Technostress beschreibt die psychische und physische Belastung, die durch den Umgang mit digitalen Technologien entsteht. In einer Welt, die sich immer schneller dreht, wird Technologie oft vom hilfreichen Werkzeug zum unsichtbaren Antreiber – wie ein Motor, der nie ganz ausgeht.
Technostress setzt sich aus „Technologie“ und „Stress“ zusammen und gewinnt zunehmend an Bedeutung, da Digitalisierung sowohl Chancen als auch Druck erzeugt. Geprägt wurde der Begriff in den 1980er von Craig Brod, damals noch fokussiert auf die Computerisierung. Seitdem hat sich die digitale Technologie jedoch auf viele weitere Lebens- und Arbeitsbereiche ausgeweitet.
Technostress ist eine moderne Anpassungskrankheit, die durch die Unfähigkeit verursacht wird, mit den neuen Computertechnologien auf gesunde Weise umzugehen.“
Craig Brod, 1984
Die Auslöser von Technostress
Grundsätzlich lässt sich der Auslöser von Technostress in mehrere Faktoren unterteilen:
| Domäne | Erläuterung |
| Überlastung durch Technik | Überlastung durch ein hohes Tempo, häufige Unterbrechungen, Multitasking, verlängerte Arbeitszeit, Erwartungen an die Reaktionszeiten. |
| Technische Komplexität | hohe Komplexität durch einzelne und das Zusammenspiel mehrerer digitaler Technologien. |
| Verunsicherung durch Technik | Angst, dass digitale Technologien oder qualifizierteres Personal den eigenen Job/die eigene Position ganz oder teilweise ersetzen. |
| Technische Invasion | Zunahme mobiler Geräte führt zu Konflikten zwischen Arbeits- und Privatleben (z. B. im Homeoffice) und kann die Erholung von der Arbeit beeinträchtigen. |
| Unzuverlässigkeit durch Technik | Stress durch Ausfälle, technische Fehler, geringe Nutzbarkeit einzelner Technologien, sowie Schnittstellenprobleme. |
| Stress durch Mensch-Maschine-Interaktion | Irritation durch Unvorhersehbarkeit des Roboter- oder Maschinenverhaltens oder unspezifische Angst vor Robotern, hohe Komplexität solcher Systeme. |
| Technische Arbeitsplatzüberwachung | Möglichkeit zur Überwachung der Arbeitsleistung, des Arbeitsortes und der Arbeitszeiten ruft Misstrauen und Kontrollverlust hervor. |
Tabelle: Auslöser von Technostress. Nach Dragano (2021), eigene Darstellung
Typische Ursachen von Technostress
Technostress entsteht meist nicht durch einen einzelnen Faktor, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer Belastungen:
- Dauerhafte Erreichbarkeit: E-Mails, Chats und Calls lassen kaum Raum für echte Pausen
- Informationsüberflutung: Zu viele Daten gleichzeitig wirken wie ein Sturm im Kopf
- Komplexität neuer Systeme: Ständige Updates und Tools erzeugen Unsicherheit
- Zeitdruck durch Digitalisierung: Alles soll schneller gehen – oft schneller, als es gut ist
Auswirkungen von Technostress
Es gibt wenige belastbare Aussagen über die Häufigkeit und die Auswirkungen von Technostress.
Studien kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass zu viel und nicht richtig funktionierende Technik Stress auslösen und damit zu einer Belastung führt. Wird der Stress zu hoch, können folgende Symptome auftreten:
- Konzentrationsprobleme
- Schlafstörungen
- Innere Unruhe oder Gereiztheit
- Gefühl permanenter Überforderung
- Erschöpfung bis hin zu Burnout
Strategien zur Reduktion von Technostress
Technostress ist kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Phänomen unserer Zeit. Jedoch kann man lernen, Technologie gezielt einzusetzen, statt sich von ihr treiben zu lassen. So gewinnt man ein Stück Selbstbestimmung zurück – und damit auch Lebensqualität.
Um Technostress zu reduzieren, helfen klare Grenzen im Umgang mit digitalen Medien, bewusste Offline-Zeiten und ein reflektierter Einsatz von Technologie. Zusätzlich können Unternehmen durch Schulungen und realistische Erwartungen zur Entlastung beitragen.
- Digitale Pausen einlegen: Bewusst Offline-Zeiten schaffen, z. B. durch feste „No-Screen“-Phasen.
- Prioritäten setzen: Nicht jede Nachricht oder E-Mail erfordert eine sofortige Antwort.
- Technologien gezielt nutzen: Tools und Apps bewusst auswählen und auf das Wesentliche beschränken.
- Schulungen nutzen: Unsicherheiten im Umgang mit neuen Technologien durch Weiterbildungen abbauen.
- Bewegung und Entspannung: Regelmäßige Pausen und körperliche Aktivität helfen, Stress abzubauen.
Technostress im Unternehmen vermeiden
Auch Unternehmen stehen in der Verantwortung: Realistische Erwartungen, Schulungen und eine gesunde Fehlerkultur können helfen, den Druck zu reduzieren.
So gilt es bei jedem Einsatz von Technologie sicherzustellen,
… dass vor dem Einsatz einer neuen Technologie die dahinterliegenden Prozesse klar definiert sind.
… die Bedienung der Technik ergonomisch und benutzerfreundlich ist.
… dass das System zuverlässig und fehlerfrei arbeiten kann.
… ggf. auch nicht mehr benötigte Technik zu verabschieden.
Ein kleiner Praxistipp:
Feierabend ist Feierabend! Sie können serverseitig einstellen, dass nach einer gewissen Uhrzeit keine E-Mails mehr die Posteingänge erreicht, sondern erst am nächsten Morgen. So wissen die Beschäftigten: Ins Postfach gucken, lohnt nicht und können besser abschalten.
Literatur
Brod, C. (1984): Technostress: The Human Cost Of The Computer Revolution. Addison-Wesley Publishing Company, Reading, USA.
Dragano, N., Riedel-Heller, S. & Lunau, T. (2021): Haben digitale Technologien bei der Arbeit Einfluss auf die psychische Gesundheit?, Nervenarzt 92, 1111–1120.
- © BGD / Getty Images – Technostress: Mann ärgert sich über Absturz seines Computers (3722_gestresster-mann.jpg)