Wie unterscheiden sich von Frauen und Männern gegründete Unternehmen in Bezug auf Innovation, Exporte und Arbeitsplätze sowie Künstliche Intelligenz? Inwiefern verändert generative Künstliche Intelligenz die Wirtschaft und welche Potentiale bietet das für Gründerinnen und Gründer sowie den Mittelstand in Deutschland? Diesen Fragen ging der erste Online-Dialog „45 Minuten Global Entrepreneurship Monitor (GEM)“ am 29.01.2026 nach. Die Inhalte der Online-Session haben wir für Sie nachfolgend zusammengefasst.  

Exporte: Mehr TEA-Gründerinnen mit hohem Exportanteil am Umsatz

Mit dem Women Entrepreneurship Monitor 2024/25 veröffentlichte das Global Entrepreneurship Monitor (GEM)-Länderteam Deutschland im RKW Kompetenzzentrum eine vollumfassende Analyse des weiblichen und männlichen Gründungsgeschehens. Die Ergebnisse basieren auf dem GEM Datensatz 2024. Die Gründungen in Deutschland sowie im internationalen Vergleich untersucht das RKW Kompetenzzentrum jährlich in Kooperation mit dem Johann Heinrich von Thünen-Institut für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen.

Bezogen auf Exporte zeigen die GEM-Daten für Deutschland in 2024 höhere Werte bei TEA-Gründerinnen:

  • Von den TEA-Gründerinnen haben oder erwarten 19,7 % einen hohen Exportanteil.
  • Bei den TEA-Grün­dern liegt der Wert mit 13,7 % um 6 Prozentpunkte nied­riger.

Eine hohe Exportintensität wird im GEM so definiert, dass der Exportanteil mehr als 50 % am gesamten Umsatz des Unternehmens beträgt.

Beschäftigungseffekte: Höhere Werte bei Gründern

Sowohl Gründerinnen als auch Gründer erzielen Beschäftigungseffekte: Der Wert ist bei den Männern – zum Befragungszeitpunkt im Sommer 2024 für Deutschland – jedoch höher:

  • Bei Gründern sind es im Durchschnitt 29 Personen.
  • Bei Gründerinnen sind es im Durchschnitt 21 Personen.

Der im GEM gemessene Wert bezieht sich auf die Anzahl der Personen, die Eigentümer nicht eingeschlossen, die zum Befragungszeitpunkt für das neue Unternehmen arbeiten. Dabei werden auch Personen bei Subunternehmen mitgezählt, die ausschließlich für das neue Unternehmen tätig sind.

Gründungen in Branchen mit mittlerer oder hoher Technologieintensität: Deutsche TEA-Gründerinnen schneiden international gut ab

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist inwiefern Gründungspersonen die Wirtschaft in Bezug auf Innovationen und Technologieorientierung erneuern. Im GEM wird diesbezüglich der Anteil der TEA-Gründerinnen und -Gründer, die nach der OECD-Klassifikation in Bran­chen mit mittlerer oder hoher Technologieintensität tätig sind bzw. tätig sein werden, an allen TEA-Gründe­rinnen und -Gründern gemessen:

  • Die deutschen TEA-Gründerinnen schnei­den in 2024 im internationalen Vergleich diesbezüglich gut ab und liegen gleichauf mit den TEA-Gründerinnen im „Start-up-Land“ USA (5,5 % in Deutschland und 5,4 % in den USA).
  • Wie in nahezu allen betrachteten GEM-Ländern ist der Wert bei den TEA-Gründern in Deutschland jedoch diesbezüglich höher: Er beträgt 14,9 %, und ist damit nahezu dreimal so hoch wie bei den Frauen.

Künstliche Intelligenz: Starke Impulse durch TEA-Gründerinnen und -Gründer

Die Technologie der Künstlichen Intelligenz ist ein wich­tiges Zukunftsfeld.

  • 45,3 % der TEA-Gründer in Deutschland sehen zum Befragungszeitpunkt in 2024 die Künstliche Intelligenz für die Umsetzung ihres Geschäftsmodells und ihrer Geschäfts­strategie als „sehr wichtig“ an.
  • Bei den TEA-Gründerinnen sind es 32,1 %.

Sowohl TEA-Gründerinnen als auch TEA-Gründer erzielen höhere Werte als Unternehmerinnen (20,2 %) oder Unternehmer (27,2 %).

Generative Künstliche Intelligenz bietet Gründenden und Mittelstand Potenzial für hohe Produktivitätsgewinne

Die generative Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt grundlegend und bietet Gründerinnen und Gründern und Mittelstand die Chance für hohe Produktivitätsgewinne. Im Online-Event wurden zu diesem Themenkomplex vom Fraunhofer IAO die Ergebnisse der Fraunhofer-Studie „Potenziale Generativer KI für den Mittelstand: Wie Große KI-Modelle die Arbeitswelt verändern“ vorgestellt. Die Studie wurde durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg gefördert.

Besonders hohe Chancen auf Produktivitätsgewinne werden z. B. in folgenden Anwendungsfeldern für generative Künstliche Intelligenz identifiziert (Quelle: Studie des Fraunhofer IAO):

  • Automatisierung: z. B. Terminabstimmungen, Textzusammenfassungen, Kundenanfragen beantworten sowie Buchführung und Finanzberichte erstellen
  • Assistenz: z. B. beim recherchieren von Quellen oder beim Programmieren
  • Ermöglichen: z. B. Marketing durch Bildgenerierung, Kunden- und Produktindividuelle Videos sowie kontextsensitive Musikerzeugung   

Die Künstliche Intelligenz wandelt das Tätigkeits-Profil vieler Berufe, wie beispielsweise im Bereich Finanz-Controlling, Kundendienst, IT-Support, Büro-Assistenz, Softwareentwicklung, bei wissenschaftlichem Personal sowie im Marketing und insgesamt in vielen Bereichen der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Generative Künstliche Intelligenz schafft bei Gründenden und im Mittelstand neue Berufs- und Tätigkeitsfelder

Zudem schafft die generative Künstliche Intelligenz im Mittelstand und für Gründerinnen und Gründer neue Berufs- und Tätigkeitsfelder. Die Studienergebnisse des Fraunhofer IAO benennen diesbezüglich exemplarisch folgende Aspekte:

  • das Kurieren von Datensätzen die von generativer Künstlicher Intelligenz verarbeitet werden.
  • die Qualitätssicherung bei von generativer Künstlicher Intelligenz erzeugten Inhalten.
  • Verknüpfung von Fachexpertise und Expertise in Künstlicher Intelligenz.
  • Bewertung welche Unternehmensprozesse und Tätigkeiten durch Künstliche Intelligenz unterstützt oder übernommen werden können.  
  • Passende Tools im Bereich Künstliche Intelligenz auswählen und/oder anpassen/erstellen.
  • Unternehmen in den Datensätzen von Anbietern generativer Künstlicher Intelligenz platzieren.
  • Einhaltung rechtlicher und ethischer Standards bei der Verwendung von generativer Künstlicher Intelligenz sicherstellen.

Generative Künstliche Intelligenz verändert die Wettbewerbssituation für Gründende und Mittelstand

Die Fraunhofer-Studie zeigt u. a. das generative Künstliche Intelligenz für Gründende und Mittelstand die Wettbewerbssituation verändert:

  • Dadurch das Wissen und die Übernahme/Unterstützung von Tätigkeiten durch entsprechende Tools allen Marktakteuren zur Verfügung steht gleicht sich das Level zwischen allen Marktakteuren an.
  • Gleichzeitig können Gründende und Mittelstand durch Verknüpfung von fachlicher Kompetenz und generativer Künstlicher Intelligenz sich vom Wettbewerb differenzieren.

Unternehmensinterne Anwendungsfälle, bezogen auf nicht Kunden(daten) betreffende und nicht öffentlich sichtbare Sachverhalte, sind im ersten Schritt ideale Testfelder für neue Möglichkeiten. Eine gute Strategie und (Weiter-)Bildung in Bezug auf generative Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, Wettbewerbsvorteile zu erschließen.

Künstliche Intelligenz: Ein Trend bei Gründungen in Deutschland

Die Teilnehmenden aus Kammern, Hochschulen und Gründungsunterstützungsorganisationen berichteten im Diskussionsteil der Online-Veranstaltung, dass aktuell insbesondere bei technologieorientierten Gründungen die (generative) Künstliche Intelligenz sowohl bei den Geschäftsideen und Geschäftsmodellen von Frauen als auch bei Männern, die ein neues Unternehmen starten möchten, stark im Fokus ist.

 

Infobox: Begriffsdefinitionen des Women Entrepreneurship Monitors 2024/25

TEA-Gründerinnen und TEA-Gründer sind Personen zwischen 18 und 64 Jahren, die in den letzten dreieinhalb Jahren vor der Befragung ein Unternehmen gegründet haben oder in den vergangenen zwölf Monaten dabei waren, die Gründung eines Unternehmens vorzubereiten.

Gründerinnen und Gründer sind Personen zwischen 18 bis 64 Jahren, die während der letzten dreieinhalb Jahre ein Unternehmen gegründet haben.

Unternehmerinnen und Unternehmer sind Personen zwischen 18 bis 64 Jahren, die ein Unternehmen besitzen und führen, welches älter als dreieinhalb Jahre ist.

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