KI in der Ausbildung: zwischen Hype und Praxis
Kaum ein Thema wird derzeit so intensiv diskutiert wie Künstliche Intelligenz. Während viele Unternehmen noch überlegen, wie sie KI sinnvoll einsetzen können, nutzen zahlreiche Jugendliche bereits selbstverständlich ChatGPT & Co. für Schule, Ausbildung und Alltag.
Für Personalverantwortliche, Ausbildende und Führungskräfte in kleinen und mittleren Unternehmen stellt sich daher eine zentrale Frage:
Wie können wir junge Menschen auf eine Arbeitswelt vorbereiten, die sich durch KI grundlegend verändert?
Im Podcast sprach ich mit Saskia Moseke, KI-Botschafterin bei Tobit Software und ehemalige Lehrerin. Gemeinsam diskutierten wir, welche Erfahrungen aktuell in Schulen gesammelt werden, welche Kompetenzen künftig entscheidend sind und was Unternehmen daraus für ihre Ausbildung ableiten können.
Warum Schulen für Unternehmen gerade besonders interessant sind
Saskia Moseke begleitet das Forschungsprojekt „KIMADU“ (KI für den Mathe- und Deutschunterricht), das gemeinsam mit dem Bildungsministerium NRW und der Universität Siegen durchgeführt wird. Ziel des Projekts ist es herauszufinden, wie KI sinnvoll in Lernprozesse integriert werden kann.
Dabei geht es nicht darum, Lernende möglichst schnell zu Lösungen zu führen. Vielmehr wird untersucht:
- Wie können Lernprozesse unterstützt werden?
- Wie lässt sich individuelles Lernen fördern?
- Welche Rolle übernehmen Lehrkräfte künftig?
- Welche Kompetenzen benötigen Lernende im Umgang mit KI?
Diese Fragen betreffen nicht nur Schulen. Sie sind mindestens genauso relevant für die betriebliche Ausbildung.
Die gute Nachricht: Alle sind aktuell noch Lernende
Ein besonders wichtiger Gedanke aus dem Gespräch:
Aktuell sind wir eigentlich alle Anfänger."
Ob erfahrene Fachkraft, Führungskraft oder Auszubildende – niemand verfügt über jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit generativer KI. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass junge Menschen KI häufig intuitiver nutzen, während erfahrene Mitarbeitende stärker auf bestehendes Fachwissen zurückgreifen können.
Für Unternehmen bedeutet das: in der Ausbildung spielt der gemeinsamen Lernprozess eine immer größere Rolle. Ausbildende müssen nicht jede Antwort kennen. Viel wichtiger wird die Fähigkeit, Lernräume zu schaffen, in denen Auszubildende (und Ausbildende) neue Technologien verantwortungsvoll ausprobieren können.
Welche Kompetenzen werden durch KI in der Ausbildung wichtiger?
KI verändert nicht in erster Linie, welche Fachkenntnisse gefragt sind – sondern welche Grundkompetenzen zählen:
- Kritisches Denken: KI liefert beeindruckende, aber nicht immer korrekte Antworten. Auszubildende müssen Ergebnisse einordnen, hinterfragen und mit eigenem Fachwissen abgleichen können.
- Kommunikationskompetenz: Die Qualität von KI-Ergebnissen hängt direkt davon ab, wie präzise Anfragen formuliert werden. Wer Gedanken strukturieren und Anforderungen klar beschreiben kann, arbeitet effektiver mit KI.
- Verantwortungsbewusstsein: KI unterstützt – entschieden und verantwortet wird weiterhin von Menschen. Diese Haltung muss früh in der Ausbildung verankert werden.
Warum Azubiprojekte jetzt wichtiger werden
Im Podcast wurde deutlich: Kompetenzen entstehen nicht durch Zuhören, sondern durch Anwendung. Deshalb gewinnen Lernformen an Bedeutung, bei denen Auszubildende: eigenverantwortlich arbeiten, reale Probleme lösen, Entscheidungen treffen, Ergebnisse präsentieren, Fehler machen und daraus lernen.
Diese Erfahrungen decken sich mit den Beobachtungen aus dem Projekt Digiscouts, bei dem Auszubildende eigenständig Digitalisierungsprojekte entwickeln und umsetzen.
Gerade im Umgang mit KI können solche Projekte wertvolle Lernfelder schaffen, wie z.B. die Entwicklung eines Onboarding-Chatbots, die Erstellung einer Wissensdatenbank oder auch Recherche- und Analyseprojekte.
Müssen Ausbilder jetzt KI-Experten werden?
Die klare Antwort von Saskia Moseke: Nein.
Ausbildende müssen nicht zu KI-Spezialisten oder Prompt-Engineers werden. Entscheidend ist vielmehr ein grundlegendes Verständnis dafür wie KI funktioniert, wo Chancen und Risiken liegen und wo KI im Arbeitsalltag unterstützen kann.
Wer offen bleibt, selbst ausprobiert und Lernprozesse begleitet, erfüllt bereits eine zentrale Rolle. Die Rolle von Ausbildenden verändert sich nämlich dabei ähnlich wie die von Lehrkräften: von der Wissensvermittlung hin zur Lernbegleitung.
Wie Unternehmen sinnvoll mit KI in der Ausbildung starten können
Viele KI-Initiativen scheitern daran, dass Mitarbeitende überfordert werden oder keinen konkreten Nutzen erkennen. Es empfiehlt sich daher ein schrittweises Vorgehen, bei dem konkrete Anwendungsfälle geschaffen werden, Mitarbeitende und Auszubildende ausprobieren können und ein gemeinsamer Austausch etabliert wird. So entsteht Schritt für Schritt eine lernförderliche „KI-Kultur“ und damit auch wichtige Kompetenzen.
- © chiewr / Getty Images – Künstliche Intelligenz (Hände) (3645_kuenstliche-intelligenz-haende.jpg)