Die Bremer Energie-Konsens GmbH, kurz energiekonsens, ist die gemeinnützige Klimaschutzagentur für Bremen und Bremerhaven. Sie berät, vernetzt und bildet weiter, mit dem Ziel eines klimaneutralen Landes Bremen. Digitalisierung spielt für das Unternehmen dabei eine doppelte Rolle: Sie hilft, Ressourcen zu schonen und erleichtert zugleich den Arbeitsalltag. Im Rahmen des Projekts Digiscouts nahm sich ein Auszubildender genau dieses Themas an und entwickelte ein digitales System zur Nachverfolgung von Lagerbeständen. Im Interview erzählt er von der Idee des Lagersystems, der Umsetzung und den nächsten Schritten.
Wie bist du auf die Projektidee gekommen?
Ich bin zunächst durch das Büro gegangen und habe nachgefragt, wo im Arbeitsalltag der größte Bedarf an Digitalisierung besteht. Dabei kamen einige Ideen zusammen, etwa bessere Onboarding-Prozesse, die elektronische Unterschrift oder ein firmeninternes Wissensintranet. Am Ende habe ich mich für ein Thema entschieden, das immer wieder zur Sprache kam: die fehlende Übersicht über Gegenstände, die bei uns im Keller gelagert werden. Ausschlaggebend war ein konkreter Fall: Ausstellungsgläser und Sonnenliegen für unsere Messe wurden erst nach mehreren Monaten in einem falsch zugeordneten Kellerraum wiedergefunden. Da war klar, dass ich hier ansetzen möchte.
Wie sollte das Lagersystem aussehen?
Mein Ziel war ein System, mit dem sich unsere Bestandsgegenstände mit wenigen Klicks ein- und ausbuchen und jederzeit nachverfolgen lassen: welcher Gegenstand, an welchem Standort, zu welchem Zeitpunkt. Da wir zuvor kein vergleichbares System hatten, konnte ich komplett neu starten.
Wie bist du bei der Umsetzung vorgegangen?
Als Projektleiter und einziges Teammitglied hatte ich viel Gestaltungsfreiheit. Zunächst habe ich einen realistischen Zeitplan aufgestellt und dann rund drei Wochen lang recherchiert: webbasierte Programme verglichen, verfügbare Apps getestet und meine Erfahrungen sowie mögliche Kosten dokumentiert. Das Ergebnis der Recherche war ernüchternd, die meisten Systeme waren entweder zu umfangreich für unsere Anforderungen oder hätten unser Budget deutlich überschritten. Also habe ich mich entschieden, die Lösung selbst zu programmieren.
Wie hast du dir das nötige Wissen dafür angeeignet?
Mit Excel-Tutorials und Informatik-Vorwissen habe ich mich Schritt für Schritt herangetastet: Code kopiert, Zeile für Zeile nachvollzogen, angepasst und getestet. Eine zentrale Hürde ergab sich, als deutsche und englische Formelsprachen aufeinandertrafen, was zunächst zu etlichen Fehlermeldungen führte. Nachdem ich das erkannt und behoben hatte, funktionierte die zentrale Grundfunktion, Dateneingabe in Einträge umzuwandeln, zum ersten Mal zuverlässig. Dieser Moment hat sich nach einigem Herumprobieren richtig gut angefühlt.
Danach habe ich das Design überarbeitet und eine Barcode-Funktion ergänzt. Ein Barcode ist im Grunde nur eine Schriftart, die man sich im Internet herunterladen und in sein Dokument einfügen kann. Allerdings müssen je nach Barcode-Art bestimmte Faktoren erfüllt sein, damit er später auch erkannt wird. Dass mein Scanner meine ersten Codes nicht lesen wollte, konnte ich am Ende durch eine andere Schriftart, Libre Barcode 39, und etwas Recherche im Internet beheben.
Welchen Nutzen hat das Lagersystem für energiekonsens?
Künftig lässt sich auf einen Blick erkennen, welcher Gegenstand sich an welchem Standort befindet und wann er dorthin gelangt ist. Gerade für ein Unternehmen wie uns, das regelmäßig Ausstellungsmaterial und Equipment für Veranstaltungen lagert, bedeutet das weniger Zeitaufwand bei der Suche und mehr Verlässlichkeit im Tagesgeschäft.
Wie waren die Rückmeldungen aus dem Kollegium?
Als ich das System einigen Kolleginnen und Kollegen gezeigt habe, war die Resonanz durchweg positiv, alle freuen sich darauf, ein solches System bald im Alltag nutzen zu können. Auch die Geschäftsführung hat sich zufrieden gezeigt.
Was hast du persönlich aus dem Projekt mitgenommen?
Meine Fähigkeiten in Excel haben sich im Verlauf des Projekts deutlich weiterentwickelt, genauso wie mein Herangehen an technische Probleme. Ich merke, dass ich heute strukturierter an solche Aufgaben herangehe als noch zu Beginn und bin ehrlich stolz darauf, dass aus einer Excel-Idee ein funktionierendes System geworden ist.
Wie geht es mit dem Projekt weiter?
Bislang konnte ich das System noch nicht im laufenden Betrieb testen, das ist der nächste Schritt. Gemeinsam mit einem Kollegen aus der Verwaltung möchte ich außerdem prüfen, ob sich aus meinem Programm eine eigene App entwickeln lässt. Die Digitalisierung und Entwicklung sollten schließlich nie stehen bleiben.
Vielen Dank für die Einblicke!
- © vm / iStock.com – Messegang (2076_messegang.jpg)