Erste RKW „Energy Experts Experience“ bot erfolgreich Raum für Dialog mit Energiegründern

Veröffentlicht: 12.10.2015

Projekt: Energiegründer

Zusammenfassung: Wir wollten herausfinden, wie Energiegründer und etablierte Energieversorger Chancen und Risiken der Energiewende einschätzen. Um einen Austausch anzustoßen, hatten wir Vertreter aus Startups und Unternehmen nach Berlin eingeladen.

Beim ersten RKW-Forum „Energy Experts Experience“ am letzten Donnerstag (8. Oktober 2015) wollten wir unseren Energiegründern die Gelegenheit bieten, sich mit anderen Vertretern der Energiewirtschaft auszutauschen, ohne dabei auf Formate wie Pitches zurückzugreifen, die für den Umgang mit Startups typisch sind. Statt dessen haben wir einfach drei Impulsgeber ihre Themen vorstellen lassen und dann die Teilnehmer gebeten, ihre Meinungen dazu zur Diskussion zu stellen.

Der Teilnehmer-Mix war dafür genau richtig: Wir hatten alle Teilnehmer gebeten, sich selbst mit einem roten Punkt in unserem Gründer-Ökosystem-Modell zu verorten und mit einem blauen Punkt ihre Interessen zu markieren. Wie man sieht, waren überwiegend Gründer und Vertreter von Unternehmen dabei - letztere sahen sich aber in mehreren Fällen durchaus als "gründeraffin", weil sie selbst gegründet haben oder für ihr Unternehmen den "Startup-Geist" wachhalten wollen.

Erster Impulsgeber war Prof. Dr. Wolfgang Rams, Provadis Hochschule Frankfurt und Leiter des Climate-KIC Hessen Accelerator Programms, der unter der Überschrift „Startup meets Corporate – Chancen für die Zusammenarbeit?“ von seiner Erfahrung als Gründer in der Telekomunikations-Branche erzählte. In der Diskussion ergaben sich interessante Parallelen mit der Energiewirtschaft: Große Konzerne, deren Monopol in einer stark durchregulierten Branche durch eine politisch gewollte Liberalisierung aufgebrochen wurde, sahen sich plötzlich in Konkurenz mit kleinen hochinnovativen Gründern. Viele Gründungen im Bereich Telekommunikation sind damals gescheitert, weil die Telekommunikationsriesen sie "vor die Wand fahren ließen". Die Energiegründer waren aber optimistisch, dass sie mit der Energiewirtschaft besser ins Geschäft kommen werden - schließlich ist allen Beteiligten bewusst, dass dem Energiesystem große Veränderungen bevorstehen, wenn nukleare und fossile Kraftwerke durch variable erneuerbare Energien wie Wind und Sonne ersetzt werden.

Der zweite Impulsgeber Sascha Samadi vom Wuppertal Institut, Co-Autor der Studie „Wege zu einer weitgehenden Dekarbonisierung Deutschlands“ beschrieb unter der Überschrift „Raus aus der Kohle – nur wie...“ mögliche Wege zur Dekarbonisierung des Energiesystems. In der Diskussion wurde dabei klar, dass die Energiewirtschaft nicht nur aus den großen Vier besteht und dass sich kleine Energieversorger auch den Unwägbarkeiten politischer Entscheidungen ausgesetzt sehen - ganz ähnlich wie die Energiegründer, deren Geschäftsmodelle u.U. mit politischen Entscheidungen stehen oder fallen. So waren sich alle Anwesenden einig, dass die Planung für die Dekarbonisierung möglichst bald konkretisiert werden sollte und dass ideologische Grabenkämpfe weder Startups noch etablierte Player der Energiewirtschaft voran bringen. Wenig kontrovers war z.B. der Vorschlag, Kohlekraftwerkbetreibern einfach einmalig Geld für die Stilllegung von Kraftwerken zu zahlen, da dieser Weg höchstwahrscheinlich mit relativ geringen Kosten für die Verbraucher verbunden wäre. Einigkeit herrschte auch darüber, dass die notwendige Technik im Prinzip verfügbar ist.

Hier hakte unser dritter Impulsgeber ein: Dr. Holger Krawinkel, Leiter Customer Experience der MVV Energie AG begann seinen Impulsvortrag „Disruptive Entwicklungen – Antworten der Energiewirtschaft“ mit Beispielen technologischer Innovationen, die von etablierten Marktführern nicht aufgenommen wurden und letztendlich zu deren Abstieg führten (Beispiel: Die Digitalfotographie und Kodak). Für die Energiewirtschaft sah er den Wandel von einer Investitionsgüter- hin zu einer Konsumgüterindustrie als wichtigsten Trend. Strom selbst zu erzeugen, wird in Zukunft so billig werden, dass immer mehr Verbraucher ihren Energieversorger nicht mehr zur Grundversorgung nutzen, sondern z.B. Stromversicherungen abschließen wollen. Große Investitionen in grundlastfähige Kraftwerke werden sich damit vielerorts nicht mehr lohnen. Die meisten Teilnehmer fanden diese Beschreibung zumindest für das Segment privater Verbraucher treffend, und insbesondere die anwesenden Energiegründer sahen sich für diese Entwicklung gut aufgestellt, da sie es als zentrale Aufgabe ansehen, die Wünsche ihrer Kunden zu verstehen und ihre Geschäftsmodelle entsprechend anzupassen.

Die Ergebnisse der Workshops werden wir in einem Diskussionspapier bündeln und dafür auch noch einmal das Feedback unserer Teilnehmer einholen.