Blockchains und Smart Contracts für den Mittelstand?

Blockchain Handel

Veröffentlicht: 21.02.2018

Projekt: WeDigi

Zusammenfassung: Im zweiten Teil unseres "Block-Beitrags" zeigen wir Ihnen Anwendungsbeispiele, wie KMU zukünftig durch intelligente Verträge basierend auf Blockchain-Technologie Prozesse optimieren können. Außerdem werfen wir ein paar Fragen auf...

Im ersten Teil unseres "Block-Beitrags" stellten wir Ihnen letzte Woche die digitale Innovation vor, welche hinter der heiß diskutierten Kryptowährung Bitcoin steht: die Blockchain. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich dabei um ein digitales Register, worin Daten für alle Teilnehmer sichtbar und unveränderbar abgespeichert sind. Die Informationen befinden sich nicht auf einem zentralen Server (beispielsweise einer Bank oder eines Cloud-Dienstleisters), sondern jedes Netzwerkmitglied stellt einen Teil seiner eigenen Rechnerleistung zur Verfügung, um die Daten zu verarbeiten. Es gibt es keine zeitlichen Verzögerungen, sondern jeder verfügt gleichzeitig über die nach außen verschlüsselten Daten und prüft die Datenkette auf Unregelmäßigkeiten.

Experten prophezeien aber nicht nur eine sicherere Datenübermittlung durch die Krypto-Ketten, sondern auch lukrative Prozessoptimierungen im täglichen Wertschöpfungsprozess von Unternehmen. Auch - oder vielleicht gerade - KMU könnten davon zukünftig profitieren.

"Smart Contracts" für den Mittelstand?

Wenn alle Partner zu jeder Zeit auf die gleichen Daten zugreifen können, dann bedeutet das unter anderem auch ein großes Zeitersparnis. Nehmen wir als Beispiel eine gewöhnliche Kaufabwicklung in einem Exportunternehmen beliebiger Größe. Verbindet man zum Beispiel alle an einem Geschäft beteiligten Akteure via Blockchain miteinander und hinterlegt vertraglich geregelte Details, könnten Prozesse viel besser aufeinander abgestimmt werden. Beim produzierenden Betrieb kann die Auslieferung der Ware zum Beispiel in dem Moment automatisch veranlasst werden, wenn der Kunde die Zahlung in Auftrag gegeben hat. Smart Contracts, also digitalisierte, automatisierte Verträge, heißen diese Blockchain-Lösungen. Hierbei wickelt eine Software einen Handel automatisch ab, wenn die vertraglich vereinbarten Leistungen erfüllt wurden. Für den Besteller würde sich der Erhalt der Ware beschleunigen und der Verkäufer wäre besser abgesichert. Er muss nicht erst auf die Bestätigung des Zahlungseingangs durch die Hausbank warten und auch nicht, was eben häufig die Realität von Betrieben ist, einzig im Vertrauen auf den Zahlungswillen des Geschäftspartners vorab liefern. Gerade für kleinere Betriebe welche bei größeren Zahlungsausfällen schnell selbst in Bedrängnis geraten können, verspricht ein solches Vorgehen ein neues Maß an Planbarkeit und Sicherheit.

Einsatzfeld: Logistik

Auch im Bereich der Logistik könnten sich neue Möglichkeiten zur Optimierung ergeben. Der Meinung sind zumindest die bekannte dänische Logistikgruppe Maersk und der Tech-Gigant IBM. Diese haben Ende Januar öffentlichkeitswirksam angekündigt, gemeinsam Blockchain-Lösungen für den Güterverkehr auf Schiffen zu erproben. Es soll eine unveränderbare Dokumentierung der gesamten Supply Chain umgesetzt werden, welche dann allen beteiligten Akteuren zur Verfügung gestellt wird. Die Beteiligten erhoffen sich dadurch Kostenreduktion, Beschleunigung und mehr Sicherheit für globale Handelsströme. Da bis zu einem Fünftel der Kosten eines Warentransports auf Dokumentationspflichten und Bürokratie zurückzuführen sind, dürften viele das Projekt genau beobachten.

Doch bei aller Euphorie gibt es auch noch viele offene Fragen...

...zum Beispiel,

  • Wie geht man mit den stetig anwachsenden Datenmengen, dem hohen Rechenaufwand und dem damit verbundenen rasant steigendem Energieverbrauch der Blockchains um?
  • Sollte es vielleicht doch ein „Recht auf Vergessen“ oder zumindest die Möglichkeit, eine Transaktion rückgängig zu machen, geben? Einmal angelegt ist ein Datenblock nämlich nicht mehr zu verändern.
  • Welcher rechtliche Rahmen sollte für globale dezentrale Netzwerke gelten, deren Gründungsidee ja die Unabhängigkeit von Institutionen, Banken und Regierungen ist?
  • Ist die Technologie wirklich so sicher, wie behauptet wird?
  • Wie sieht die künftige Rolle von Banken aus, deren klassisches Geschäftsmodell durch Kryptowährungen und Blockchains bedroht werden?

Wir verfolgen gespannt, wie sich das Thema weiterentwickelt und halten Sie natürlich auf dem Laufenden.