Wer sind die Gründerinnen und Gründer in Deutschland? Wie unterscheiden sich weibliche und männliche Gründungspersonen in Merkmalen wie dem Alter, ihren Bildungsabschlüssen und der Frage, ob sie aus einer unternehmerisch aktiven Familie stammen? Und wie kann die nächste Generation durch Lehrformate an Hochschulen mit der Möglichkeit des Karrierewegs der Selbständigkeit in Kontakt kommen und wirtschaftliches Denken und Handeln ausprobieren und kennenlernen? Diesen Fragen ging der dritte Online-Dialog „45 Minuten Global Entrepreneurship Monitor (GEM)“ am 19.05.2026 nach. Die Inhalte der Online-Session haben wir für Sie nachfolgend zusammengefasst. 

TEA-Gründerinnen sind im Schnitt etwas älter als TEA-Gründer

Mit dem Women Entrepreneurship Monitor 2024/25 veröffentlichte das Global Entrepreneurship Monitor (GEM)-Länderteam Deutschland im RKW Kompetenzzentrum eine vollumfassende Analyse des weiblichen und männlichen Gründungsgeschehens. Die Ergebnisse basieren auf dem GEM Datensatz 2024. Die Gründungen in Deutschland sowie im internationalen Vergleich untersucht das RKW Kompetenzzentrum jährlich in Kooperation mit dem Johann Heinrich von Thünen-Institut für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen. Dr. Natalia Gorynia-Pfeffer und Armin Baharian aus dem GEM-Team-Deutschland präsentierten im ersten Teil der Dialogveranstaltung die Ergebnisse aus der Studie zur Frage „Wer sind die Gründerinnen und Gründer in Deutschland?“.

Die TEA-Gründerinnen sind mit einem Altersdurchschnitt von 38,7 Jahren gut drei Jahre älter als die TEA-Gründer, bei denen der Durchschnitt 35,6 Jahre beträgt.

  • Ein großer Unterschied wird in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen sichtbar. Der Anteil an Personen in dieser jüngsten im GEM betrachteten Altersgruppe beträgt bei den TEA-Gründern 19,8 %, innerhalb der Gruppe der TEA-Gründerinnen ist er dagegen nur 9,5 %.
  • Ein solches Muster findet sich im internationalen GEM Vergleich auch in anderen Ländern, die eine zu Deutschland vergleichbare Volkswirtschaft aufweisen, wie etwa in Frankreich und in Kanada. Dahingegen ist es beispielsweise in Ländern wie Österreich, Italien, Südkorea und Spanien umgekehrt – hier ist bei den 18- bis 24-Jährigen bei den TEA-Gründerinnen der Anteil zwischen 4 bis 8 Prozentpunkten höher, als bei den TEA-Gründern.
  • Dies hat unterschiedliche Gründe. Ein Thema ist in diesem Zusammenhang Entrepreneurship Education, was in der Dialogveranstaltung tiefergehend diskutiert wurde.

TEA-Gründerinnen haben häufig einen Hochschulabschluss

  • Sowohl bei den TEA-Gründerinnen als auch den TEA-Gründern in Deutschland im Jahr 2024 ist ein Stu­dium (Hochschul- oder Fachhochschulabschluss) die häufigste Abschlussart. Dabei ist der Anteil der akade­mischen Abschlüsse mit 51,9 % in der Gruppe der Frauen höher als bei den Männern, bei denen er 40,9 % beträgt.
  • Auffällig ist weiter, dass auch bei Personen, die keinen Ausbildungsabschluss haben, der Anteil bei den TEA-Gründerinnen höher ist. Er ist mit 6,3 % etwas mehr als doppelt so hoch wie in der Gruppe der TEA-Gründer (3,1 %).
  • Einen weiteren Unterschied gibt es bezüglich des Handwerks. Im zulassungspflichtigen Handwerk ist die Meister­prüfung grundsätzlich Voraussetzung für die Grün­dung eines Betriebes. Die Abschlusskategorie, zu der die Meisterprüfung zählt – Abschluss einer Fachschule, Meister- oder Technikerschule, Berufs- oder Fachaka­demie – kommt bei TEA-Gründern mit 27,7 % deutlich häufiger vor als bei TEA-Gründerinnen mit 11 %.

TEA-Gründerinnen stammen häufig aus einer unternehmerischen Familie

Bei Frauen hängt der Karriereweg der Gründung überproportional stark mit einem unternehmerischen Elternhaus zusammen.

  • Grundlegend wählen in beiden Geschlechtern Personen, die aus unternehmerischen Familien stammen, überdurchschnittlich häufig den Karriereweg der Gründung. Die Definition der unternehmerischen Familie bezieht sich im GEM auf Personen, bei denen mindestens ein Elternteil selbstständig ist oder war. Bei den TEA-Gründerinnen beträgt der Wert 40,9 % und ist somit höher – bei den TEA-Gründern sind es 35,1 %. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen in der Bevölkerung in Deutschland, die keine TEA-Gründungspersonen sind, sind die diesbezüglichen Anteile deutlich geringer – bei den Frauen sind es 25,3 % und bei den Männern 26,6 %.
  • In unternehmerischen Familien findet u. a. eine Weitergabe von ökonomi­schem Wissen statt, das Ergebnis zeigt, dass u. a. eine Vermittlung von einem solchen Wissen an Hochschulen ein wichtiger Baustein hin zu mehr (weiblichen) Gründungen sein kann.

Studentinnen und Studenten für den Karriereweg der Gründung qualifizieren

Im zweiten Teil der Dialogveranstaltung gab Mara Brune vom Startup Center der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart einen Einblick, wie Studentinnen und Studenten an Hochschulen durch verschiedene Lehrformate für den Karriereweg der Gründung qualifiziert werden können, Chancen für Innovationen identifizieren lernen können und bei einer Entscheidung ein eignes Unternehmen aufbauen zu wollen, an der Hochschule im gesamten Prozess umfangreich begleitet werden können.

Das Startup Center an der HdM bietet die folgenden Lehrangebote im Rahmen des Curriculums, auf die alle Studiengänge zugreifen können:

  • INNOSTUDIO: Das Modul dient dazu, Studierenden einen Erstkontakt zum Thema Gründung zu ermöglichen. Es findet integriert in die Vorlesungen statt. Innerhalb von vier Stunden besteht die Möglichkeit, in einem interaktiven Workshop das Thema Wirtschaft selbst zu erfahren.
  • IDEA: Dieses Modul bietet als Wahlfach den Studierenden die Möglichkeit innovative Geschäftsideen zu entwickeln. Für das Modul werden ECTS vergeben.
  • Advance: In diesem Lernmodul wird über ein ganzes Semester von Studentinnen und Studenten in Gruppen/Teams aus einer Idee ein innovatives Geschäftsmodell entwickelt. Für das Modul werden ECTS vergeben. Es kommen Methoden wie Prototyping und Interviews mit (potentiellen) Nutzerinnen und Nutzern zum Einsatz, die dazu dienen, genau die Bedürfnisse unterschiedlicher Zielgruppen kennenzulernen und in die Businesspläne einfließen zu lassen. Das Modul umfasst einen Pitch und eine Bewertung durch eine Jury. Die Teilnehmenden Studierenden stammen aus verschiedenen Studiengängen, dadurch wird ein interdisziplinärer Austausch gefördert.
  • JUNIOR COACHES: Studentinnen und Studenten mit Gründungserfahrung begleiten die Teams des Moduls Advance. Sie agieren als Mentoren und tauschen sich wöchentlich intensiv mit den von ihnen betreuten Teams aus und unterstützen mit ihrer eigenen Erfahrung.
  • ZERTIFIKAT SKILLS FOR INNOVATION: Die Studentinnen und Studenten haben die Möglichkeit verschiedene Lehrveranstaltungen aus dem Themengebiet Gründung und Innovation zu belegen. Wird der entsprechend nötige Umfang von den Studentinnen und Studenten erreicht, haben sie die Möglichkeit ein Zertifikat mit 15 ECTS im Bereich Gründung/Innovation zu erhalten.

Ein sehr interessanter Aspekt ist, dass an der HdM die Studentinnen und Studenten in allen Studiengängen durch das Startup Center integriert in das Curriculum sich Wissen im Bereich Gründung und Innovation aneignen können.

Neben den Formaten für die Lehre bestehen an der HdM, neben anderen Angeboten wie z. B. dem Förderprogramm EXIST oder der NXTGN Startup Factory, auch Events, die das Thema Gründung für die Studentinnen und Studenten greifbar machen.

  • Hierzu zählt auch der International Entrepreneurship Education Summit (IEES) an der Hochschule der Medien Stuttgart. Dieser bringt Lehrende, Forschende und Innovationsverantwortliche aus aller Welt zusammen – alle vereint durch eine Frage: Wie gestalten wir die Entrepreneurship Education von morgen? Das Event findet in 2026 am 27. November an der HdM statt. Aktuell besteht die Möglichkeit, eigene Beiträge für den IEES einzureichen. Die Teilnahme ist kostenlos. Informationen zur Veranstaltung sowie zur Einreichung von Beiträgen finden sich online unter: https://join-nxtgn.com/iees/ (Link führt auf externe Webseite der HdM).

 

Infobox: Begriffsdefinitionen des Women Entrepreneurship Monitors 2024/25

TEA-Gründerinnen und TEA-Gründer sind Personen zwischen 18 und 64 Jahren, die in den letzten dreieinhalb Jahren vor der Befragung ein Unternehmen gegründet haben oder in den vergangenen zwölf Monaten dabei waren, die Gründung eines Unternehmens vorzubereiten.

Bildquellen und Copyright-Hinweise
  • © Nikada / iStock.com – Zahlen abstakt (1131_zahlen_abstakt.jpg)

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