Startup-Statistiken - auf die Methodik kommt es an

Veröffentlicht: 28.07.2015

Projekt: Gründerökosysteme

Zusammenfassung: Wir freuen uns, dass die F.A.Z. am letzten Samstag in dem Artikel Die Vermessung der Start-up-Welt das Gründerökosystem Frankfurt-RheinMain als Thema aufgegriffen hat, das auch Gegenstand unseres Entrepreneurial Ecosystem Talk am letzten Mittwoch...

Startup-Statistiken - auf die Methodik kommt es an

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir freuen uns, dass die F.A.Z. am letzten Samstag in dem Artikel Die Vermessung der Start-up-Welt das Gründerökosystem Frankfurt-RheinMain als Thema aufgegriffen hat, das auch Gegenstand unseres Entrepreneurial Ecosystem Talk am letzten Mittwoch war.  Unter der Überschrift "Schlechte Statistiken für Frankfurt" wird im Artikel der Deutschen Startup Monitor 2014 zitiert, in dem das Bundesland Hessen nur mit 3% aller Startups vertreten ist, während Berlin 39% vorweisen kann. An anderer Stelle heißt es dann, die Situation sei "gar nicht mehr so trostlos", denn auf 10.000 Erwerbsfähige kommen in Berlin 4,1 Startups, in Frankfurt immerhin 3,5. Auf den ersten Blick ein Widerspruch. Eine genauere Betrachtung der Datengrundlage löst diesen aber auf.

Startup-Monitor vs. Unternehmenspanel

Der Deutsche Startup Monitor (DSM) ist mit über 900 befragten Startups die umfassendste Studie zu diesem Thema in Deutschland. Die Autoren selber sagen aber, dass ihre Stichprobe nicht repräsentativ ist, da die Startups hauptsächlich über Multiplikatoren gefunden werden, die Fragebögen an ihnen bekannte Starups weiterleiten.

Wichtig ist auch die zugrunde gelegte Definition für Startups, die beim Deutschen Startup Monitor lautet:

  • Startups sind jünger als 10 Jahre.
  • Startups sind mit ihrer Technologie und/oder ihrem Geschäftsmodell hoch innovativ.
  • Startups haben (streben) ein signifikantes Mitarbeiter- und/oder Umsatzwachstum (an)
  • Damit ein Jungunternehmen als Startup im Sinne des DSM betrachtet werden kann, müssen die erste und mindestens eine der beiden weiteren Bedingungen erfüllt sein.

 

Startups sind aufgrund solcher notwendigerweise unscharfen Definition mit den Mitteln der "amtlichen" Statistik nur schwer zu fassen und machen auch nur einen Teil aller Unternehmensgründungen aus.

Wie der Artikel richtig beschreibt, zeigen Statistiken zu Unternehmensgründungen insgesamt weit geringere Unterschiede zwischen Berlin und anderen Städten in Deutschland, als es der Deutsche Startup Monitor vermuten lässt. Wir hatten das anhand von Gründungen in den Bereichen Financial Services und High Tech dargestellt. Setzt man die Zahl der Unternehmensgründungen ins Verhältnis zur Zahl der Erwerbsfähigen, kann sich Frankfurt-Rhein-Main durchaus mit anderen Regionen messen:

Die Zahlen, die der Graphik zugrunde liegen, haben wir dem Mannheimer Unternehmenspanel (MUP) entnommen, das Unternehmensgründungen anhand der
Neuzugänge im der Unternehmensdatenbank der Kreditauskunftei Creditreform in den letzten vier Jahren erfasst. Das MUP hat bundesweit z.B. im Jahr 2013 163.000 Gründungen erfasst. Die Datengrundlage ist also sehr viel breiter als beim DSM - wenn auch sicher nicht vollständig und nicht fokussiert auf Startups.

Frankfurt muss seine Sichtbarkeit erhöhen!

Die Region Frankfurt-Rhein-Main steht also gar nicht so schlecht dar. Aber wie kann sie ihre Sichtbarkeit erhöhen? Ein Weg wäre, die Zahl der Multiplikatoren aus der Region für die Erhebung der Daten im DSM zu erhöhen. Wir stehen dafür gerne zur Verfügung.