von Gründerinnen und Gründern aus Hochschule und Forschung.

Akademische Gründungen als Innovationsmotor

Jens Nagel, Geschäftsführer des RKW Kompetenzzentrums, eröffnete das Academic Entrepreneurship Monitor Online-Launch Event. Ziel der Veranstaltung war es die Forschungsergebnisse zum Thema zu präsentieren und auf Grundlage der Studienergebnisse zu diskutieren, wie das Potenzial wissenschaftlicher Ausgründungen in Deutschland noch besser genutzt werden kann. Der Global Entrepreneurship Monitor, auf dem der Monitor basiert, ist für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland eine wichtige Gründungsstudie, da sie einen zeitlichen und internationalen Vergleich des deutschen Gründungsgeschehens mit ca. 50 anderen Ländern und Datensätzen aus mehr als 25 Jahren bietet – z. B. in Hinblick auf Gründungsquoten, Gründungsmotive, Gründungseinstellungen sowie gründungsbezogene Rahmenbedingungen. Der Academic Entrepreneurship Monitor richtet den Blick insbesondere auf Gründerinnen und Gründer mit Hochschul- oder Forschungsbezug und liefert wichtige Erkenntnisse über ihre Gründungsaktivitäten und Rahmenbedingungen.

Holger Maus, Leiter des Referats VII C 2 „Unternehmensgründungen, Finanzierungs- und Förderberatung“ im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), betonte die zentrale Bedeutung wissenschaftsbasierter Gründungen für die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Diese leisten einen wichtigen Beitrag zum Wissenstransfer zwischen Forschung und Wirtschaft und können zugleich wertvolle Innovationsimpulse für mittelständische Unternehmen setzen. Vor diesem Hintergrund verwies er auf die Bedeutung der Startup- und Scaleup-Strategie der Bundesregierung. Diese zielt darauf ab, die Bedingungen für Gründung und Wachstum zu verbessern – von der Finanzierung über den Bürokratieabbau bis hin zur Zusammenarbeit von Start-ups mit etablierten Unternehmen. Auch wissenschaftsbasierte Ausgründungen sollen davon profitieren. Der Academic Entrepreneurship Monitor verdeutlicht, welches Potenzial in wissenschaftsbasierten Gründungen steckt und wie wichtig es ist, den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Wirtschaft weiter zu stärken.

Was zeichnet akademische Gründerinnen und Gründer aus?

Sie sind jung, familiär unternehmerisch geprägt und innovationsorientiert

Ausgründerinnen und Ausgründer sind diejenigen, die direkt aus Hochschulen oder Forschungseinrichtungen mit dem Ziel, dort geschaffenes Wissen wirtschaftlich zu verwerten.
Die Daten des GEM zeigen: Sie sind besonders jung. Sie sind im Schnitt knapp 30 Jahre alt und damit jünger als andere Gründerinnen und Gründer (rund 36 Jahre).
Auch der familiäre Hintergrund spielt eine Rolle: 60 Prozent der Ausgründerinnen und Ausgründer haben mindestens ein Elternteil, das selbstständig ist oder war. Bei Gründerinnen und Gründern ohne akademischen Hintergrund ist es nur knapp ein Drittel.
Ausgründerinnen und Ausgründer sind besonders innovationsorientiert. 6,2 Prozent planen oder bieten Produkt- oder Dienstleistungsinnovationen an, die weltweit neu sind; bei den übrigen Gründerinnen und Gründern sind es 3,9 Prozent. Ähnlich zeigt sich der Unterschied bei Technologie- und Prozessinnovationen. Auch der Schutz geistigen Eigentums ist relevant: 67 Prozent planen, in den kommenden zwei Jahren Schutzrechte anzumelden – gegenüber 27 Prozent in der Vergleichsgruppe.

Beratung und Entrepreneurship Education sind Ihnen wichtig

Gründungsberatung wird von akademischen Gründerinnen und Gründern besonders häufig genutzt: 78 Prozent haben bereits eine Beratung in Anspruch genommen. Bei allen Gründerinnen und Gründern sind es rund 40 Prozent.
Auch Entrepreneurship Education spielt eine wichtige Rolle: Für rund 70 Prozent waren entsprechende Angebote an Hochschulen für ihre Gründung oder geplante Gründung ausschlaggebend.

Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit als Fokus

Darüber hinaus gewinnen Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit an Bedeutung. Mehr als die Hälfte der akademischen Gründerinnen und Gründer hält KI für die eigene Geschäftsstrategie in den kommenden drei Jahren für sehr wichtig. Rund 72 Prozent haben zudem Maßnahmen zur Verringerung der Umweltwirkungen ihres Unternehmens ergriffen.

Was braucht es für mehr Ausgründungen?

Darüber diskutierten im Panel unsere Gäste Prof. Dr. Matthias Baum, Universität Bayreuth, Philippa Köhnk, BRYCK Startup Alliance GmbH, Dr. Sarah Theinert, Unternehmertum Venture Capital Partners Gmbh, Dr. Petra König, Forschungszentrum Jülich GmbH, Projektträger Jülich. Die Paneldiskussion wurde von Dr. Florian Täube, Fachbereichsleiter Gründung im RKW Kompetenzzentrum, moderiert.

1. Frühzeitige und passgenaue Gründungsunterstützung

Das Interesse an Gründung ist grundlegend bei vielen Studierenden schon vorhanden. Gleichzeitig bestehen weiterhin Anreizprobleme und Hürden auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Frühzeitige und niedrigschwellige Beratung kann dabei helfen, Gründungspotenziale zu erkennen und weiterzuentwickeln. Besonders wirksam sind praxisorientierte, aktionsbasierte Lernformate, in denen Studierende erste eigene Gründungserfahrungen sammeln. Auch bei Finanzierung, Geschäftsmodellentwicklung und IP-Rechten ist Unterstützung wichtig.

2. Mehr Sichtbarkeit für Gründungsförderung und erfolgreiche Gründungen

Gründungsförderung an Hochschulen sollte sichtbarer und leichter zugänglich werden. Gleichzeitig können erfolgreiche akademische Gründungen als Vorbilder zeigen, welche Wege von der Forschung in die unternehmerische Praxis möglich sind. Insbesondere Gründerinnen sollten stärker ins Rampenlicht gerückt und mehr Frauen für den Karriereweg der Unternehmensgründung gewonnen werden. Der Austausch mit bereits erfolgreichen Gründerinnen und Gründern kann dabei wertvolle Orientierung geben.

3. Mittelstand und Start-ups stärker vernetzen

Der Mittelstand ist für wissenschaftsbasierte Start-ups ein wichtiger Kunde, Kooperationspartner und potenzieller Investor. Umgekehrt können Start-ups den Mittelstand bei Innovation und Transformation unterstützen. Besonders erfolgversprechend ist eine Zusammenarbeit, die bereits bei der Ideenentwicklung beginnt und bis zur Skalierung reicht. Der direkte Austausch hilft dabei, die Bedürfnisse des Mittelstands besser zu verstehen und marktfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln.

4. Starke Gründungsökosysteme aufbauen

Erfolgreiche Ausgründungen brauchen starke Netzwerke aus Hochschulen, Unternehmen, Investorinnen und Investoren, Business Angels, Talenten und Gründungsberatungen. Diese sollten regional verankert und international ausgerichtet sein. Förderinitiativen wie EXIST tragen dazu bei, solche Ökosysteme aufzubauen und Wissenschaft, Wirtschaft und Finanzierungspartner enger miteinander zu vernetzen. Darüber hinaus setzen die EXIST Startup Factories ergänzend auf die Weiterentwicklung leistungsfähiger Gründungsökosysteme und eine engere Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Investoren. Auch der Erfahrungsaustausch zwischen Gründungsinteressierten und bereits erfolgreichen Gründerinnen und Gründern kann einen wichtigen Beitrag leisten.

5. Forschungstransfer ausbauen

Exzellente Forschung ist die Grundlage für erfolgreiche Ausgründungen. Gleichzeitig müssen Forschungsergebnisse noch stärker in wirtschaftliche und gesellschaftliche Anwendungen überführt werden. Förderprogramme und Gründungsinitiativen können dabei helfen, aus Forschungsergebnissen tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Wichtig sind hierbei besonders klare Regelungen zu IP-Rechten, damit Gründerinnen und Gründer ihre Unternehmen eigenständig und flexibel weiterentwickeln können.

Fazit

Der Academic Entrepreneurship Monitor zeigt: Akademische Gründerinnen und Gründer sind jung, innovationsorientiert und nutzen Gründungsunterstützung intensiv. Um dieses Potenzial noch besser zu nutzen, braucht es frühzeitige Förderung, mehr Sichtbarkeit, starke Kooperationen mit dem Mittelstand und leistungsfähige Gründungsökosysteme. So kann der Weg von exzellenter Forschung zu erfolgreichen Unternehmen weiter gestärkt werden.

Zum Academic Entrepreneurship Monitor 

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