Wie geht es unseren ehemaligen Wettbewerbsgewinnern in der Corona-Krise?

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Maximilian Rathke

Maximilian Rathke

Veröffentlicht: 31.08.2020

Projekt: Gründerökosysteme

Zusammenfassung: Wir haben bei den ehemaligen Gewinnerteams nachgefragt, wie sie mit der Herausforderung Corona umgehen. Hier sind ihre Antworten.

Wie geht es unseren ehemaligen Wettbewerbsgewinnern in der Corona-Krise?

Vor einem Jahr haben wir vom RKW Kompetenzzentrum uns die Frage gestellt: Was wurde aus den Gewinnerteams unserer Wettbewerbe? Der Hintergrund: Das RKW Kompetenzzentrum hatte sich an der Ausrichtung verschiedener Start-Up Wettbewerbe beteiligt, darunter dem Future Agro Challenge und dem Creative Business Cup. Wir wollten nun in Erfahrung bringen, wie sich die betreffenden Unternehmen weiterentwickelt haben. Welche Herausforderungen waren zu bewältigen? Welche neuen Ziele und Projekte wurden verfolgt?  Die Ergebnisse unserer Unternehmensbefragungen sind in eine Blogreihe eingeflossen.

Die Corona-Krise als Herausforderung für Startups

Laut des kürzlich veröffentlichten Startup-Barometers von EY ist das Finanzierungsvolumen für deutsche Startups um 22% eingebrochen. Die Zurückhaltung der Investoren spiegelt sich in der sinkenden Anzahl von Finanzierungsrunden: Waren es noch 90 im Januar, so sind für Juni lediglich 34 Transaktionen  zu verzeichnen gewesen.

Wie gehen unsere ehemaligen Gewinnerteams mit der Herausforderung um?

Zeit also, um sich erneut die Frage zu stellen, wie unsere ehemaligen Wettbewerbsgewinner mit dem „Game-Changer“ Corona umgehen. Dazu wurde mit allen betreffenden Startups erneut Kontakt aufgenommen und eine kleine schriftliche Umfrage gestartet. Die Umfrage wurde im Auftrag des globalen GEM-Teams durchgeführt, das eine eigene Veröffentlichung zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf die internationale Gründungsdynamik plant.

Nachfragesteigerung und krisenbedingte Innovation

Für das Startup Seedforward, das neue Saatgutverfahren entwickelt, ist die Krise kaum bemerkbar:

Unsere Branche war glücklicherweise nicht sehr schwer von der Corona Krise betroffen. Da der landwirtschaftliche Sektor nach wie vor normal weiter lief, haben wir, bis auf hier und da mal eine verspätete Lieferung, keine Einbrüche erleben müssen. Im Gegenteil ist die Nachfrage größer denn je.

Um die Hygieneregeln einhalten zu können, sei die Arbeit intern umstrukturiert worden. Ein Großteil der Mitarbeitenden arbeitet im Homeoffice.

Obwohl in derselben Branche tätig, musste die Firma MonitorFish mehr Herausforderungen bewältigen. Das Berliner Startup versucht, mittels ausgeklügelter Software, die Überwachung von Aquakulturen zu vereinfachen. Die Schließung von Restaurants, Hotels und Cateringdiensten während des Lockdowns habe die Abhängigkeit kleinerer Agrarbetriebe von dem Gastronomiesektor auf schmerzliche Weise bemerkbar gemacht.

 „Darüber hinaus haben die Betriebe das Problem, dass bereits vor der Pandemie Fachpersonal fehlte. Durch die Krankheit selbst bzw. durch Corona Maßnahmen hat sich dieser Fachkräftemangel existenziell verstärkt. Daher sind die Anfragen nach Monitoringsystemen einerseits gestiegen, anderseits fehlt den Betrieben das Geld für Investitionen in diesen Bereich“,

fasst Co-CEO Dominik Ewald die Lage zusammen. Doch die Krise führt auch dazu, dass neue Geschäftsfelder erschlossen werden. Bei MonitorFish fing man damit an, die Kundschaft bei kleineren Digitalisierungsansätzen zu unterstützen:

„Im Schatten der Krise haben wir entsprechende Konzepte entwickelt, um die Partner über unsere Plattformen zu unterstützen. Von Chat-Bot Funktionen, über neue Kooperationen mit Online-Plattformen von Lebensmitteln, hin zur Automatisierung der Produktketten sowie Hilfen bei Antragsverfahren zur Förderung von Innovationen.“

Schwierige Bedingungen in der Eventbranche

Für den Umgang mit der Krise ist natürlich auch entscheidend, in welcher Branche sich ein Unternehmen bewegt. Da mit Beginn der Viruskrise alle Großveranstaltungen verboten wurden, wurden die Unternehmen im Eventbereich besonders hart getroffen. Ein Beispiel dafür ist das Kieler Unternehmen Light Instruments. Das ehemalige Preisträgerunternehmen des Creative Business Cups zeigt auf größeren Veranstaltungen kreative Lichtinstallationen. Der Mitgründer Martin Fischbock schildert die aktuellen Auswirkungen der Veranstaltungsverbote auf das laufende Geschäft:

„Wir haben unser Kerngeschäft im Bereich: Messen, Shows und Events. Von daher hat uns die Krise wie jeden in diesem Sektor absolut hart getroffen. Alle Veranstaltungen für dieses Jahr (gerade für den Sommer) wurden abgesagt bzw. kamen erst gar nicht in die Planung/Entwicklung. Zum Glück konnten wir noch einige Aufträge aus dem letzten Jahr mitnehmen, die erstmal offline im Hintergrund umgesetzt werden und dann zum Einsatz kommen, wenn sich die Situation entspannt/beruhigt hat.“

Letztlich bleibe nichts anderes übrig, als abzuwarten und bis zum Ende der Krise still zu halten, so der Unternehmer weiter.

Eine neue Krise ­– viele neue Möglichkeiten?

Der kleine Einblick genügt, um zu zeigen, dass die Lage für viele Startups immer noch alles andere als rosig ist. Hoffnung macht allerdings, dass manche Unternehmen damit beginnen, sich selbstständig neue Geschäftszweige zu erschließen, um den Einbruch in den alten Geschäftsfeldern abzufedern. Wer weiß – vielleicht ergeben sich aus dieser Krise ja neue, ungeahnte Möglichkeiten? Wir werden versuchen, dran zu bleiben und zu einem späteren Zeitpunkt bei den Unternehmen wieder nachfragen.