Im Nachfolge-Labor hat das Institut für Entrepreneurship, Mittelstand und Familienunternehmen (EMF-Institut) der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR), unter Leitung von Prof. Dr. Birgit Felden das gelegentlich schwierig erscheinende Thema der Unternehmensnachfolge als spannendes digitales Rollenspiel aufbereitet.

Live Action Role Playing (LARP) heißen die Rollenspiele in größeren Gruppen heute und Convention (Con) der Rahmen, in dem sich Gleichgesinnte treffen, um ein LARP in passenden Rollen und Bekleidungen miteinander auszuführen. Es lässt sich als digitale Umsetzung von klassischen Rollenspielen verstehen, bei denen sich beispielsweise am Mittelalter interessierte Personen in entsprechend historischem Outfit treffen, gern am Wochenende und auf Burgen, um Ritterspiele durchzuführen und ihren Helden mit Schwert und Schild nachzueifern. Inzwischen finden viele der Rollenspiele in einer digitalen Umgebung statt.

Das LARP der HWR startet wie ein Krimi: „Dein Telefon klingelt, du hörst die aufgeregte Stimme eines Freundes:  Gut, dass ich Dich endlich erreiche! Du kennst Dich doch mit Unternehmensnachfolge aus, oder? Es gibt gerade einen Notfall! Horst Moritz hatte einen Herzinfarkt. Du weißt doch, der Chef der Moritz GmbH – Stahlbau machen die. Der liegt jedenfalls jetzt im Krankenhaus und im Geschäft läuft alles drunter und drüber, wenn da nicht bald etwas geregelt wird. Ohne Horst ist es echt schwierig. Vielleicht sollte man ja auch gleich die Nachfolge regeln, damit das Unternehmen gut weiterläuft. Die Familie sucht jetzt dringend eine gute Beratung, kannst Du weiterhelfen?“

Über das weitere Schicksal der Firma Moritz GmbH entscheiden zwischen sieben und zehn Mitspieler, indem sie die Rollen der Familienmitglieder, Angestellten und beratenden Beobachter in dem kleinen stahlverarbeitenden Unternehmen einnehmen und nach und nach dem Thema Unternehmensnachfolge gemeinsam näherkommen. Als virtuelle Räume können Plattformen, wie Wonder.me, Zoom, Teams oder andere digitale Begegnungsräume dienen. Natürlich kann das LARP auch im realen Umfeld, z.B. in einem Klassenraum stattfinden.

Spannend und kreativ ist das LARP auf jeden Fall, denn es erlaubt Einblicke in eine Firma, die es aus einer plötzlichen Krise herauszuführen gilt. Dabei ist es durchaus möglich, sich niedrigschwellig auf die Auseinandersetzung der Rollen zu konzentrieren und die Interessen von Familienmitgliedern und Angestellten vorrangig zu thematisieren. Lehrreich wird das LARP dann, wenn sich die Mitspieler im Vorfeld intensiv mit dem Fallbeispiel der Firma Moritz GmbH auseinandergesetzt haben.

Das Entwicklungsteam des LARP hat sowohl die Historie der Moritz GmbH als auch die Beteiligten in ihren Rollen in Form von Zeitstrahl, Genogramm und Organigramm grafisch ansprechend aufbereitet. Hinzu kommen sehr umfangreiche und detaillierte, aber dennoch sehr übersichtliche Download-Dokumente mit wichtigen betriebswirtschaftlichen Unternehmensangaben, wie beispielsweise Ertrags-, Bilanz- und Finanzstromanalyse oder Kunden- und Portfolioanalyse sowie alle für die Nachfolgeregelung erforderlichen Dokumente, wie beispielsweise ein Gesellschafts-Vertrag, ein Testament und ein Qualifikationsprofil für eine möglichen Nachfolgerin oder eine Nachfolger.

„In Rollen zu schlüpfen und ohne Zensur, was richtig oder falsch ist, zu spielen macht Spaß. Die Studierenden sehen aber mehr als nur die eigene Perspektive und bekommen auch durch die Reflektion die Möglichkeit, Geschehnisse von „außen“ und von „innen“ zu betrachten. Sie erweitern darüber hinaus ihre Kommunikationsfähigkeiten, weil sie eigene Bedürfnisse der Rolle artikulieren und in Interaktion bringen, Konflikte austragen und Entscheidungen treffen müssen. So wird auch eigenverantwortliches Handeln möglichst lebensnah gefördert.“ Prof. Dr. Birgit Felden

Das LARP der HWR ist ein neues Tool, das im Nachfolge-Labor des von Prof. Dr. Birgit Felden geleiteten Projekts „Nachfolge in Deutschland“ entwickelt wurde und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert wird.

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