In einem Videointerview mit zwei ehemaligen und den aktuellen Auszubildenden der LieblingsBar in Hannover, konnte ich mir ein Bild vom Ausbildungsalltag in der Gastronomie unter Corona-Bedingungen machen.  

Die Azubis lernen die Ausbildungsberufe zur Restaurantfachfrau bzw. zum Restaurantfachmann oder zur Fachkraft im Gastgewerbe. Die beiden ehemaligen Azubis hatten 2019 bei dem Projekt Digiscouts® mitgemacht. Mittels Moodle, einer Open-Source-Plattform, haben sie damals eine eigene Online-Lernplattform für das Restaurant entwickelt und umgesetzt. Seitdem können neue Mitarbeitende und Auszubildende auf der eigenen Lernplattform Online-Schulungen besuchen und im Selbststudium Neues lernen, Online-Tests helfen bei der Kontrolle des eigenen Lernerfolges.

Heute, ein Jahr später, wäre ein Ausbildungsalltag ohne die Lernplattform undenkbar. Trotz des Lockdowns treffen sich die Azubis mit ihren Geschäftsführern täglich von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr in der Bar und nutzen die Zeit, um das Digiscouts®-Projekt weiterzuentwickeln. Statt praktisch und abwechslungsreich zu arbeiten, heißt es aktuell verschiedene Aufgaben theoretisch zu beleuchten. Dafür geben die beiden Geschäftsführer ihren Azubis kleine Projekte. Dies bedeutet, die Azubis erhalten beispielsweise eine Aufgabe, bei der sie den Ablauf und Prozesse einer Tätigkeit genau unter die Lupe nehmen und bis ins kleinste Detail aufbrechen. Anschließend bereiten sie ihre Erkenntnisse auf, dokumentieren diese und stellen „how to“-Beiträgen auf ihrer Lernplattform ein, sodass auch neue Mitarbeitenden und Azubis von den Aufzeichnungen profitieren. Allein werden sie damit aber nicht gelassen, Paten (Azubis eines höheren Ausbildungsjahres und Mitarbeitende) unterschützen die Azubis dabei oder helfen ihnen bei Verständnisfragen. Themen, die Azubis in diesem Zusammenhang schon bearbeitet haben, sind beispielsweise das Schreiben verschiedener Booklets zu Longdrinks und Cocktails, Rezepttipps für ihre Produkte im E-Shop, das Aktualisieren der Speisekarten und das Festhalten verschiedener Arbeitsschritte in der Küche und im Service. 

Die Azubis profitieren von diesem Lernformat, auf mehrere Arten. Einerseits setzen sie sich im Detail mit ihren Tätigkeiten auseinander, indem sie diese schriftlich festhalten und auf ihrer Lernplattform teilen. Andererseits ziehen die Azubis einen Nutzen daraus, zusätzlich zu ihren klassischen Aufgaben als zukünftige Restaurantfachkräfte und Fachkräfte im Gastgewerbe, auch Erfahrung in der Durchführung und Dokumentation von Prozessanalysen sammeln zu können. Auch wenn den Azubis das praktische Arbeiten sowie der Zeitdruck bei der Arbeit fehlt, finden sie die Azubi-Projekte gut, da sie durch diese ihr Wissen erweitern und– in einer ungewöhnlichen Zeit – die Chance erhalten etwas Neues zu lernen und damit über den Tellerrand zu blicken. Sie sind dankbar, dass ihre beiden Chefs eine sinnvolle Alternative für sie entwickelt haben und sie weiterhin ihr Gehalt erhalten. 

Dennoch, die jungen Menschen vermissen die Berufsschule sehr – das wird im Gespräch sehr deutlich. Der direkte Austausch mit den Lehrern fehlt ihnen und sie fühlen sich alleingelassen – auch wenn es nicht so ist. Denn remote Lernen bedeutet letztlich allein im Selbststudium lernen, resümieren die Azubis. Am meisten vermissen sie aber die Kundschaft – sie stellen ja auch das Herzstück einer Ausbildung und Arbeit in Gastronomiebranche da. Letztlich blicken die Azubis aber positiv in die Zukunft und heben den Zusammenhalt in der LieblingsBar hervor. „Wir wachsen immer mehr zu einer Familie zusammen. (…) Ich persönlich fühle mich gut aufgehoben und gut unterstützt“. 

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