So engagiert sich die Energiebranche für Startups

Andreas Kühl

Andreas Kühl

Veröffentlicht: 25.05.2016

Projekt: Energiegründer

Zusammenfassung: Die Energiewirtschaft ist in Bewegung gekommen. Durch Energiewende und Digitalisierung wird nichts mehr so sein wie es mal war. Die großen Energieversorger suchen die Geschäftsmodelle der Zukunft zunehmend durch Zusammenarbeit mit Startups.

Die Unterstützung der Gründer im Energiesektor sieht sehr unterschiedlich aus, sie geht von Partnerschaften oder Sponsoring einzelner Veranstaltungen bis zur Beteiligung an einzelnen Startups. Es gibt aber auch eigene Innovations-und Accelerator-Programme von den Energieversorgern. So können sie frühzeitig Trends erkennen, sich zu einem frühen Zeitpunkt an Startups beteiligen, das Wachstum unterstützen oder die Idee im eigenen Haus weiter entwickeln.

Starkes Sponsoring der Netzwerk-Veranstaltung Ecosummit

Eine Veranstaltung wie der Ecosummit ist beispielsweise hervorragend geeignet um erste Kontakte zu Startups aufzubauen. Diese Konferenz hat sich in den letzten fünf Jahren zur führenden Veranstaltung für Startups aus dem Cleantech-Sektor entwickelt und bietet die Möglichkeit Kontakte zu Investoren und Unternehmen zu knüpfen. Seit 2010 gab es bereits zehn dieser Veranstaltungen, die hauptsächlich in Berlin und in London stattgefunden haben. Startups, Investoren und Unternehmen haben dort die Möglichkeit sich vorzustellen und in den Pausen untereinander auszutauschen. 

Für Energieversorger ist dieses Event mittlerweile so wichtig geworden, dass sie nicht nur Teilnehmer der Veranstaltung stellen. Sie stellen inzwischen die wichtigste Gruppe der Sponsoren. Beim Ecosummit 2016 Ende April in Berlin war RWE der Platinum Sponsor, Vattenfall und EWE Gold-Sponsoren und EON einer der Silver-Sponsoren. Hinzu kamen noch Statkraft, das Netzwerk ENERA, Siemens und Veolia aus dem Umfeld der Energiewirtschaft. Das zeigt welche große Bedeutung die Energie-Startups im Cleantech-Bereich heute haben.

Startups der Digitalisierung auf der CEBIT

Bei der Computermesse CEBIT werden seit einigen Jahren immer mehr Veranstaltungen für Startups angeboten. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung der Energiewirtschaft ist die Computermesse ein passendes Umfeld für die Suche nach innovativen Geschäftsmodellen. Hier engagiert sich besonders RWE, in 2015 als Gastgeber des Branchentags Energie und in diesem Jahr mit dem RWE Innovation Hub. Dieser beschäftigte sich mit aktuellen Energiethemen und mit der Digitalisierung, um Geschäftsmodelle für die Zukunft von RWE zu finden.

Acceleratoren und Ideenschmieden der Energiebranche

Die Energieversorger engagieren sich nicht nur bei einzelnen Veranstaltungen. Dort können sie die Startups kennen lernen und Kontakte aufbauen. Die langfristigere Förderung erfolgt über Accelerator-Programmen und Innovationszentren. Da gibt es mittlerweile einige Angebote für Unternehmensgründer, einige davon auch speziell für die Energiebranche. Bei mehreren dieser Förder- und Innovationszentren sind auch Energieversorger beteiligt. Sie sind nicht nur Geldgeber, sondern auch als Berater beteiligt an den Programmen.

In Baden-Württemberg ist EnBW an der Ideenschmiede ACTIVATR beteiligt, das die lokale Gründerszene stärken soll. EnBW ist aber auch strategischer Partner des Startupbootcamp Accelerator-Programms „Smart Transportation & Energy“ in Berlin. Ähnlich sieht es aus bei RWE mit der Beteiligung am Startupcamp Ruhr und dem German Tech Entrepreneurship Center GTEC in Berlin.

Bei E.ON setzt man dagegen gleich auf einen eigenen Accelerator. Der :agile Accelerator unterstützt Gründer in unterschiedlichen Phasen, von der Ideenfindung über die konkrete Entwicklung der Geschäftsidee bis hin zum Markteintritt. Nach zwei Jahren befinden sich aktuell 22 Startups in der Accelerator-Phase, 14 Startups in der Pilotphase und 7 in der Wachstums-Phase. Entscheidungsträger von E.ON werden beispielsweise im Demo Day einbezogen, dort wird entschieden welche Projekte weiter verfolgt werden und welche nicht. In der anschließenden Inkubator-Phase sind die entsprechenden Geschäftsbereiche von E.ON ebenfalls beteiligt.

Ein weiteres Beispiel sind Accelerator-Programme von Stadtwerken, wie das kraftwerk in Bremen und die Gründerwerkstadt in Gießen. Mit unterschiedlichen Ansätzen geben sie Startups Raum und Unterstützung für ihre Arbeit. In Bremen versucht man dabei auch von der Arbeitsweise der Startups einiges zu lernen.

Wachsende Zahl von Beteiligungen an Startups

Im nächsten Schritt kommen dann die Beteiligungen oder Übernahmen von Startups und jungen Firmen. Auch hier sind  die Energieversorger recht aktiv und machen gelegentlich von sich reden. Im letzten Jahr hatte EWE 90 Prozent der Anteile an Grünspar übernommen, dem Online-Händler für Energiesparprodukte, für einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Wenige Wochen vorher hatte EnBW mit der neuen Tochter EnBW New Ventures GmbH 15 Prozent der Anteile an dem Hamburger Solarunternehmen DZ-4 erworben. Ein Jahr vorher hatte E.ON für mehrere Millionen Euro 20 Prozent der Anteile von thermondo übernommen als erste Investition in ein deutsches Digital-Startup.

Die Energiewirtschaft ist in Bewegung und auf der Suche nach den Geschäftsideen für Morgen. Das wachsende Engagement der Energieversorger bietet ein ideales Umfeld für Gründungswillige und Gründer.    

Andreas Kühl, Energieblogger von energynet.de(© Andreas Kühl - Privat/Non-kommerziell)