Mit den Megatrends im Blick

Wie Unternehmen innovative Geschäftsideen entwickeln können.

Veröffentlicht: 01.01.1970

Projekt: WeDigi

Zusammenfassung: Wie Megatrends die Entwicklung von innovativen Geschäftsideen unterstützen können: Eine Annäherung von Trendforscher Raphael Shklarek.

Eine Idee ist ein wichtiger Teil eines erfolgreichen Unternehmens. Jede Idee benötigt jedoch den richtigen Kontext, ein geeignetes Team, Umsetzung, ein Geschäftsmodell und Menschen, die darin investieren. Oft werden diese Faktoren getrennt gedacht, überbewertet oder gar missachtet. Um realisiert zu werden, benötigt jede Idee eine Strategie, die in Echtzeit auf Wandel reagieren kann, um keine Vergangenheit zu produzieren. Trends sind Beschreibungen dieses Wandels. Sie zeigen Strömungen in der Gesellschaft. Sie schlagen unterschiedlich lange Wellen und erzeugen ebenso Gegenströmungen. Megatrends zeichnen sich durch ihre andauernde Wirkung, globale Reichweite, Mehrdimensionalität und Vernetzung sowie ihre Ubiquität aus:


  • Die Wissenskultur steht im Zeichen der Konnektivität und verändert unser Wissen über die Welt und die Art und Weise, wie wir mit Informationen umgehen. Organisationen sollten dementsprechend auf neue, dezentralisierte Formen der Bildung und Wissensgenerierungen setzen.


  • Digitalisierung ist keine ausreichende Bezeichnung des Wandels. Mehr noch handelt es sich dabei um eine Evolution der Konnektivität in der Gesellschaft. Digitale Kommunikationstechnologien verändern Lebensstile grundlegend und lassen neue Bedürfnisse und Verhaltensmuster entstehen. Um diesem fundamentalen Umbruch erfolgreich zu begegnen, brauchen Organisationen, Unternehmen und Individuen neue Netzwerkkompetenzen und ein ganzheitlich-systemisches Verständnis des digitalen Wandels.


  • Die Globalisierung wird heute allzu oft als Problem wahrgenommen. Doch die Herausforderungen, die mit einer immer komplexeren, weil zunehmend vernetzten Welt verbunden sind, dürfen nicht den Blick auf ihre positiven Effekte verstellen: Viele aktuelle Trends, von der Postwachstumsökonomie über Direct Trade bis hin zum Aufstieg der Generation Global, verstärken die globale Dynamik, die das internationale System in den kommenden Jahren weiter in eine progressive Richtung bewegt.


  • Urbanisierung beschreibt den Zuwachs von Städten. Menschen leben weltweit in urbanen Räumen und machen sie zu den mächtigsten Akteuren und wichtigsten Problemlösern einer globalisierten Welt.


  • Ob persönliche Kaufentscheidungen, gesellschaftliche Werte oder Unternehmensstrategie – selbst wenn es nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist, entwickelt sich die Neo-Ökologie nicht zuletzt aufgrund technologischer Innovationen mehr und mehr zu einem der wirkmächtigsten Treiber unserer Zeit. Sie sorgt nicht nur für eine Neuausrichtung der Werte der globalen Gesellschaft, der Kultur und der Politik. Dieser Megatrend verändert auch unternehmerisches Denken und Handeln in seinen elementaren Grundfesten.


  • Die Welt im 21. Jahrhundert ist nicht nur durch einen weiterwachsenden Mobilitätsbedarf gekennzeichnet, sondern vor allem durch eine zunehmende Vielfalt an Mobilitätsformen. Individualisierung, Konnektivität, Urbanisierung und Neo-Ökologie bestimmen die Mobilität von morgen.


  • Die Gesellschaft befindet sich im Daueralarm – eine Krise jagt die nächste: Von einem bevorstehenden globalen Handelskrieg über die Roboter, die uns unsere Arbeit wegnehmen, bis hin zur EU-Flüchtlingskrise. Alles wird immer schlimmer – und wir stehen kurz vor dem Kollaps. Doch das ist ein Trugschluss: Während unsere Wahrnehmung uns in die Verunsicherung stürzt, leben wir tatsächlich in den sichersten aller Zeiten. Zugleich strebten wir aber noch nie so sehr nach Sicherheit wie heute.


  • Wenn Maschinen künftig bestimmte Arbeiten besser verrichten können als der Mensch, beginnen wir, über den Sinn der Arbeit nachzudenken. Wenn die Arbeit uns nicht mehr braucht, wofür brauchen wir dann die Arbeit? New Work beschreibt einen epochalen Umbruch, der mit der Sinnfrage beginnt und die Arbeitswelt von Grund auf umformt.


  • Individualisierung ist das zentrale Kulturprinzip der westlichen Welt und entfaltet ihre Wirkungsmacht zunehmend global. Sie codiert die Gesellschaft um und berührt Wertesysteme, Konsummuster und Alltagskultur gleichermaßen.


  • Noch nie hat die Tatsache, ob jemand als Mann oder Frau geboren wird und aufwächst, weniger darüber ausgesagt, wie die jeweilige Biografie verlaufen wird. Der Trend veränderter Rollenmuster und das Aufbrechen der Geschlechterstereotype sorgen für einen radikalen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft. Der Gender Shift schafft eine neue Kultur des Pluralismus.


  • Silver Society bezeichnet eine Gesellschaft, in der die Zahl älterer Menschen steigt. Gleichzeitig bleiben wir länger gesund. Damit entsteht eine völlig neue Lebensphase nach dem Renteneintritt. Das bietet Raum für Selbstentfaltung in neuen Lebensstilen im hohen Alter.


  • Gesundheit ist das Synonym für ein gutes Leben. Mit selbstständig erworbenem Wissen treten Menschen dem Gesundheitssystem auf Augenhöhe gegenüber und stellen neue Erwartungen an Unternehmen und Infrastrukturen.


Nicht jeder Trend ist gleichwertig für jedes Unternehmen.
Um sich in einer komplexen, dynamischen Welt auf Zukunft auszurichten, muss ein Unternehmen die eigenen Grundannahmen und Strategien wirkungsvoll überprüfen. Dies bedeutet nicht, lediglich zu beobachten, was sich außerhalb der Organisation abspielt und offen für alle Richtungen zu sein. Ebenso genügt es nicht, die internen Strukturen aufzulockern, um „New Work“ zu entsprechen. Beides würde einen Streueffekt verursachen, wenn auch positive Erkenntnisse. Die Neo-Ökologie hält uns an, nachhaltig zu denken: Nicht nur umweltschonendere Materialien und reduzierter Konsum, sondern eine ganzheitlichere Sicht auf unser Umfeld. Die Botschaft dieses Megatrends ist ein Perspektivwechsel auf unsere globale Ökonomie, unsere Bedürfnisse und wie wir Wert schöpfen. Diese Vernetzungen fordern jetzt mehr denn je ein Bewusstsein dafür, dass Wirtschaftlichkeit und das Wohl von Menschen vereinbar sind. Dies birgt enormes Potenzial.


Widersprüche aufzulösen ist nicht trivial, da sie aus realen Blockaden bestehen. Diese kommen jedoch nicht von ungefähr: Menschen und Organisationen können nicht alles wahrnehmen und weisen natürliche blinde Flecken auf. Um diese in einem schnellen und klaren Prozess wirksam zu entdecken, haben wir die Future-Room-Methode entwickelt. Die Essenz dieses Ansatzes fasst Prof. Dr. Dirk Baecker wunderbar zusammen:

Profiliert ist eine Strategie der Organisation erst dann, wenn das Wirkliche des Innenraums mit dem Möglichen des Außenraums der Organisation in Beziehung gesetzt wird.


Der Autor:

Raphael Shklarek ist Trendforscher und Berater beim Zukunftsinstitut in seiner Heimatstadt Wien. Hier studierte er Psychologie sowie Politikwissenschaften mit Fokus auf Konfliktforschung, Ideologie und Identität. Kontakt: r.shklarek(at)zukunftsinstitut.at, www.zukunftsinstitut.de