In Deutschland besteht ein Gendergap bei den Gründungen, dieser liegt auch bei jungen Menschen vor. Der Woman Entrepreneurship Monitor, der auf den Daten des Global Entrepreneurship Monitors Deutschland basiert, zeigt, dass in Deutschland in 2024 der Anteil der 18 bis 24-Jährigen bei den TEA-Gründern 19,8 % beträgt, bei den TEA-Gründerinnen sind es 9,5 %. Die Gründungsquote der Frauen (betrachtet für alle im GEM erfassten Personen im Alter von 18-64 Jahre) beträgt 2024 in Deutschland 8,5 %, bei den Männern sind es 11,0 %.
Im Projekt „Frauen für das Thema Gründung gewinnen und (potenzielle) Gründerinnen zielgerichtet ansprechen“ haben Dr. Natalia Gorynia-Pfeffer und Armin Baharian einen Online-Workshop mit Expertinnen und Experten für das Thema Gründung aus Gründungszentren an Hochschulen durchgeführt. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Startup Incubator Berlin (das Gründungszentrum der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin) statt. Basis für den Workshop waren der RKW-Leitfaden zur Ansprache von Frauen zum Thema Gründung und das RKW Themenheft Female Entrepreneurship.
Ideen, um (mehr) Studentinnen auf den Karriereweg der Gründung und die Angebote der Gründungszentren an Hochschulen aufmerksam zu machen
Im Workshop, an dem fast 30 Gründungszentren von Hochschulen beteiligt waren, wurden eingangs die Schlüsselergebnisse der RKW-Publikationen präsentiert. Anschließend wurden von den Expertinnen und Experten darauf basierend weitere Ideen entwickelt, wie noch mehr Studentinnen auf die Angebote der Gründungszentren sowie auf den Karriereweg der Gründung aufmerksam gemacht werden können. Die Ergebnisse werden nachfolgend vorgestellt.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig, dass für Frauen das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wichtiger Schlüssel ist, der eine Gründung ermöglichen oder verhindern kann. Die Care-Arbeit wird in Deutschland überwiegend von Frauen geleistet. Gründungszentren an Hochschulen können bezüglich der Kinderbetreuung Angebote und Möglichkeiten schaffen. Angebote wie die Möglichkeit das Kind in Betreuungsnotfällen in den Coworkingspace des Hochschulgründungszentrums mitnehmen zu können, helfen Studentinnen dabei, ihre Gründungsideen umsetzen zu können. Die Teilnehmenden diskutierten auch den Punkt, dass es bei öffentlichen Förderprogrammen oder Stipendienprogrammen wichtig ist, dass eine Schwangerschaft und ggf. Elternzeit in den zeitlichen Ablauf der Programmteilnahme integriert werden kann.
Im Vergleich zu Männern gründen Frauen meist erst in einem späteren Lebensabschnitt. Daher sind alle Maßnahmen hilfreich, die Frauen bereits in jungen Jahren mit dem Karriereweg der Gründung in Kontakt bringen. Das EXIST-Women Förderprogramm bietet hier einen wichtigen Beitrag, Studentinnen haben in dem Programm die Möglichkeit, auch ohne eine konkrete Gründungsidee teilzunehmen und sich mit dem Thema Gründung vertraut zu machen. Niedrigschwellige Angebote zum Thema Gründung sind ein guter Türöffner, der Studentinnen anspricht. Hierzu zählen bei den Formaten leicht zugängliche Events mit Netzwerkcharakter, beispielsweise berichteten Hochschulen davon, dass bei Ihnen das Format des Gründerinnenfrühstücks, das morgens vor den Vorlesungen stattfindet, bei Studentinnen hohen Anklang findet.
Auch Mentoring und der direkte Austausch mit externen Gründerinnen oder Studentinnen, die auf ihrem Gründungsweg schon weiter sind, ist ein Erfolgsfaktor und wird in der Erfahrung der teilnehmenden Expertinnen und Experten von Gründungszentren an Hochschulen von Studentinnen sehr stark nachgefragt. Neben Aspekten, die die Gründung selbst thematisieren, können die Studentinnen hier unter anderem auch direkt Erfahrungswissen darüber einholen, wie eine Gründung und gleichzeitige Mutterschaft erfolgreich miteinander kombiniert werden kann. Insbesondere am Anfang eines Gründungsprojekts ist Mentoring durch Studentinnen auf dem Gründungsweg oder Unternehmerinnen für Studentinnen gewinnbringend und bestärkt und trägt mit dazu bei, dass sie den Gründungswunsch weiterverfolgen. Darüber hinaus bieten auch gescheiterte Gründungsvorhaben ein wichtiges Erfahrungsfeld, in dem Kompetenzen erlernt wurden. In der Erfahrung der Hochschulen fällt es Studentinnen schwerer als Studenten, über Misserfolge bei ihrem Gründungsvorhaben zu sprechen. Hier ist ein Ansatz, zu signalisieren, dass ein Misserfolg kein Hindernis darstellt, und die Lerneffekte ein wichtiger Grundstein für eine erfolgreiche Karriere bilden können.
Ein wichtiger Punkt ist es an den Hochschulen im Thema Gründung Frauen eine Sichtbarkeit zu geben. Dies betrifft sowohl die Auswahl von Speakern, die bei Gründungsevents auf der Bühne zu sehen sind sowie die Personen, die sich mit ihren Gründungen und Gründungsideen präsentieren. Weibliche Rollenvorbilder spielen für Studentinnen eine wichtige Rolle. In der Erfahrung der Hochschulen ist es sehr unterstützend für Studentinnen, Angebote zu bieten, in denen sie Moderations- und Präsentationstechniken erlernen können. Dies hilft ihnen, Selbstsicherheit aufzubauen und bei großen Events gerne und routiniert(er) auf der Bühne zu agieren. Neben Veranstaltungen spielt auch der digitale Raum eine wichtige Rolle, um Gründerinnen an der Hochschule ins Rampenlicht zu stellen.
Weiter ist es gewinnbringend, wenn alle Fachbereiche an der Hochschule das Gründungszentrum der Hochschule mitdenken und Studentinnen mit Gründungs- und Wirtschaftsinteresse auf das Gründungszentrum aufmerksam machen, damit ein Kontakt hergestellt werden kann. Vorteilhaft ist es auch, die Studentinnen schon im ersten Semester auf die Möglichkeiten der Gründungsunterstützung an der Hochschule aufmerksam zu machen.
Darüber hinaus spielen Netzwerke eine wichtige Rolle. So berichtete eine Hochschule von einem positiven Effekt eines Netzwerks, in dem Studentinnen untereinander zum Thema Gründung in Kontakt gebracht werden, das im Rahmen eines Stipendienprogramms stattfindet. Die Abwesenheit von Studenten führt zu einer anderen Dynamik. Die Studentinnen bestärkten sich stark gegenseitig und gingen miteinander in einen intensiven Austausch, bei dem sie gegenseitig viel voneinander lernen. In gleichgeschlechtlichen Netzwerken fällt es Studentinnen auch leichter, sich untereinander über erste Gedanken zu ihrer Gründung auszutauschen.
Bei den Themen haben die Hochschulen ein hohes Interesse von Studentinnen im Feld Recht, Steuern und Finanzierung bezogen auf Gründungen festgestellt. Hier besteht auch die Möglichkeit für die Gründungszentren an Hochschulen, gewinnbringende Kooperationen einzugehen, wie z. B. mit der lokalen Wirtschaftsförderung, und eine Vernetzung mit dem regionalen Gründungsökosystem außerhalb der Hochschule herzustellen.
Auch haben die Gründungszentren an den Hochschulen die Erfahrung gemacht, dass Studentinnen mit ihren Gründungsideen meist dazu neigen, einen kleinen Markt oder ein enges Marktsegment in den Fokus zu nehmen. Oft lassen sich die Geschäftsideen aber größer denken. Dies ist insbesondere für die Gründungsberatung an den Hochschulen ein wichtiger Aspekt, gemeinsam mit den Studentinnen daran zu arbeiten, die Grundprinzipien ihrer Idee für größere oder weitere Kundinnen- und Kundensegmente weiterzuentwickeln.
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