Die Ergebnisse des Women Entrepreneurship Monitors aus 2024/25 waren, dass Frauen auf dem Land seltener Unternehmen gründen als in Städten. So entschieden sich 4,3 Prozent der befragten Frauen in ländlichen Räumen dafür, ein eigenes Unternehmen zu gründen. In Städten waren es 5,4 Prozent. Die Studie wurde vom RKW Kompetenzzentrum in Kooperation mit dem Johann Heinrich von Thünen-Institut für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen erstellt. Diese Daten basieren auf dem Länderbericht Deutschland des Global Entrepreneurship Monitors (GEM).

Laut GEM war die Gründungsquote in Deutschlands städtischen Regionen bei Frauen (5,4 Prozent) und Männern (9,5 Prozent) erwartungsgemäß höher als in ländlichen Regionen (Frauen 4,3 Prozent, Männer 6,5 Prozent) – dies zeigt die Analyse der GEM-Bevölkerungsbefragungen der Jahre 2015 bis 2024. Vergleicht man für beide Geschlechter die Gründungsquoten in ländlichen und urbanen Regionen, wird deutlich, dass in diesem Zeitraum der Wert bei Frauen in ländlichen Regionen im Vergleich zu städtischen Regionen rund 20 Prozent niedriger war, während die Differenz bei Männern über 30 Prozent betrug. Bei Frauen war der Wohnort somit weniger ausschlaggebend für eine Gründungsplanung als bei Männern.

Im GEM werden Personen zwischen 18 und 64 Jahren erfasst, die in den letzten dreieinhalb Jahren vor dem Befragungszeitpunkt ein Unternehmen gegründet haben oder in den vergangenen zwölf Monaten dabei waren, die Gründung eines Unternehmens vorzubereiten.

Warum Frauen in ländlichen Regionen seltener gründen

Die Rahmenbedingungen für Gründungen sind in ländlichen Regionen oft komplexer als in der Stadt. Vor allem stellen ländliche Räume teilweise schwierigere Bedingungen für die Erwerbsbeteiligung von Frauen allgemein und für Gründungen im Besonderen dar. Industriegeprägte, exportorientierte und wirtschaftlich starke ländliche Räume in Westdeutschland weisen hohe Anteile an ausschließlich geringfügig beschäftigen Frauen sowie überdurchschnittlich hohe Gender Pay Gaps aus. Dies liegt daran, dass die Wirtschaftsstruktur durch Branchen mit niedrigem Frauenanteil geprägt ist, beispielsweise im Fahrzeug- und Maschinenbau oder im Chemiesektor. Zudem können eingeschränkte Krippen-, Kindergarten- und Pflegeheimplätze auch eine bedeutende Hürde für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Gründerinnen sein. Trotz struktureller Herausforderungen bieten ländliche Räume aufgrund der niedrigeren Konkurrenz und geringerer „Einstiegskosten“, wie beispielsweise Mieten und Löhne, auch Chancen für Gründerinnen.

Darüber hinaus kann die unternehmerische Selbstständigkeit in regionalen Arbeitsmärkten, deren einseitige Branchenstruktur nur wenig attraktive Arbeitsplätze bietet, eine Erwerbsalternative sein.

Finanzielle Motive im Vordergrund – besonders in Städten

Laut Women Entrepreneurship Monitor 2024/25waren für alle befragten Frauen Wohlstand und hohes Einkommen die wichtigsten Gründungsmotive. Für Gründerinnen in Städten waren diese Motive jedoch noch häufiger „sehr wichtig“ (51 Prozent), als in ländlichen Regionen (38 Prozent). Auch beim Gründungsmotiv „Fortführung einer Familientradition“ lagen Frauen in städtischen Regionen (44 Prozent) vor den Gründerinnen auf dem Land (30 Prozent).

Hoher Bildungsstand begünstigt Gründungen

Gründerinnen und Gründer sind sowohl in städtischen als auch in ländlichen Regionen deutlich höher qualifiziert als die Gesamtbevölkerung des jeweiligen Regionstyps. Während beispielsweise in ländlichen Regionen nur ca. 12 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen Hochschulabschluss hatten, lag dieser Anteil bei Gründerinnen bei 25 Prozent und bei Gründern bei 32 Prozent. 

In Städten war der Akademiker-Anteil noch höher – von den Gründerinnen hatten 43 Prozent, von den Gründern 44 Prozent einen Hochschulabschluss. Auch hier war die Quote deutlich höher als im Durchschnitt der urbanen Bevölkerung (in Westdeutschland: 25 Prozent, Ostdeutschland: 21 Prozent).

Die Daten aus dem Women Entrepreneurship Monitor verdeutlichen: Bildung ist ein wesentlicher Treiber für den Schritt in die Selbstständigkeit, wobei die Unterschiede zwischen Stadt und Land stärker ausfallen als die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Zudem spielt der regionale Kontext eine bedeutende Rolle, auch wenn der Wohnort der Frauen in Bezug auf Stadt/Land weniger ausschlaggebend für eine Gründungsplanung war als bei Männern.

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