Der neue Global Entrepreneurship Monitor (GEM) Länderbericht zeigt, wie viel in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern gegründet wird. Außerdem gibt er wertvolle Einblicke zu Gründungseinstellungen, gründungsbezogenen Rahmenbedingungen und aktuellen Themen wie akademische Gründungen und KI.

Zum offiziellen Launch-Event des GEM-Länderberichts Deutschland haben wir als GEM-Länderteam ausgewählte Kernergebnisse des Berichts präsentiert. In der anschließenden Panel-Diskussion ordneten Claudia Raber (High-Tech Gründerfonds Management GmbH), Prof. Dr. Guido Bünstorf (Universität Kassel/ Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI)) und Prof. Dr. Christian Hundt (Thünen-Institut und Leibniz Universität Hannover) zusammen mit Dr. Florian Täube (Moderation des Panel, RKW Kompetenzzentrum) die Ergebnisse des neuen GEM Länderberichts ein und vertieften das Leitthema des diesjährigen Berichts der wissenschaftlichen Ausgründungen.

Jens Nagel, Geschäftsführer des RKW Kompetenzzentrums, eröffnete das Global Entrepreneurship Monitor Launch Event „Gründungsaktivitäten verstehen“. Ziel der Veranstaltung war es, auf Grundlage der GEM-Ergebnisse über Ideen und praktische Lösungsansätze zu diskutieren, wie Gründungen und Startups dazu beitragen können, die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der deutschen Wirtschaft zu sichern und weiter auszubauen.
Jens Nagel betonte, dass der Global Entrepreneurship Monitor für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland eine wichtige Gründungsstudie sei, da sie einen zeitlichen und internationalen Vergleich des deutschen Gründungsgeschehens mit ca. 50 anderen Ländern und mehr als 25 Jahren biete – z. B. in Hinblick auf Gründungsquoten, Gründungsmotive, Gründungseinstellungen sowie gründungsbezogene Rahmenbedingungen.

Die Mittelstandsförderung ist Kernthema und Identitätsmerkmal des RKW Kompetenzzentrums. Bei der Verbreitung der Ergebnisse des RKW Kompetenzzentrums arbeiten wir eng mit den Expertinnen und Experten in den RKW Landesorganisationen zusammen.

Dr. Armgard Wippler, Leiterin der Unterabteilung „Gründungen und Start-ups, Mittelstands- und Start-up-Finanzierung“ im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, unterstrich, dass der Global Entrepreneurship Monitor ein wichtiger Gradmesser des Gründungsgeschehens sei: Er ermögliche internationale Vergleiche, brächten wertvolle Erkenntnisse zu Einstellungen und Motiven von Gründerinnen und Gründern sowie zur Entwicklung der Gründungsbedingungen und diene damit als früher Indikator für künftige Trends. Die Ergebnisse und der Austausch mit Expertinnen, Experten und Gründungsinteressierten, wie in der heutigen Veranstaltung, lieferten wichtige Impulse für die Weiterentwicklung unserer Gründungsförderung und wirtschaftspolitischer Maßnahmen.

Highlights aus dem GEM-Länderbericht 2025/26

Gründungsquote auf Allzeithoch

Im Jahr 2025 waren 13 % der 18-64-jährigen Bevölkerung gerade dabei, ein neues Unternehmen zu gründen oder haben in den letzten 3,5 Jahren (vor Befragungszeitpunkt) ein Unternehmen gegründet. Das ist die höchste GEM-Gründungsquote*, die in 26 Jahren Gründungsforschung im Rahmen des GEM aufgezeichnet wurde. Im internationalen Vergleich mit ausgewählten Ländern schneidet Deutschland mit dieser Gründungsquote gut ab und liegt auf einem ähnlichen Niveau wie z. B. Lettland oder die Niederlande.

Menschen mit Migrationshintergrund sind besonders gründungsaktiv

Die Daten des Global Entrepreneurship Monitor zeigen, dass Menschen mit Migrationshintergrund** besonders gründungsaktiv sind. In Deutschland gründete oder plante fast jede fünfte Person (18,8 %) der Personen mit Migrationshintergrund ein neues Unternehmen, Menschen ohne Migrations-hintergrund hatten lediglich eine Gründungsquote von ca. 12 %.

Junge Menschen gründen mehr

Im Jahr 2025 waren besonders die Altersgruppen 18-42 Jahre und 25-34-Jahre gründungsstark. Fast ein Viertel (23,2 %) aller 18-24-Jährigen gründeten oder planten im Jahr 2025 ein Unternehmen. Unter 25-34-Jährigen waren es 22,2 %, in beiden Altersgruppen sind diese Quoten ein deutlicher Zugewinn im Vergleich zum Vorjahr. Auch sahen die beiden jüngsten Altersgruppen mit knapp 70 % am häufigsten gute Gründungschancen in ihrer Region.

Warum wird gegründet?

Über 65 % der TEA-Gründerinnen und Gründer in Deutschland strebten 2025 nach Wohlstand, 62,1 % gründeten aus Arbeitsplatzmangel. Das Motiv „die Welt verändern“ gewann 2025 weiterhin an Bedeutung – fast jede/r zweite stimmt der Aussage zu, dass die (geplante) Gründung die Welt besser machen solle. Knapp die Hälfte (48,6 %) der deutschen Bevölkerung würde sich allerdings wegen der Angst zu Scheitern von einer Gründung abhalten lassen.

Akademische Gründungen

Im Jahr 2025 gründeten oder planten 2,9 % der männlichen Bevölkerung und 2,3 % der weiblichen Bevölkerung ein Unternehmen aus einer Hochschule oder Forschungseinrichtung heraus mit dem Ziel, zumindest einen Teil des geschaffenen Wissens zu verwerten. Vor allem Ausgründerinnen haben mehrheitlich (51,6 %) staatliche Förderung und Gründungsberatung (93,5 %) in Anspruch genommen. Ausgründerinnen und Ausgründer planen auch häufiger Patentanmeldungen als diejenigen ohne akademischen Hintergrund. 

Jede vierte Gründung ist eine regionale Neuheit

Jede/r vierte TEA-Gründerin oder -Gründer stimmte der Aussage zu, dass das (geplante) Produkt oder die geplante Dienstleistung eine Neuheit für die Region darstelle. Knapp 60 % der Produkte und Dienstleistungen hatten allerdings keinen Neuigkeitsgrad. Für knapp ein Viertel der TEA-Gründerinnen und Gründer waren außerdem KI für ihre Gründung sehr wichtig, wodurch sie Künstliche Intelligenz als wichtiger bewerteten als etablierte Unternehmerinnen und Unternehmer.

Der Gründungsstandort Deutschland aus Expertinnen- und Expertensicht

Die befragten Gründungsexpertinnen und -experten bewerteten 2025 den Gründungsstandort ähnlich wie in den Vorjahren – gut abgeschnitten haben die Rahmenbedingungen Förderprogramme, Beratung & Dienstleistung und Physische Infrastruktur. Verbesserungspotential liegt in der Schulischen Gründungsausbildung und in der Gründungskultur in Deutschland.

Podiumsdiskussion: Wie können akademische Gründungen in Deutschland gefördert werden?

Exzellente Forschung ist Ausgangspunkt für akademische Gründungen

In der Paneldiskussion wurde eingangs hervorgehoben, dass der GEM im Bereich Gründung für Lehre, Forschung und Politikberatung ein wichtiges Instrument sei, um Gründungen in Deutschland, aber auch im internationalen Vergleich, vergleichbar zu machen. Es wurde herausgearbeitet, dass akademische Ausgründungen auf exzellenter Forschung basieren. Dabei sei Forschung dann exzellent, wenn sie für eine wirtschaftliche Umsetzung geeignet sei. In Deutschland sind dafür München und Hamburg Beispiele. Grundlegend seien die High-Tech Agenda Deutschland mit ihren Themen-Hubs, die „Transferinitiative F.A.S.T. (Forschung, Ausgründungen, Skalierung, Transfer)“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie Fortschritte in Bezug auf Intellectual-Property (IP)-Regelungen aktuelle positive Signale, die Innovationen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen begünstigen können.

Sensibilisierung: Hochschulen sollten zeigen, dass Gründung ein normaler Karriereweg ist

Um Gründungen, die innovativ, skalierbar und wettbewerbsfähig sind zu stärken, spielen Unterstützungs- und Förderprogramme in Deutschland eine wichtige Rolle, wie das EXIST Programm. Die Aufgabe von Hochschulen liege insbesondere darin, den Studentinnen und Studenten zu vermitteln, dass Gründung eine normale Karriereoption ist, wie eine angestellte Tätigkeit in der Wirtschaft. Formate wie „Fuck-up-Nights“ leisteten einen wichtigen Beitrag, weil sie zeigen, dass ein Scheitern kein Karriereende bedeutet und das die gesammelten Erfahrungen einen Wert für die berufliche Laufbahn haben. Einige Studentinnen und Studenten seien wegen der Angst vor dem Scheitern bezüglich einer Gründung zögerlich. Wenn Hochschulen ein positives Gründungsklima schaffen und auch in der Lehre das Thema Gründung aufgreifen, erweitere sich dadurch der Pool potentieller Gründerinnen und Gründer unter Studierenden. Um ein positives Gründungsklima an einer Hochschule zu schaffen seien Gründungswettbewerbe, eine für das Thema Gründung beauftragte Ansprechperson an der Hochschule, das Vorhandensein eines Entrepreneurship Lehrstuhls und die Integration von Gründungsthemen in die Lehre geeignete Maßnahmen.

Skalierbare Geschäftsmodelle und Marktkenntnis sind der Schlüssel für erfolgreiche akademische Gründungen

Für Gründungen sei es wichtig, dass Hochschulen Studentinnen und Studenten mit Gründungsinteresse dabei unterstützen, skalierbare Geschäftsmodelle zu entwickeln. Damit Gründungen wachsen können, sollten ihre Geschäftsmodelle so angelegt sein, dass sie für Investorinnen und Investoren in der Seed-Phase interessant sind, wenngleich diese Finanzierungsform nicht für alle Gründungen aus Hochschulen heraus ein Ziel ist.

Eine frühzeitige Vernetzung von gründungsinteressierten Studentinnen und Studenten durch die Hochschulen oder durch Investorinnen und Investoren in der Frühfinanzierungsphase („Seed ist Speed“) mit Wirtschaftsunternehmen, wie dem lokalen Mittelstand, sei dabei hilfreich, um Marktkenntnisse erlangen zu können. Bei technischen und innovativen Gründungen ist es wichtig, dass Hochschulen nicht nur bei technischen Innovationen, sondern auch bei der Marktfähigkeit unterstützen. Die Praktische Umsetzbarkeit sei ein wichtiges Kriterium für akademische Gründungen. Pilotprojekte, bei denen gründungsinteressierte Studentinnen und Studenten und die Wirtschaft kooperieren, sind hierfür ein guter Ansatz. Zudem sei die Förderung von Mädchen in MINT-Fächern und Studiengängen ein weiterer Ansatz, um noch mehr Gründungspotenzial bei akademischen Gründungen zu heben.

Vorteile für akademische Gründende durch Europa

Der europäische Markt bietet studentische Gründerinnen und Gründer aufgrund seiner Größe und hoher Kaufkraft große Chance, insbesondere für die Skalierung ihrer Geschäftsmodelle. Hier kann ein gut integrierter europäischer Markt, mit möglichst wenigen regulatorischen Hürden, ein entscheidender Wettbewerbsvorteil und Katalysator für akademische Gründungen sein. Hier sei das 28. Regime mit der EU Inc. ein wichtiger Schritt.

Ausgründungen aus Unternehmen als weitere Quelle für forschungsorientierte Gründungen mit in den Fokus nehmen

Neben Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen findet innovative Forschung und Entwicklung auch in der Privatwirtschaft statt. Insbesondere im Tech-Bereich oder im KI-Bereich entwickeln einige Gründerinnen und Gründer ihre Idee und das Wissen zum Gründen im Rahmen einer Tätigkeit in einem Unternehmen – und nicht unmittelbar in der Wissenschaft. Ausgründungen aus Unternehmen, die sogenannten Spin-outs, sind daher ein weiterer wichtiger Weg um mehr innovative und wachsende Gründungen in Deutschland zu ermöglichen, ähnlich der Anfangszeit des Silicon Valley bzw. militärnaher Technologien in den USA und Israel. Es lohne sich deshalb, dieses Thema stärker in den Fokus zu nehmen. Auch für Gründungen aus Unternehmen heraus sind der Zugang zu Venture-Capital bzw. bzw. anderen Finanzierungsformen sowie geeignete Rahmenbedingungen, etwa im Steuerrecht, von zentraler Bedeutung.

Alle Informationen und Produkte zum GEM sowie den neuen Länderbericht finden Sie unter www.gem-deutschland.de

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  • © Artem_Egorov / Getty Images – 509102794 (3723_509102794.jpg)

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