Eine Lösung für Kleine und Große

Touzani und Morgenstern im Interview

Veröffentlicht: 16.08.2018

Projekt: Startup meets Mittelstand

Zusammenfassung: Rachid Touzani hat neben seiner Logistikfirma TWS das Startup CargoSteps gegründet und vermarktet dessen Tracking-App auch an Mitbewerber.

„Das Unternehmen überzeugte die Jury durch seinen Ansatz, Spediteure und Kurierdienste effizienter, nachhaltiger und umweltfreundlicher zu machen. Damit trägt das Frankfurter Unternehmen entscheidend dazu bei, unsere Logistikbranche zu verändern.“ So begründete Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann die Entscheidung der Jury, den Frankfurter Gründerpreis 2017 an das 2015 gegründete Startup CargoSteps zu verleihen. Das Gründerteam um Rachid Touzani hat eine App-Lösung entwickelt, die es kleinen und mittelgroßen Speditionen, Kurierdiensten und ihren Kunden unter anderem ermöglicht, jederzeit den aktuellen Status ihrer Lieferung zu ermitteln.

 

 

Herr Touzani, wie kamen Sie auf die Idee – und warum ist das innovativ? Tracking-Systeme sind doch bereits bei den großen Logistikunternehmen im Einsatz?

Rachid Touzani: In der Tat haben große Unternehmen wie UPS, DHL oder FedEx ihre eigenen Tracking- Lösungen. Aber das sind interne, isolierte Lösungen, zumeist verbunden mit teurer Hardware wie Handscannern oder Einbauten in Fahrzeuge. Für kleinere Logistikunternehmen, die öfter mit Subunternehmern zusammenarbeiten, gab es bis jetzt keine offene Lösung. Das weiß ich deshalb, weil ich für meine 2007 gegründete Logistikfirma T World Service (TWS) so etwas gesucht habe. TWS ist im Kuriergeschäft mit Ersatzteilen aktiv, das bedeutet, wir holen beispielsweise Luftfracht am Flughafen ab und liefern die Teile dorthin, wo sie benötigt werden – in der Region ebenso wie europaweit. Da wollen die Kunden natürlich häufig wissen, wo ihr Ersatzteil gerade unterwegs ist, wann es ankommt und so weiter. Vor der Entwicklung von CargoSteps haben wir diese Kundenanfragen per Mail oder Telefon bearbeitet. Durch den Einbau von GPS in die Fahrzeuge konnten wir zwar den jeweiligen Standort der Teile tracken, aber nicht feststellen, wann sie angekommen sind, wer die Fracht angenommen hat und andere Informationen, die im Zuge der Digitalisierung immer selbstverständlicher werden. Da haben wir beschlossen, eine entsprechende Lösung zu finden.

Warum haben Sie nicht einfach einen App-Dienstleister damit beauftragt, sondern ein Startup gegründet?

Anfangs haben wir uns schon einige Angebote eingeholt, von Freelancern ebenso wie von etablierten App-Entwicklungsunternehmen oder Anbietern von Transport Management Systemen (TMS). Letztendlich haben wir uns gegen eine externe Lösung entschieden, da wir der Meinung sind, dass eine für uns passende Lösung in Bewegung bleiben, sich neuen Anforderungen stellen und mitwachsen muss. Mit einem externen Dienstleister ist man da weniger flexibel. Also haben wir unser Logistik-Know-how mit dem entsprechenden IT-Know-how zusammengebracht und die offene App-Lösung CargoSteps entwickelt. Unser großer Vorteil: Wir konnten die Funktionalität direkt bei TWS testen und bis zur Marktreife optimieren. Wir haben dafür ein separates Unternehmen gegründet, weil wir überzeugt sind, dass diese Lösung für viele Logistikunternehmen in allen Größen interessant ist. Durch ihre Offenheit ermöglicht sie die Zusammenarbeit vieler verschiedener Firmen. Inzwischen nutzen bereits 665 Kunden diese App und können jederzeit verfolgen, welches Frachtstück gerade wo von wem transportiert wird, mit welcher Geschwindigkeit, auf welcher Route, wann es übergeben wird und an wen. Ein Algorithmus sorgt auch dafür, dass der Logistiker Leerfahrten vermeidet, indem die Anwendung Lieferaufträge vorschlägt, die auf der Route seiner Rückfahrt liegen. Immer mehr TMS-Anbieter empfehlen unsere App auch bereits ihren Kunden. Ich denke, wir haben mit CargoSteps wirklich einen Bedarf getroffen.

Durch Ihre Unternehmungen arbeiten Sie sowohl mit mittelständischen als auch mit großen Unternehmen zusammen. Gibt es da für Sie einen Unterschied in der Zusammenarbeit?

Ähnlich sind sie sich darin, dass sie versuchen, in der Zusammenarbeit mit einem Startup die Richtung zu bestimmen. Etwas gesprächsbereiter zeigt sich der Mittelstand; hier ist durch kürzere Abstimmungswege auch mehr Flexibilität gegeben. Wobei man bei der Einführung von Innovationen auch hier Widerstände zu überwinden hat. Das haben wir interessanterweise auch bei der Einführung von CargoSteps bei TWS, unserer eigenen Logistikfirma, gemerkt. Es hat ein bisschen gedauert, bis alle erkannt haben, wie viel effektiver und einfacher man mit der neuen Lösung arbeiten kann.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung von CargoSteps? Fühlen Sie sich noch als Startup?

Ein Startup sind wir insofern, als wir mit einer bedarfsorientierten Innovation an den Markt gegangen sind, die skalierbar ist und Wachstumspotenzial besitzt. Wir haben in der Gründerszene Auszeichnungen bekommen und an Accelerator Pitches teilgenommen, zum Beispiel von Rocket Space in San Francisco. Auch unser neuer Sitz hier im HOLM (House of Logistics & Mobility) mitten in einem innovativen Gründerökosystem, unterstreicht unseren Startup-Charakter. Aber in der Tat möchten wir uns auf der nächsten internationalen Leitmesse unserer Branche, der transport logistic 2019, stärker als Unternehmen mit einer innovativen, aber bereits erprobten und sicheren Lösung präsentieren.

 

Dieser Beitrag erschien im RKW Magazin 1|18. Wenn Sie das Thema interessiert hat, laden Sie sich das gesamte RKW Magazin als PDF runter.