Nachberichtserstattung: Impulse zur Unternehmensnachfolge

Zum Auftakt der Veranstaltung machten Jens Nagel vom RKW Kompetenzzentrum und Holger Maus vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) deutlich, welche Bedeutung Unternehmensnachfolge für die Zukunft des Mittelstands hat. Angesichts der hohen Zahl an bevorstehenden Betriebsübergaben bleibt die Sicherung von tragfähigen Nachfolgelösungen eine zentrale wirtschaftspolitische Aufgabe.

Unternehmensnachfolge als Zukunftsaufgabe des Mittelstands

In seiner Keynote betonte Dr. Marc Evers (DIHK), dass die Lücke zwischen übergabebereiten Unternehmen und potenziellen Nachfolgerinnen und Nachfolgern weiterwächst. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, brauche es neben verlässlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine starke Unterstützungslandschaft sowie neue Zielgruppen für die Unternehmensnachfolge – insbesondere Frauen, Fachkräfte und Mitarbeitende aus den Unternehmen selbst.

Unternehmensnachfolge im RKW Kompetenzzentrum

Das RKW Kompetenzzentrum stellte seine Plattform „Chance Unternehmensnachfolge“ vor. Ziel ist es, erfolgreiche Ansätze, Projekte und kostenfreie Unterstützungsangebote bundesweit zugänglich zu machen. Akteure sollen vernetzt und gute Praxisbeispiele für erfolgreiche Unternehmensnachfolgen sichtbar gemacht werden (z.B. Podacst-Reihe).

Welche Rolle die Unternehmensnachfolge inzwischen in der Gründungsförderung spielt, zeigte die Vorstellung der Gründungswoche Deutschland. Das Thema hat in den vergangenen Jahren deutlich an Relevanz gewonnen: Allein im Jahr 2025 richteten die Partnerorganisationen mehr als 400 Veranstaltungen speziell für Nachfolgeinteressierte aus.

Aktuelle Erkenntnisse aus der Nachfolgeforschung

Dr. Nadine Schlömer-Laufen vom Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn stellte aktuelle Forschungsergebnisse zur Unternehmensnachfolge vor und verdeutlichte damit die Dimension der Herausforderung: Für den Zeitraum 2026 bis 2030 rechnet das IfM mit rund 186.000 Unternehmensübertragungen in Deutschland. Gleichzeitig wirkt sich der demografische Wandel zunehmend auf beide Seiten des Nachfolgemarktes aus: Während die Zahl der übergabebereiten Unternehmerinnen und Unternehmer steigt, wird die Gruppe potenzieller Nachfolgerinnen und Nachfolger kleiner.

Zudem zeigen die Forschungsergebnisse, dass familieninterne Nachfolgen langfristig an Bedeutung verlieren, während externe Übernahmen zunehmen. Umso wichtiger werden die wirtschaftliche Attraktivität der Unternehmen sowie frühzeitige Unterstützung und Vernetzung im Nachfolgeprozess.

Praxisbeispiele: Unterstützung, Vernetzung und neue Zielgruppen

In fünf kompakten Blitzlichtern wurde deutlich, wie vielfältig die Unterstützungsangebote rund um die Unternehmensnachfolge inzwischen sind.

  1. Mit der Unternehmenswerkstatt Deutschland (UWD) stellte Jan Schlüter digitale Werkzeuge für Übergabe- und Übernahmeprozesse vor. Über die Plattform erhalten Nachfolgeinteressierte kostenfreien Zugang zu Planungstools und werden zugleich durch Expertinnen und Experten der regionalen IHKs begleitet.
  2. Am Beispiel Hessens zeigte Sascha Gutzeit vom RKW Hessen, wie Beratungs- und Coachingförderungen Nachfolgeprozesse unterstützen können – von der Vorbereitung einer Übergabe bis zur Begleitung nach einer erfolgreichen Übernahme.
  3. Wie neue Zielgruppen für die Unternehmensnachfolge gewonnen werden können, verdeutlichte Lisa Barth vom ThEx mit dem Thüringer Projekt „Frau-Handwerk-Nachfolge“. Im Mittelpunkt stehen Frauen im Handwerk, die durch Vorbilder, Vernetzung und gezielte Unterstützungsangebote für die Übernahme von Betrieben begeistert werden sollen.
  4. Katrin Mühlhaus (KfW) stellte die Pläne vor, die Gründerplattform und die Nachfolgebörse nexxt-change künftig noch stärker miteinander zu verknüpfen. Ziel ist es, Gründungs- und Nachfolgeinteressierte einfacher zusammenzuführen und digitale Angebote besser zu verzahnen.
  5. Abschließend stellte Stephanie Kage (BMWE) den Aktionsplan „Mehr Unternehmerinnen für den Mittelstand“ vor. Im Fokus stehen die stärkere Sichtbarkeit von Unternehmerinnen, bessere Rahmenbedingungen für Frauen in der Selbstständigkeit sowie die gezielte Förderung von Nachfolgegründungen, insbesondere im Handwerk und in ländlichen Regionen.

Netzwerk als Schlüssel für erfolgreiche Nachfolge

Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion mit fünf Expertinnen: Ute Regina Voss (Verband der Unternehmerinnen in Deutschland), Friederike Boltersdorf (Brohl Wellpappe GmbH & Co. KG), Tanja Hengst (Hengst Technik GmbH), Jennifer Kantor (Workcraft) und Marie Weidmann-Kühn (Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz).

Ein zentrales Signal der Runde: Mehr Frauen für Unternehmensnachfolgen zu gewinnen, bleibt eine wichtige Zukunftsaufgabe. Zugleich zeigte die Diskussion die Vielfalt der Nachfolgewege – von der familieninternen Übergabe bis zur externen Unternehmensübernahme. Deutlich wurde außerdem, dass Nachfolge eine attraktive Alternative zur Neugründung sein kann.

Einigkeit bestand darüber, dass Netzwerke eine entscheidende Rolle spielen. Sie schaffen Orientierung, ermöglichen den Austausch von Erfahrungen und helfen dabei, geeignete Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für Nachfolgeprozesse zu finden. Gleichzeitig wurde betont, dass Qualität wichtiger ist als die Anzahl der Kontakte: Erfolgreiche Netzwerke leben von Vertrauen, gegenseitiger Unterstützung und persönlichem Austausch.

Diskutiert wurde außerdem die Rolle digitaler Netzwerke und sozialer Medien. Diese können Sichtbarkeit schaffen, Vorbilder erlebbar machen und insbesondere jüngeren Menschen den Zugang zum Thema Unternehmertum erleichtern. Gleichzeitig waren sich die Podiumsteilnehmerinnen einig, dass persönliche Begegnungen und vertrauensvolle Beziehungen auch künftig die Grundlage erfolgreicher Nachfolgeprozesse bleiben.

Kernaussage des Panels: Unternehmensnachfolge gelingt nicht allein durch Informationen und Förderangebote. Entscheidend sind starke Netzwerke, sichtbare Vorbilder und der Mut sowie das Engagement, neue Zielgruppen – insbesondere Frauen – für unternehmerische Verantwortung zu gewinnen.

Wir bedanken uns bei allen Impulsgeberinnen und Impulsgebern für die spannenden Beiträge und bei allen Teilnehmenden für ihr großes Interesse! Die Veranstaltung hat einmal mehr gezeigt: Erfolgreiche Unternehmensnachfolge lebt von guten Impulsen, starken Netzwerken und dem gemeinsamen Austausch.

Bildquellen und Copyright-Hinweise
  • © DrPixel / Getty Images – RS3764_GettyImages-1625217776-scr.jpg

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