Im Rahmen des Global Entrepreneurship Monitors (GEM) werden akademische Gründungen seit 2025 in der repräsentativen Bevölkerungsbefragung erfasst. Akademische Gründerinnen und Gründer werden als diejenigen definiert, deren Unternehmen direkt aus einer Forschungseinrichtung oder Hochschule gegründet oder geplant wurde, mit dem Ziel, zumindest einen Teil des in diesen Institutionen geschaffen Wissens zu verwerten. Somit umfassen akademische Gründungen im Rahmen des GEM nicht nur klassische Ausgründungen aus Hochschulen, die auf konkreten Forschungsergebnissen oder technologischen Entwicklungen basieren. Sondern auch Gründerinnen und Gründer, die die Universität als Qualifikations-, Inspirations- oder Vernetzungsraum für ihr neues Unternehmen genutzt haben oder nutzen.
Gendergap ist im akademischen Umfeld weniger ausgeprägt
Wie in nahezu allen Gründungsphasen sind Frauen auch bei akademischen Gründungen insgesamt seltener vertreten als Männer. Die aktuellen Ergebnisse aus der GEM-Studie zeigen, dass 2,9 Prozent der Männer und 2,3 Prozent der Frauen in der Gesamtbevölkerung in Deutschland in den letzten dreieinhalb Jahren ein Unternehmen aus einer Hochschule oder Forschungseinrichtung heraus gegründet haben oder zu gründen planten. Ihr Ziel war jeweils, zumindest einen Teil des geschaffenen Wissens zu verwerten. Bemerkenswert ist, dass der geschlechtsspezifische Unterschied lediglich 0,6 Prozentpunkte beträgt und damit deutlich geringer ausfällt als bei den meisten anderen im GEM betrachteten Gründungsformen. Akademische Gründungen sind vergleichsweise geschlechtsneutral, während in anderen Bereichen der Unternehmensgründung weiterhin größere Unterschiede zwischen den Gründungsquoten von Männern und Frauen bestehen.
Die GEM-Daten zeigen auch, dass der Anteil der TEA-Ausgründer an allen TEA-Gründern 21,0 Prozent beträgt, während der Anteil der TEA-Ausgründerinnen an allen TEA-Gründerinnen bei 23 Prozent liegt. Zu beachten ist, dass aufgrund der Definition der TEA- Gründungsquote nicht nur tatsächliche Ausgründungen erfasst werden, sondern auch solche, die noch in der Vorbereitung sind. Dabei befinden sich fast zwei Drittel (64,9 Prozent) noch in der Vorbereitungsphase, während gut ein Drittel (35 Prozent) bereits gegründet hat. Das unterstreicht das große Potenzial, das derzeit an Hochschulen entsteht. Programme zur Sensibilisierung, Qualifizierung und Unterstützung von Gründerinnen und Gründern sowie die zunehmende institutionelle Verankerung der Gründungsförderung tragen dazu bei, unternehmerische Aktivitäten an Hochschulen zu stärken. Der Anteil der Hochschulen, die entsprechende Programme bereitstellen, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Programme wie „exist — From science to business“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) bieten hierfür wichtige Impulse.
Staatliche Förderung spielt eine Schlüsselrolle
Durch Netzwerke, Inkubatoren und Technologie-Transferstellen unterstützen Universitäten und Hochschulen wissensbasierte Ausgründungen, ermöglichen den Zugang zu Ressourcen und Mentoring sowie die Integration in bestehende Innovationsstrukturen (vgl. Tereshchenko et al., 2024).
Mehr als drei Viertel der Ausgründerinnen und Ausgründer bewerten die Existenz staatlicher Förderprogramme als entscheidend für ihre Gründung. Tatsächlich wahrgenommen werden diese dann jedoch häufiger von Frauen als von Männern (51,6 Prozent gegenüber 40 Prozent).
Gründungsberatung und Patentanmeldung
Auch Gründungsberatung wird von Ausgründerinnen und Ausgründern deutlich häufiger genutzt als bei sonstigen Unternehmensgründungen. Besonders Frauen (93,5 Prozent) nehmen Beratungsangebote im Vergleich zu Männern (66,7 Prozent) stärker in Anspruch. Ein wichtiger Grund hierfür dürfte sein, dass die Personen mit konkreten Ausgründungsabsichten aus Universitäten oder Hochschulen einen direkten Zugang zu den hochschulischen Gründungszentren haben. Weiterhin können wissenschaftliche Ausgründungen in frühen Gründungsphasen durch das EXIST-Programm unterstützt werden. Im Gegensatz dazu haben Gründerinnen und Gründer beispielsweise von Spin-outs aus etablierten Unternehmen in der Frühphase keinen Zugang zu vergleichbaren Förderprogrammen (vgl. Bünstorf et.al, 2025). Demgegenüber müssen potenzielle Gründerinnen und Gründer außerhalb dieser Strukturen zunächst geeignete Beratungs- und Unterstützungsangebote identifizieren, was den Zugang zu entsprechenden Leistungen erschwert.
Studien zeigen, dass in Deutschland wissenschaftliche Ausgründungen deutlich häufiger patentaktiv sind als die Gesamtheit aller Gründungen (vgl. OECD, 2022). Darüber hinaus planen Frauen häufiger (75 Prozent) Patentanmeldungen in den nächsten zwei Jahren als ihre männlichen Kollegen (60 Prozent). Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Frauen bei Ausgründungen in externen Unterstützung- und Beratungsangeboten eher Vorteile sehen oder diese stärker nutzen als Männer. Dies spricht für einen hohen Bedarf an professioneller Unterstützung, aber auch für die gute Erreichbarkeit sowie das Angebot der Gründungszentren an Hochschulen.
Implikationen für die Praxis
Akademische Gründungen sind eine tragende Säule des deutschen Innovationssystems. Damit künftig noch mehr Menschen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen oder in deren direktem Umfeld gründen, gilt es, administrative Hürden abzubauen, Transferprozesse zu beschleunigen und regionale Innovationsökosysteme zu stärken.
Um wissenschaftliche Gründungen nachhaltig zu fördern, sind zudem bessere finanzielle, institutionelle und kulturelle Rahmenbedingungen erforderlich. Dazu gehören frühe finanzielle Unterstützung, zeitliche Freiräume sowie eine leistungsfähige Gründungs- und Transferinfrastruktur. Auch nach der Gründung sollten wissenschaftliche Start-ups beim Marktzugang, bei der Internationalisierung und der Finanzierung unterstützt werden. Gründungen, Patente und Transferleistungen sollten stärker als wissenschaftliche Leistungen anerkannt und bei Berufungs- und Karriereentscheidungen berücksichtigt werden. Gleichzeitig gilt es, Unternehmertum als gleichwertigen Karriereweg an Hochschulen zu etablieren und erfolgreiche Ausgründungen sichtbarer zu machen.
Literatur
Bünstorf, G.; Cantner, U.; Häussler, C.; Meurer, P. (2025): Innovationsmotor Start-ups: Herausforderungen und politische Unterstützung. ifo Schnelldienst, 2025, 78, Nr. 05, 10–13, München: ifo Institut.
OECD (2022): OECD Reviews of Innovation Policy: Germany 2022: Building Agility for Successful Transitions, OECD Reviews of Innovation Policy. Paris: OECD Publishing.
Tereshchenko, E.; Salmela, E.; Melkko, E.; Phang, S. K.; Happonen, A. (2024): Emerging best strategies and capabilities for university– industry cooperation: opportunities for MSMEs and universities to improve collaboration. Journal of Innovation and Entrepreneurship, 13, 28.
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