Startups gelten als Antreiber neuer Technologien und Herausforderer bestehender Wirtschaftsstrukturen. Dass ihre Bedeutung weiter zunimmt, zeigt auch die aktuelle Gründungsdynamik: Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland mehr als 3.000 Startups neu gegründet – so viele wie im gesamten Jahr 2024. Gleichzeitig setzen junge Unternehmen verstärkt auf Zukunftstechnologien. So nutzten im Jahr 2025 bereits mehr als ein Viertel der neugegründeten Startups Künstliche Intelligenz (KI) als wichtigen Bestandteil ihres Geschäftsmodells.

Mit Blick auf die Bedeutung von Startups ist jedoch eine differenzierte Betrachtung hilfreich. Nach Schätzungen des Startup-Verbands gibt es in Deutschland rund 20.000 Startups mit knapp 500.000 Beschäftigten. Pro Startup ergibt sich damit eine durchschnittliche Beschäftigtenzahl von etwa 25 Mitarbeitenden, die in den vergangenen Jahren allerdings eher rückläufig war. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es laut Bundesagentur für Arbeit rund 35 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Der Anteil der Startup-Beschäftigten liegt damit bei etwa 1,4 Prozent.

Neben ihrem Beitrag zur Beschäftigung erfüllen Startups jedoch eine weitere, deutlich schwerer zu messende Funktion: Sie wirken als Impulsgeber und Multiplikatoren für Innovationen. Im Sinne einer nachhaltigen Regionalentwicklung plädieren wir deshalb dafür, Startups grundsätzlich als wichtigen Standort- und Wirtschaftsfaktor mitzudenken.

Startup-Merkmale

Unter allen Gründungen sind Startups eine seltene Spezies. Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Folgende Merkmale gelten jedoch als typisch:

  • nicht älter als 10 Jahre
  • Gründende arbeiten im Vollerwerb
  • es gibt von Anfang ein Team oder Beschäftigte
  • das Geschäftsmodell ist innovations- und wachstumsorientiert
  • eigene Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten
  • technologische Innovation als Ziel

Anhand dieser Merkmale ergibt sich ein Startup-Anteil an allen Gründungen von etwa 5 Prozent.  Innerhalb dieser Gruppe ist es wiederum nur ein Bruchteil, der die Profitabilität erreicht. Diejenigen, dies es schaffen, tragen dann jedoch im besonderen Maße zu Wertschöpfung und Arbeitsplätzen bei. 

Der Begriff wird in der Praxis jedoch nicht präzise angewendet, auch von den Gründerinnen und Gründern selbst. Fast 30 % bezeichnet ihre eigene Gründung als Startup, obwohl die genannten Kriterien nicht erfüllt sind. Die wahrgenommene Startup-Population ist hierdurch möglicherweise größer als die tatsächliche.

Positive Effekte durch Startup-Gründungen

Aus der Perspektive der Unterstützenden von Gründungen ist es hilfreich, die vielfältigen positiven Effekte von Startups als Wirtschafts- und Standortfaktor zu kennen, um auf eine argumentative Basis für den Diskurs mit politischen Institutionen und Entscheidungsträgern zurückgreifen zu können.

  • Startups sind ein Wirtschaftsfaktor, in dem sie neue Arbeitsplätze schaffen. Und zwar im Durchschnitt deutlich mehr als konventionelle Gründungen. In diesem Zusammenhang kann zwischen direkten Beschäftigungseffekte (Arbeitsplätze bei den Startups selbst) und indirekten Beschäftigungseffekten (bei Dienstleistern und Zulieferern) unterschieden werden. Das generierte Einkommen erhöht die Kaufkraft und führt zu sogenannten induzierten Effekten, welche die regionale Wertschöpfung insgesamt erhöhen. Ebenfalls von Bedeutung sind Steuereinnahmen für die jeweiligen Kommunen.
  • Startups sind ein Standortfaktor, in dem sie die Attraktivität einer Region für Talente und Unternehmen erhöhen. Es entstehen wirtschaftliche Vorteile für Unternehmen und Investoren aufgrund der räumlichen Nähe zu Startups. Konkret geht es um den Zugriff auf unternehmerisches Know-how, potenzielle Mitarbeitende und neuen Technologien. In der Folge entstehen Agglomerations- und Wettbewerbsvorteile, die neue Startups hervorbringen und eine überregionale Anziehungskraft erzeugen.

Startups profitieren somit nicht nur von gründungsfreundlichen Rahmenbedingungen, sondern können selbst zur positiven Entwicklung einer Region beitragen, indem sie als Innovationstreiber die Wirtschaftskraft stärken und die Standortqualität verbessern. Die daraus folgende Attraktion von Kapital und Unternehmen führt dann zu selbstverstärkenden Effekten und bietet so einen Nährboden für die Entstehung von weiteren Gründungen und Startups. Man spricht hier von einem sog. flywheel effect oder einer regenerativen Dynamik.

>> Zum Poster "Startups als Standort- und Wirtschaftsfaktor" als Download oder zum Bestellen in DIN A 1

 

Quellen

Die Zeit (2025): Stimmt das eigentlich, dass die Wirtschaft mehr Start-ups braucht?. 5. Februar 2025.
https://www.zeit.de/digital/internet/2025-02/deutsche-start-ups-wirtschaftswachstum-unternehmen-bundesverband

Metzger G. (2025): Start-ups: Leicht gesagt, aber schwer zu fassen. KfW Research
https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/News-Details_834944.html

Startup Verband & startupdetector (2026): Next Generation - Startup-Neugründungen in Deutschlans, Januar -Juni 2026
https://startupverband.de/media/file/rs-nextgenerationstartupneugruendungenh12026

https://startupverband.de/presse/pressemitteilungen/rekordjahr-startup-gruendungen-legen-um-rund-ein-drittel-zu--ernst-startups-ziehen-die-deutsche-wirtschaft-nach-vorn-08-01-2026/

Startup Verband: Deutscher Startup Monitor 2025.
https://startupverband.de/research/deutscher-startup-monitor/

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