Informelle Investitionen leisten einen zentralen Beitrag zur Gründungsfinanzierung, insbesondere in der frühen Phase, in der der Zugang zu klassischen Finanzierungsquellen häufig noch begrenzt ist.Die Ergebnisse des Women Entrepreneurship Monitors aus 2024/25 zeigen deutliche geschlechterspezifische Unterschiede im informellen Investitionsverhalten. Die Studie wurde vom RKW Kompetenzzentrum in Kooperation mit dem Johann Heinrich von Thünen-Institut für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen erstellt. Die Daten basieren auf dem Länderbericht Deutschland des Global Entrepreneurship Monitors (GEM).
Eschborn, 17. März 2026. Frauen investieren in Frauen, Männer investieren in Männer – beim informellen Investieren zeigen sich deutliche geschlechterspezifische Muster.Im Jahr 2024 investierten informelle Investorinnen zu fast 60 Prozent in andere Frauen, knapp ein Drittel ihrer Investitionen unterstützte Männer. Männer hingegen investierten zu 64 Prozent in andere Männer, während nur 18 Prozent ihrer Investitionen Gründerinnen zugutekamen. Diese Ergebnisse verdeutlichen: Beim informellen Investieren werden häufig Personen des eigenen Geschlechts bevorzugt. Gleichzeitig zeigt sich bei Investorinnen eine größere Offenheit: Sie investieren häufiger als Männer auch in Gründende des anderen Geschlechts. Als informelle Investorinnen und Investoren werden diejenigen bezeichnet, die in den letzten drei Jahren vor dem Befragungszeitpunkt Gelder zur Verfügung gestellt haben, um von anderen Personen gegründete Unternehmen in der frühen Phase zu unterstützen (ohne Aktienkäufe).
Anteil informeller Investorinnen niedriger als bei Männern
Im Zeitraum 2020 bis 2024 war der Anteil informeller Investoren an der männlichen 18- bis 64-jährigen Gesamtbevölkerung größer als der Anteil informeller Investorinnen innerhalb der weiblichen Vergleichsgruppe. Im Jahr 2024 stellten beispielsweise fast 9 Prozent der Männer informell Kapital zur Unterstützung neuer Unternehmen bereit. Unter Frauen lag dieser Anteil bei nur 5,1 Prozent.
Frauen offener für Investitionen abseits von Freunden und Familie
Ein Großteil der informellen Investitionen ging 2024 an enge Familienmitglieder – sowohl bei investierenden Männern (39 Prozent), als auch bei Investorinnen (37 Prozent). Ein weiterer Teil entfiel auf Freundinnen und Freunde oder Nachbarinnen und Nachbarn: Bei Männern betrifft dies rund 20 Prozent der Investitionen, bei Frauen knapp 12 Prozent. Der restliche Anteil entfiel auf Personen außerhalb des sozialen Umfelds, etwa Fremde mit einer überzeugenden Geschäftsidee, Arbeitskolleginnen und -kollegen oder entfernte Verwandte (42 Prozent bei Männern und 51 Prozent bei Frauen). Frauen investieren damit häufiger als Männern auch jenseits des klassischen „Family-and-Friends“-Kreises.
Rahmenbedingungen zur Finanzierung von Gründerinnen sollten weiter verbessert werden
Die Ergebnisse des Women Entrepreneurship Monitors 2024/25 zeigen, dass Frauen insgesamt seltener als informelle Investorinnen auftreten. Gleichzeitig investieren männliche Investoren überwiegend in Gründer desselben Geschlechts. In der Folge erhalten Gründerinnen seltener Zugang zu informellem Kapital. Die Daten deuten darauf hin, dass Investorinnen im Durchschnitt eine etwas größere Offenheit gegenüber Investitionen jenseits des engen „Family-and-Friends“-Kreises und des eigenen Geschlechts zeigen. Vor diesem Hintergrund sind gezielte Maßnahmen zur Stärkung weiblicher Investorinnen sinnvoll.
Mehr Informationen unter: http://rkw.link/womengem2025
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