Altersabhängige Unterschiede in der Gründungsaktivität
Die Daten des aktuellen GEM Länderbericht Deutschland zeigen: In fast allen Altersgruppen ist die TEA-Gründungsquote 2025 gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die TEA-Gründungsquote umfasst den Anteil der Personen an den 18- bis 64-Jährigen, die während der letzten dreieinhalb Jahre ein Unternehmen gegründet haben und/oder zum Zeitpunkt der Befragung dabei sind, eines zu gründen. Besonders deutlich fiel der Anstieg bei den jüngsten Altersgruppen aus. Bei den 18- bis 24-Jährigen hat sich der Anteil der TEA-Gründerinnen und -Gründer von knapp 13 % im Jahr 2024 auf ca. 23 % im Jahr 2025 erhöht. Auch bei den 25- bis 34-Jährigen stieg die Gründungsquote deutlich von 16,5 % auf ca. 22 %.
In der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen erhöhte sich der Anteil von ca. 12 % auf 15,5 %. Bei den 45- bis 54-Jährigen war dagegen nur ein geringer Anstieg um rund einen Prozentpunkt zu beobachten. Bei den 55- bis 64-Jährigen ging die Gründungsquote leicht von ca. 4 % auf 3,9 % zurück.
Damit weisen die jüngsten Altersgruppen im Jahr 2025 die höchsten TEA-Gründungsquoten auf. Mit zunehmendem Alter nimmt die Gründungsaktivität deutlich ab.
Unterschiede in den Gründungsmotiven nach Altersgruppen
Auch die Gründe für eine Unternehmensgründung unterscheiden sich zwischen den Altersgruppen. Das Motiv, „großen Wohlstand oder sehr hohes Einkommen“ zu erreichen, steht bei den 18- bis 24-Jährigen sowie den 35- bis 44-Jährigen mit jeweils rund 73 % an erster Stelle. Bei den jüngsten TEA-Gründerinnen und -Gründern folgt das Motiv, den Lebensunterhalt zu verdienen, weil Arbeitsplätze rar sind (knapp 73 %).
Bei den 55- bis 64-Jährigen ist dagegen der ökonomische Druck durch fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten das am häufigsten genannte Gründungsmotiv (rund 65 %). Das Motiv, mit der Gründung „die Welt zu verändern“, erreicht seinen höchsten Wert bei den 45- bis 54-Jährigen mit rund 64 %.
Das Motiv, eine Familientradition fortzuführen, wird je nach Altersgruppe von rund 11 % bis 44 % genannt und unterscheidet sich damit deutlich zwischen den Altersgruppen.
Einstellungen zum Unternehmertum als berufliche Option nach Alter
Die hohe Gründungsaktivität junger Menschen geht mit einer ausgeprägten Offenheit gegenüber unternehmerischen Karrieren einher. Rund 70 % der 18- bis 24-Jährigen und 72 % der 25- bis 34-Jährigen in der Bevölkerung in Deutschland betrachten die Gründung eines Unternehmens als erstrebenswerte berufliche Option.
Auch die grundsätzliche Präferenz für unternehmerische Selbstständigkeit ist hierzulande in der Bevölkerung bei den Jüngeren besonders ausgeprägt: Rund 72 % der 18- bis 24-Jährigen würden eine unternehmerische Tätigkeit gegenüber einer Beschäftigung im Angestelltenverhältnis bevorzugen.
In der deutschen Bevölkerung stimmen knapp 81 % der Aussage zu, dass erfolgreiche Gründerinnen und Gründer Respekt und ein hohes Ansehen genießen. In den USA liegt dieser Anteil mit rund 83 % nur geringfügig höher.
Altersabhängige Unterschiede in der Wahrnehmung von Gründungschancen und Gründungsrisiken
Bei der Einschätzung der eigenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen für eine Gründung zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Rund 67 % der 18- bis 24-jährigen TEA-Gründerinnen und -Gründer geben an, über die notwendigen Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen für eine Gründung zu verfügen. In den älteren Altersgruppen liegt der Anteil dagegen bei 85 % oder höher.
Auch bei der Wahrnehmung von Gründungschancen zeigen sich deutliche Unterschiede nach Alter. Knapp 95 % der 18- bis 24-jährigen und rund 91 % der 25- bis 34-jährigen TEA-Gründerinnen und -Gründer sehen in ihrem regionalen Umfeld gute Möglichkeiten für eine Unternehmensgründung. Bei den 55- bis 64-Jährigen sind es dagegen rund 52 %.
Gleichzeitig ist die Angst vor dem Scheitern bei den Jüngsten besonders ausgeprägt. Knapp 46 % der 18- bis 24-jährigen TEA-Gründerinnen und -Gründer geben an, dass die Angst vor dem Scheitern sie von einer Gründung abhalten könnte. Ab einem Alter von 25 Jahren liegt dieser Anteil deutlich niedriger.
Altersabhängige Unterschiede in der Bedeutung von Künstlicher Intelligenz für Gründungen
Auch bei der Einschätzung der Bedeutung von Künstlicher Intelligenz (KI) zeigen sich Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Knapp 77 % der 18- bis 24-jährigen TEA-Gründerinnen und -Gründer bewerten KI als „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“ für die Umsetzung ihres Geschäftsmodells und ihrer Geschäftsstrategie. In den anderen Altersgruppen liegt der Anteil zwischen 50 % und 58 %.
Bei den wahrgenommenen Chancen von KI stehen insbesondere die Personalisierung von Angeboten, Produktivität und Effizienz sowie Innovationen bei Produkten und Dienstleistungen im Mittelpunkt. Gleichzeitig sehen TEA-Gründerinnen und -Gründer auch Risiken und Herausforderungen. Dazu zählen insbesondere Datenschutz und Datensicherheit sowie hohe Kosten und der Aufwand für die Implementierung. Jüngere TEA-Gründerinnen und -Gründer nennen hohe Kosten und Implementierungsherausforderungen besonders häufig als Hinderungsgründe für den KI-Einsatz.
Fazit
Die Ergebnisse zeigen, dass sich Gründungsaktivität, Gründungsmotive und Einstellungen zum Unternehmertum zwischen den Altersgruppen unterscheiden. Besonders junge Menschen weisen eine hohe Gründungsaktivität auf und nehmen Gründungschancen positiv wahr. Gleichzeitig verfügen sie nach eigener Einschätzung über weniger unternehmerisches Wissen sowie praktische Erfahrungen und berichten häufiger von einer möglichen Angst vor dem Scheitern. Eine frühzeitige Vermittlung unternehmerischer Kompetenzen kann daher dazu beitragen, junge Menschen auf eine mögliche Gründung vorzubereiten. Auch die Ergebnisse der GEM-Expertenbefragung zeigen, dass insbesondere die Entrepreneurship Education an Schulen noch Entwicklungspotenzial aufweist. Praxisnahe Angebote können dazu beitragen, wirtschaftliches Wissen und unternehmerische Kompetenzen frühzeitig zu vermitteln.
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