Experiment „Gewerbeanmeldung“

Gewerbeformular

Veröffentlicht: 17.01.2019

Projekt: Gründung digital

Zusammenfassung: Das Geschäftsmodell ist entwickelt, der Businessplan geschrieben, nun das Gewerbe anmelden und los geht’s. So einfach sollte es funktionieren. Doch wie ist es wirklich?

„Ah, das ist ja eine verwaltungstechnische Formalität“ antwortet Asterix positiv überrascht als ihm im Film „Asterix erobert Rom“ die Aufgabe gestellt wird, den Passierschein A38 in der Präfektur zu holen. Denn im Vergleich zu den anderen elf gestellten Aufgaben, welche Asterix und Obelix bewältigen müssen, um Cäsar zu überzeugen, scheint das sehr einfach. Ähnlich empfinden vermutlich auch Gründer*innen wenn sie nach einer langen Phase des Planens und Vorbereitens ihr Gewerbe offiziell anmelden wollen. Denn im Angesicht der geleisteten und bevorstehenden Herausforderungen sollte die Beantragung des Gewerbescheins ein formaler Klacks sein.
Studien weisen jedoch darauf hin, dass dies nicht unbedingt der Fall ist. Laut dem KfW Gründungsmonitor sind Verwaltungsverfahren die am häufigsten genannte Belastung bei der Unternehmensgründung und das seit mehreren Jahren. Dabei sind es vor allem An- und Abmeldeprozesse, die den Gründer*innen Kopfschmerzen bereiten.
Bedenkt man, welche Herausforderungen Gründer*innen bei der Umsetzung einer Geschäftsidee meistern müssen und dass die Gewerbeanmeldung im Schnitt lediglich zwei Stunden der Gesamtumsetzung der Unternehmensgründung ausmacht, verwundert es, dass ausgerechnet solche Prozesse die größte Herausforderung darstellen sollen. Um Gründer*innen an dieser Stelle besser zu verstehen, führte ich ein Experiment durch: Ich schlüpfte in die Rolle einer Gründerin und versuchte den Gewerbeanmeldeprozess für ein einfaches Ladengeschäft in Kommunen unterschiedlicher Bundesländer und verschiedener Größe durchzuspielen:

Ich beginne mit einer Großstadt in Nordrhein-Westfalen weil ich mir hier eine unkomplizierte digitale Lösung erhoffe. Nach ein paar Klicks auf der Webseite finde ich auch eine Übersicht mit Leistungen, externen Links und Ähnlichem für Unternehmer*innen. Eine Übersichtsseite zur Gewerbeanmeldung ist auch bald gefunden. Dort gibt es Informationen zu den verschiedenen Wegen, über die man die Anmeldung vollziehen kann inklusive Hyperlink zum hauseigenen Online-Fachverfahren. Soweit so gut, doch werden mir im rechten Bereich der Übersichtsseite unter „ähnliche Dienstleistungen“, Gewerbeanmeldungen- je nach Rechtsform der angestrebten Gründung, angeboten. Eine Weile klicke ich mich verwirrt durch die verschiedenen Unterseiten, gelange zwischendurch auf eine andere Übersichtsseite zu „Gewerbeangelegenheiten“, auf der ich auch mein Gewerbe anmelden könnte. Dort werden mir allerdings nicht dieselben Optionen geboten, wie auf der erstgefundenen Übersichtsseite „Gewerbean-, ab-, und –ummeldung“. Die Irritation vergrößert sich als ich einen Link zum Einheitlichen Ansprechpartner entdecke, obwohl dieser auf keiner der vielen Unterseiten als Möglichkeit, mein Gewerbe anzumelden, erwähnt wird.
Um mich nicht in der Verwirrung zu verlieren, beschließe ich einen Blick in das Online-Fachverfahren, zu dem ich zum Glück von allen Unterseiten, die auf die digitale Gewerbeanmeldung verweisen, gelange, sowie den Einheitlichen Ansprechpartner zu werfen. Beide sind übersichtlich gestaltet, scheinen sich nur hinsichtlich der Datenabfrage zu unterscheiden. Anscheinend kann ich beide digitalen Verfahren zur Gewerbeanmeldung nutzen. Ob eines davon für mich vorteilhafter ist, bleibt leider unklar.
Ich beschließe mich der nächsten Kommune, einer Kreisstadt in Hessen, zu widmen. Beim Aufruf der Webseite darf ich mich gleich zu Beginn entscheiden ob ich die Seite als Besucher*in, Bürger*in oder Unternehmer*in nutze. Das finde ich toll und klicke auf Unternehmer*in. Ich werde auf eine Seite im 90er-Look weitergeleitet, die den Standort bewirbt, aber keine weiteren Infos beinhaltet. Da es keine Suchfunktion gibt kehre ich auf die Einstiegsseite zurück und finde ein „Rathaus online“-Logo. Hier bin ich richtig und finde schnell die Online-Gewerbeanzeige. Durch einen Klick auf das aufgeführte Verfahren werde ich direkt auf den Einheitlichen Ansprechpartner des Landes weitergeleitet, der neben Informationen auch eine Antragssimulation bietet. Im Vergleich zu der ersten Kommune ist hier die digitale Gewerbeanmeldung gut und einfach integriert. Schade finde ich allerdings, dass es auf der Webseite keine weiteren Infos oder eine Übersichtsseite gibt. Das einzige, was ich neben dieser Verlinkung finde, sind Formulare, die ohne weitere Thematisierung im digitalen Raum zum Download bereitstehen.
Eine weitere Kommune möchte ich für mein Experiment begutachten und zwar eine kleinere, ländlichere Gemeinde. Über die Webseite der Kommune finde ich schnell, was ich suche. Auch sie bieten ein hauseigenes digitales Verfahren an. Allerdings lädt die Seite des Online-Fachverfahrens dermaßen lange, dass ich freiwillig aufgebe. Da ich nicht nach Baden-Württemberg fahren möchte, um vor Ort mein Gewerbe anzumelden, durchsuche ich die Webseite weiter und finde, wie bei der ersten Kommune, weitere Unterseiten die zur Gewerbeanmeldung informieren. Die Inhalte sind hier etwas besser strukturiert und aufbereitet als auf der ersten Übersichtsseite, doch unterscheiden sich die Unterseiten hinsichtlich der aufgeführten Möglichkeiten und Wege, sein Gewerbe anzumelden: Während auf der erstgefundenen Seite nur das eigene Online-Fachverfahren angeführt wird, wird auf den weiteren Unterseiten, die ich finde, nicht auf das Online-Fachverfahren der Kommune aber auf den Einheitlichen Ansprechpartner des Landratsamtes sowie den Einheitlichen Ansprechpartner der Kammern verwiesen. Da diese Verweise nicht verlinkt sind muss ich diese Ansprechpartner zunächst googeln. Wirklich schlau und fündig werde ich durch die Suchergebnisse nicht und frage mich, ob ich nicht doch lieber in einer der umliegenden Kommunen, die ein funktionierendes, digitales Verfahren anbieten, gründen möchte. Mit diesem Gedanken beende ich mein Experiment.

Alle getesteten Kommunen bieten Informationen zur Gewerbeanmeldung an, wenn auch bei einer Kommune erst durch Nutzung des Einheitlichen Ansprechpartners, die gut aufzufinden sind. Weiterhin bieten zwei der Kommunen funktionierende digitale Verfahren an, bei der dritten Kommune scheint ein technischer Fehler vorzuliegen. Eigentlich sind das gute Voraussetzungen für Gründer*innen, doch der Teufel steckt bekanntermaßen im Detail: Bei zwei der Kommunen gibt es mehrere Unterseiten die zur Gewerbeanmeldung informieren und unterschiedliche Online-Verfahren zur Auswahl. Diese Parallelstrukturen können dazu führen, dass man als Gründer*in wie Asterix und Obelix in dem oben erwähnten Film durch das Amt hastet, stets auf der Suche nach dem richtigen Formular und Ansprechpartner. Allerdings hasten die Gründer*innen nicht vor Ort durch das Amt, sondern digital durch den Webauftritt der Kommunen und vermutlich auch Google-Suchergebnissen. Nun verstehe ich, warum Gründer*innen Verwaltungsprozesse als eine große Hürde im Gründungsprozess empfinden, zumal die Gewerbeanmeldung nur ein Prozess von Vielen ist.