Die Daten des Global Entrepreneurship Monitors 2024 für Deutschland zeigen, dass hierzulande weniger junge Frauen ein Unternehmen gründen oder zu gründen planen als Männer. Der Anteil der Personen in der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren beträgt bei den TEA-Gründern 19,8 %, bei den TEA-Gründerinnen sind es dagegen nur 9,5 %. Gleichzeitig verfügen TEA-Gründerinnen häufiger über einen Hochschulabschluss (51,9 %) als TEA-Gründer (40,9 %).

Im Projekt „Frauen für das Thema Gründung gewinnen und (potenzielle) Gründerinnen zielgerichtet ansprechen“ haben Dr. Natalia Gorynia-Pfeffer und Armin Baharian einen Online-Workshop mit Gründungsexpertinnen und Gründungsexperten aus Hochschulen INSPIRE BW Hubs durchgeführt, um diesbezüglich Ideen und Ansätze zu entwickeln. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Transferagentur „hei_INNOVATION“ an der Universität Heidelberg statt. Grundlage des Workshops waren der RKW-Leitfaden zur Ansprache von Frauen zum Thema Gründung sowie das RKW Themenheft Female Entrepreneurship.

Ideen, um Studentinnen an Hochschulen mit dem Karriereweg der Gründung in Kontakt zu bringen

Im Workshop wurden anschließend an eine Präsentation der Inhalte beider Publikationen von den teilnehmenden Vertreterinnen und Vertretern aus Hochschulen des „Expert Circle - Gründungsberatung“ der INSPIRE BW Hubs Ideen entwickelt und Erfahrungen ausgetauscht, wie noch mehr Studentinnen mit dem Karriereweg der Gründung in Kontakt kommen können.

Im Laufe des Workshops wurden mehrere zentrale Themenfelder identifiziert, die für die Förderung von Gründungskompetenzen – insbesondere bei Studentinnen – von hoher Relevanz sind. Diese Ansatzpunkte bieten Hochschulen, Förderinstitutionen und angehenden Gründerinnen wertvolle Orientierung.

Ein zentrales Thema ist die Führungskompetenz. Viele angehende Gründerinnen und Gründer stehen früh vor der Herausforderung, Teams aufzubauen und Mitarbeitende zu führen. Daher stellt sich häufig die Frage, wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motiviert, begleitet und zielorientiert geführt werden können. Die Entwicklung von Leadership-Kompetenzen sollte deshalb frühzeitig Bestandteil von Gründungsförderung sein.

Ebenso relevant ist die Finanzierung von Gründungsvorhaben. Vielen Studierenden fehlt zunächst ein Überblick über mögliche Finanzierungswege. Neben klassischen Bankkrediten spielen Förderdarlehen, Stipendien, Business Angels, Venture Capital oder öffentliche Fördermittel eine wichtige Rolle. Eine systematische Vermittlung von Wissen über unterschiedliche Formen der Gründungsfinanzierung kann dazu beitragen, Unsicherheiten abzubauen und den Zugang zu Kapital zu erleichtern.

Ein weiterer entscheidender Erfolgsfaktor ist die Erstellung eines Businessplans und Finanzplans. Gerade in frühen Gründungsphasen stellt sich die Frage, wie eine Geschäftsidee überzeugend strukturiert und für Banken oder Investorinnen und Investoren nachvollziehbar dargestellt werden kann. Ein professionell ausgearbeiteter Businessplan hilft dabei, Marktpotenziale, Zielgruppen, Geschäftsmodelle und Finanzierungsbedarfe transparent zu machen und erhöht zugleich die Erfolgsaussichten bei Finanzierungsgesprächen.

Darüber hinaus besteht ein hoher Informationsbedarf hinsichtlich passender Förderprogramme. Viele potenzielle Gründerinnen wissen nicht, welche Programme auf regionaler, nationaler oder europäischer Ebene existieren und welche Angebote zu ihrem Vorhaben passen. Hochschulen und Gründungszentren können hier eine wichtige Lotsenfunktion übernehmen, indem sie Orientierung schaffen und den Zugang zu Fördermöglichkeiten erleichtern.

Besondere Aufmerksamkeit verdient das Förderprogramm EXIST-Women, das gründungsinteressierte Frauen bereits in frühen Phasen der Unternehmensentwicklung durch Qualifizierungsprogramme, Mentoring sowie Netzwerkangebote unterstützt. Das Programm erweist sich u. a. insbesondere darin als wirkungsvoll, Studentinnen aus Fachrichtungen für das Thema Gründung zu gewinnen, in denen bislang nur geringe Nachfrage nach unternehmerischen Formaten  bestand. Damit schließt das Programm eine Marktlücke. Der niedrigschwellige Zugang ermöglicht es Studentinnen, erste Berührungspunkte mit dem Thema Unternehmertum zu entwickeln, ohne bereits über eine vollständig ausgearbeitete Geschäftsidee oder ein bestehendes Gründungsteam verfügen zu müssen. Die hohe Nachfrage und die schnelle Vergabe der Plätze verdeutlichen die Relevanz des Angebots. Aus Perspektive der Hochschulen erscheint ein weiterer Ausbau des Programms – insbesondere eine Erhöhung der verfügbaren Plätze – sinnvoll.

Auch das Thema Marketing wurde als zentral identifiziert. Für Gründerinnen und Gründer ist es entscheidend zu verstehen, wie potenzielle Kundinnen und Kunden erreicht werden können und welche Zielgruppen für eine Geschäftsidee besonders geeignet sind. Neben klassischen Marketinginstrumenten gewinnen digitale Kanäle und datenbasierte Zielgruppenanalysen zunehmend an Bedeutung.

Ein wirkungsvoller Hebel zur Förderung unternehmerischer Kompetenzen liegt zudem in der Integration von Gründungsthemen in Lehrveranstaltungen. Lehrangebote, die Entrepreneurship-Inhalte in bestehende Studiengänge einbinden, ermöglichen es, eine große Zahl von Studentinnen und Studenten frühzeitig mit dem Thema in Kontakt zu bringen. Dadurch kann Gründung als realistische Karriereoption sichtbarer gemacht und Hemmschwellen reduziert werden.

Schließlich wurde die Bedeutung von Orten als Inspirationsquelle für Innovation hervorgehoben. Innovative Geschäftsideen entstehen häufig im persönlichen Austausch und im gemeinsamen Denken. Teambuilding-Maßnahmen und direkte Interaktionen können wichtige erste Schritte im Innovationsprozess sein. Ideen entwickeln sich am Besten im Dialog von Angesicht zu Angesicht. Gleichzeitig kann ein Perspektivwechsel hilfreich sein: Kreative Prozesse profitieren davon, den gewohnten Hochschulkontext zeitweise zu verlassen. Inspirierende Orte wie Tagungsräume in Sportstadien, Museen oder andere außergewöhnliche Umgebungen können neue Denkimpulse anstoßen und die Entwicklung innovativer Gründungsideen unterstützen.

Bildquellen und Copyright-Hinweise
  • © jacoblund / Getty Images – Frauen diskutieren (3294_frauen-diskutieren.jpg)