Der Woman Entrepreneurship Monitor, der auf den 20024er Daten des Global Entrepreneurship Monitors Deutschland basiert, verdeutlicht, dass in Deutschland bei den Gründungen ein Geschlechterunterschied zwischen Frauen und Männern besteht. Frauen starten seltener ein neues Unternehmen. Die weibliche TEA-Gründungsquote beträgt 8,5 %, die männliche 11,0 %. Zudem machen Frauen in Deutschland im Vergleich zu Männern im Schnitt erst etwas später im Leben den Schritt in die Selbstständigkeit. Die TEA-Gründerinnen sind mit einem Altersdurchschnitt von 38,7 Jahren gut drei Jahre älter als die TEA-Gründer, bei denen der Durchschnitt 35,6 Jahre beträgt.

Zu diesem Thema haben im Projekt „Frauen für das Thema Gründung gewinnen und (potenzielle) Gründerinnen zielgerichtet ansprechen“ Dr. Natalia Gorynia-Pfeffer und Armin Baharian einen Online-Workshop mit Expertinnen und Experten aus Innovations-, Technologie- und Gründerzentren durchgeführt. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit Peggy Zimmermann statt, Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren e. V. (BVIZ) und Beiratsmitglied im Fachbeirat Gründung im RKW Kompetenzzentrum. Basis für den Workshop waren der RKW-Leitfaden zur Ansprache von Frauen zum Thema Gründung und das RKW-Themenheft Female Entrepreneurship. Die Schlüsselergebnisse beider Publikationen wurden eingangs des Online-Workshops präsentiert. Anschließend wurden von den Expertinnen und Experten aus den Gründungszentren davon ausgehend weitere Ideen entwickelt, wie künftig noch mehr Frauen auf den Karriereweg der Gründung und die Chancen, die die Innovations-, Technologie- und Gründerzentren bieten, aufmerksam gemacht werden können. Die Ideen werden nachfolgend vorgestellt.

Ideen, um mehr Frauen auf den Karriereweg der Gründung aufmerksam zu machen

Bildungsangebote als Einstieg

Um Kontakt zu potentiell gründungsinteressierten Frauen aufzubauen, bieten sich aus Erfahrung der Expertinnen und Experten Kurse und Lerninhalte zu Themen wie Marketing und Public Relations an. Formate zu diesen Themen stoßen bei Frauen auf eine hohe Nachfrage. Gleiches gilt für Angebote zu Themen wie Design Thinking oder der Vermittlung der Kompetenz, einen Businessplan aufstellen zu können.

Niedrigschwellige Formate und Vorbilder

Zudem haben sich niedrigschwellige Angebote für Frauen im Bereich Gründung als erfolgreich erwiesen. Hierzu zählt beispielsweise eine Roadshow zum Thema Selbständigkeit, in die Unternehmerinnen und Gründerinnen als Rollenvorbilder eingebunden sind. Durch das Format wird u. a. Frauen die Botschaft vermittelt, dass eine Gründungsidee nicht 100 % perfekt sein muss, um mit Gründungsunterstützungsinstitutionen in den Dialog zu treten. Erfolgreiche Gründerinnen und Unternehmerinnen sichtbar zu machen, ist ein erfolgreicher Ansatz um Frauen zum Gründen zu ermutigen. In digitalen Kanälen können hier mit Storytelling oder über Best-Practice-Beispiele spannende Inhalte erstellt und kommuniziert werden.

Netzwerke und geschützte Räume

Zudem sind gleichgeschlechtliche Netzwerke wertvoll, in denen potenzielle Gründerinnen und Unternehmerinnen sich vertraulich austauschen können. Ein solcher „geschützter Raum“ hilft Frauen, Hemmungen abzubauen und über ihre Gründungsideen zu sprechen. Zu den erfolgreichen niedrigschwelligen Angeboten für Gründerinnen zählt auch das Format des Gründerinnenfrühstücks, bei dem Frauen sich in lockerer Atmosphäre zum Thema Gründung informieren können. Um berufstätige Frauen anzusprechen haben sich Termine an Morgen (z. B. Start um 07:30 Uhr) als geeignet erwiesen. Dies ermöglicht es Frauen, auf dem Weg ins Büro einen „Zwischenstopp“ zu machen und eine Veranstaltung zum Thema Gründung zu besuchen, ohne hierfür (viel) zusätzliche Fahrzeit aufwenden zu müssen.

Digitale Ansprache und Künstliche Intelligenz

Auch die digitale Technologie ermöglicht neue Ansätze um Frauen zum Thema Gründung anzusprechen. So hat es sich für ein Gründungszentrum als erfolgreich erwiesen, unterstützt durch Künstliche Intelligenz (potentielle) Gründerinnen in der Region auf Karrierenetzwerken zu identifizieren. Durch die Möglichkeit, über die Netzwerke per Textnachricht direkt mit Personen in Kontakt zu treten, konnte durch den persönlichen Austausch häufig ein intensiver Dialog entstehen. Passend zu den Bedürfnissen der (potenziellen) Gründerinnen konnten so passgenau Programme und Angebote zum Thema Gründung empfohlen werden, die von den Frauen in vielen Fällen auch wahrgenommen wurden.

Entrepreneurship Education und Kooperationen

Auch Entrepreneurship Education ist ein Weg, um Frauen schon in der Schule oder Hochschule mit dem Karriereweg der Gründung in Kontakt zu bringen. Hier ist eine Zusammenarbeit mit Schulen oder Hochschulen ein Ansatz, um mit Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrer sowie Hochschullehrenden in den Dialog zu gehen. Im Themenfeld bieten die Wirtschaftswettbewerbe und Planspiele des Initiativkreises „Gründung in school“ beispielsweise die Möglichkeit für Expertinnen und Experten aus Gründungszentren Mädchen-Teams als Teambetreuerinnen oder Teambetreuer zu begleiten und Wissen an sie weiterzugeben. Zudem können durch das Anbieten von Workshops oder anderen Lernformaten Schülerinnen oder Studentinnen Wirtschaftswissen aufbauen. Bei den Kooperationen bestehen bei den Gründungszentren auch positive Erfahrungen mit Veranstaltungen, die zusammen mit Volkshochschulen oder der Agentur für Arbeit durchgeführt werden. Durch die Kooperationen konnten Frauenkreise erreicht werden, die vorher noch nicht mit dem Thema Gründung in Berührung gekommen waren. 

Fazit

Die im Workshop gesammelten Ideen zeigen: Es gibt kein einzelnes Patentrezept, um Frauen für den Weg in die Selbstständigkeit zu gewinnen. Erfolgreiche Ansprache setzt auf eine Kombination aus niedrigschwelligen Formaten, sichtbaren Vorbildern und vertrauensvollen Räumen, in denen Frauen offen über ihre Gründungsideen sprechen können. Digitale Kanäle und Kooperationen mit Bildungseinrichtungen oder anderen Institutionen erweitern die Reichweite und erschließen neue Zielgruppen. Innovations-, Technologie- und Gründerzentren sind dabei wichtige Anlaufstellen und Brücken zwischen Gründungsinteresse und konkreter Unterstützung. Die vorgestellten Ansätze können als Impulse dienen, bestehende Angebote weiterzuentwickeln und neue Wege zu erproben, um mehr Frauen für das Thema Gründung zu begeistern.

 

Die Total early-stage Entrepreneurial Activity (TEA) stellt die Gesamtheit der angehenden Gründerinnen
und Gründer und der Gründerinnen und Gründer dar. Personen, die sowohl angehende Gründerinnen und Gründer als auch Gründerinnen und Gründer sind, werden nur einmal gezählt. Die TEA wird in Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung im Alter von 18 bis 64 Jahren ausgedrückt.

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  • © jacoblund / Getty Images – Frauen diskutieren (3294_frauen-diskutieren.jpg)