Viele Unternehmen spüren es deutlich: Gute Auszubildende zu finden und zu halten wird anspruchsvoller. Doch es gibt Beispiele, die zeigen, wie es gelingen kann. Ein solches ist Diagramm Halbach aus Schwerte, ein 190 Jahre altes Familienunternehmen, das Ausbildung als strategisches Zukunftsthema versteht. Begonnen hat Diagramm Halbach als Spezialhersteller technischer Registrierpapiere („Diagrammpapiere“) und sich in den letzten Jahrzehnten zu einem weltweit tätigen Spezialisten für Print- und Zubehörprodukte entwickelt. Heute hat die Firma 340 Mitarbeitende an mehreren Standorten in Deutschland und beliefert Kunden in 70 Ländern weltweit.
Einmal im Jahr: Führungsknowhow für alle
Im Gespräch berichtet Alexandra Edelhoff, Personalleiterin bei der Diagramm Halbach Gruppe, über ihre Projekte im Bereich Ausbildung und die besondere Firmenkultur. Tatsächlich stehen bei Diagramm Halbach Führung und Kultur an erster Stelle. Jedes Jahr ziehen sich alle Führungskräfte für zwei Tage aus dem normalen Geschäft heraus und bearbeiten gemeinsam Themen rund um Achtsamkeit, wertschätzende Führung, gesund führen, etc. Laut Alexandra Edelhoff ist das wichtig, weil die Firma in den letzten Jahren durch mehrere Zukäufe stark gewachsen ist und so alle Führungskräfte auf dem gleichen Stand sind. Die Firmenwerte sind am besten an einem Zitat von Philipp Halbach zu erkennen: "Es muss sich vieles verändern, damit alles so bleibt, wie es ist."
Azubis gehen nach Irland – und kommen selbstbewusster zurück
Diagramm Halbach hat aktuell 22 Auszubildende. Jedes Jahr kommen zwischen 6 bis 8 Neue dazu – je nach Bedarf. Es werden mehrere Ausbildungsberufe angeboten, darunter den Industriekaufmann/frau, Medientechnologe/in Druck oder die Fachkraft für Lagerlogistik. Ein Highlight während der Ausbildung ist ein dreimonatiger Irlandaufenthalt in Cork, einer Studentenstadt. Hier werden nicht nur die Sprachkenntnisse verbessert, sondern ganz andere Fähigkeiten erworben. Denn die Auszubildenden sind im Rahmen eines Praktikums in sehr unterschiedlichen Unternehmen tätig. In der Regel hat die Tätigkeit nichts mit der bei Diagramm Halbach zu tun. Die Azubis unterstützen beispielsweise in einem Unternehmen, das auf die Ausbildung von Autisten spezialisiert ist, in einer Gaststätte oder einem Hotel. Edelhoff ist sich sicher: Die Jugendlichen kommen viel selbstbewusster zurück. Diese Erfahrung prägt sie ein ganzes Leben und es entstehen Freundschaften und Netzwerke.
Wie findet Diagramm Halbach Azubis?
Edelhoff schwört auf den Berufs- und Karrieretag in Schwerte, also eine Art Azubimesse, die alle zwei Jahre stattfindet. Zu dieser werden alle Schülerinnen und Schüler der Schwerter Schulen ab der neunten Klasse eingeladen. Hier werden die SchülerInnen auf die Unternehmen aufmerksam und besuchen danach – im besten Falle - die Unternehmenshomepage. Viele absolvieren auch ein Praktikum oder einen Ferienjob, bevor sie sich für eine Ausbildung bei Diagramm Halbach entscheiden. Gleichzeitig pflegt Edelhoff zwei Schulpartnerschaften sehr engmaschig.
Vor dem Ausbildungsstart gibt es bereits viel Kontakt
Haben sich die SchülerInnen für eine Ausbildung bei Diagramm Halbach entschieden, hören sie regelmäßig von Edelhoff. Sie erhalten Geburtstaggrüße oder es gibt Nachrichten zu anderen Themen. Besonders wirksam ist der jährliche Elternabend, der in der Regel im Mai stattfindet. Dazu lädt die Firma bewusst nicht nur die zukünftigen Auszubildenden, sondern auch deren Eltern, Geschwister und wer auch immer mit dabei sein möchte, ein. Im Rahmen einer Betriebsführung erleben die Eltern hautnah, wo ihr Nachwuchs später einen Großteil seiner Zeit verbringen wird.
Am ersten Tag wird gemeinsam gefrühstückt
Was Edelhoff ebenfalls für wichtig hält, ist der Start am ersten Ausbildungstag mit einem gemeinsamen Frühstück. 2025 wurde das Frühstück sogar auf alle bestehenden Auszubildenden erweitert. So kam es gleich zu einem guten Austausch in einem geschützten Raum. Auch die über 20 Mentoren für die neuen Auszubildenden tragen zu einem guten Ankommen bei.
Während der Ausbildung lernen die Azubis auch zum Thema Gesundheit
Das Gesundheitsprogramm „Azubifit“ erstreckt sich über drei Jahre, also im besten Fall über die ganze Länge der Ausbildung. Ziel ist es, den Auszubildenden ihre eigene Gesundheit näher zu bringen. Denn viele sind sich der Bedeutung gar nicht bewusst – dass man auf seinen eigenen Körper achten muss, wenn man - im besten Falle - ein Leben lang berufstätig sein möchte.
Mit dem Teil „Bewegung“ starten die Auszubildenden
Das Programm beruht auf drei Säulen: Zuerst geht es um das Thema Bewegung. Wie bewegt man sich im Idealfall, wenn man eine sitzende Tätigkeit hat oder eine Tätigkeit, die einen körperlich beansprucht wie beispielsweise an einer Maschine. Dieser Teil wird von einem Sportmediziner durchgeführt. Er bearbeitet die Themen in einem Workshop in engem Austausch mit den Auszubildenden. Die Anregung einer aktiven Pause hat dazu geführt, dass viele nun in der Mittagspause ihre Runden drehen. Glücklicherweise werden auch Mythen abgebaut: Jugendliche denken oft, Sport müsse exzessiv sein – beispielsweise stundenlang in der „Muckibude“ Gewichte stemmen oder kilometerweit laufen. Dabei reicht es, wenn man spazieren geht oder sich auch anders bewegt. Und zwar in dem Tempo, in dem man sich gut bewegen kann.
Das zweite Thema ist die Ernährung – der Zuckertest ist ein Highlight
Der Ernährungsteil wird von einem Ernährungswissenschaftler durchgeführt. Er informiert zum Thema Zucker und führt mit den Jugendlichen einen Zuckertest durch. Dadurch erleben die Auszubildenden, wo sie selbst im Augenblick stehen und wie ihr Zuckerverhalten sich darstellt. In der Vergangenheit gab es zudem einen Kochkurs mit den Azubis, damit sie sehen, wie man sich auch außerhalb der Arbeit gut ernähren kann.
Besonders am Herzen liegt Edelhoff das dritte Thema: Mentale Gesundheit
Denn alle – gerade auch die Azubis – müssen mit Stress umgehen. Diesen Stress empfinden manche Jugendliche bereits in ihrer Schulzeit, da ist sich Edelhoff sicher. Aber damals haben sie das vielleicht nicht so wahrgenommen oder sich nicht damit befasst. Im Arbeitsleben kommen dann andere Stressoren dazu, durch Herausforderungen mit Kunden oder was immer einem in einem Projekt begegnet.
Zudem müssen sie ihre Prüfungen bestehen und werden dafür in der Ausbildung nicht mehr so angeleitet, wie in der Schule. All das kann Stress hervorrufen. Wir arbeiten hier mit einem Fragebogen und einem Coach, der die Ergebnisse bespricht – sofern das gewünscht ist. Tatsächlich reden aber die meisten sehr offen über die Themen, man spürt hier das gute Vertrauensverhältnis zwischen allen Beteiligten.
Mehr können Sie auch in unserem Podcast "Zum attraktiven Ausbildungsbetrieb werden: Mit dem Gesundheitsprogramm „Azubifit“ und vielen persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten" hören:
- © sturti / Getty Images – Weibliche Auszubildende (3524_weibliche-auszubildende.jpg)