Sind wir eigentlich gut vorbereitet auf die Arbeitswelt von morgen? Diese Frage haben wir den rund 35 Teilnehmenden unseres Webseminars „Future Skills für eine zukunftsorientierte Aus- und Weiterbildung" zu Beginn gestellt. Das Ergebnis: im Durchschnitt "eher gut". Also solide, aber mit Luft nach oben. An diesem Punkt setzte unser einstündiges Format an, das im Rahmen des bundesweiten "Sommer der Berufsausbildung 2026" stattfand und zu dem Ausbildende, Personalerinnen und Personaler, Führungskräfte sowie Fachkräfte aus ganz unterschiedlichen Branchen zusammengekommen sind.

Warum reden wir über Future Skills?

Wir bilden heute Menschen für Berufe aus, die es morgen in dieser Form vielleicht gar nicht mehr gibt. Technologische Umbrüche, Fachkräftemangel und steigende Kompetenzanforderungen treffen aufeinander und machen deutlich, dass es künftig um mehr geht als reines Fachwissen. Gefragt sind zunehmend Denk-, Gestaltungs- und Lernkompetenzen, die Menschen befähigen, Veränderung zu gestalten, statt nur auf sie zu reagieren.

Ein Blick in aktuelle Studien, etwa die Metastudie „Future Skills 2025" des Fraunhofer IAO oder das Future Skills Framework 2030 des Stifterverbands, zeigt, dass die Forschungslandschaft bunt und nicht immer einheitlich ist. Trotzdem ziehen sich ein paar Trends durch viele Untersuchungen: Arbeitsplatznahes Lernen gewinnt an Bedeutung, Lernfähigkeit wird wichtiger als starres Wissen, und hybride Kompetenzprofile aus fachlichen, methodischen, persönlichen und sozialen Fähigkeiten werden gefragter.

Der Blick in die Praxis

Um diese eher abstrakte Debatte zu erden, haben wir im Seminar vier Betriebe vorgestellt, die auf ganz unterschiedliche Weise Future Skills entwickelt haben. Von der Neuorganisation einer Werkstatt über ein Azubi-Digitalisierungsprojekt bis hin zur strategischen Neuausrichtung mitten in der Corona-Krise. So verschieden die Ausgangslagen auch waren, in allen vier Fällen zeigte sich derselbe Kern: Future Skills entstehen nicht im Seminarraum, sondern dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, die auch echte Konsequenzen hat, eingebettet in ein soziales Umfeld aus Team, Peers oder Coaches, und in einem Rahmen, der auch Scheitern erlaubt.

Diese drei Zutaten - echte Aufgabe, soziale Einbettung und Fehlerfreundlichkeit - sind letztlich nichts anderes als Bausteine dessen, was man Lernkultur nennt. 

Lernkultur als Fundament für Future Skills

Future Skills brauchen diesen Nährboden, eine Lernkultur, die im Betrieb tatsächlich gelebt wird. Aktuelle Forschung beschreibt dafür sechs Dimensionen, validiert über die sogenannte „Learning Culture Scale" (Vos, Petter-Mikx & Collou, 2025), einen Fragebogen niederländischer Forschenden, der speziell für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt wurde:

  1. lernorientierte Aufgaben
  2. Reflexivität und experimentelles Lernen
  3. kollaboratives Lernen
  4. lernorientierte Führung
  5. eine unterstützende Lernstruktur im Betrieb
  6. den Blick nach außen, ins externe Netzwerk

Statt diese Dimensionen nur zu präsentieren, wollten wir von den Teilnehmenden direkt wissen, wie es um ihre eigene betriebliche Realität steht. Und genau hier liefert das Seminar sein spannendstes Ergebnis.

Spannende Einblicke der Teilnehmenden

Was schon gut läuft: Der Austausch im Team und über Teamgrenzen hinweg wurde mit deutlichem Abstand als größte Stärke genannt. Auch vielfältige, herausfordernde Arbeitsaufgaben wurden von mehreren Teilnehmenden positiv bewertet.

Wo es noch hakt: Bei zwei Punkten zeichnete sich ein auffällig klares Bild ab: Führungskräfte als Vorbilder und eine offene Fehlerkultur. Beides wurde am häufigsten als Nachholbedarf genannt, gleichzeitig gab dort niemand an, dass es im eigenen Betrieb bereits gut funktioniert.

Die Betriebe der Teilnehmenden haben also oft schon eine gute Basis für kollaboratives Arbeiten geschaffen. Was häufig fehlt, ist eine Führungsebene, die Lernen aktiv vorlebt, sowie ein Rahmen, der Experimentieren und Fehler wirklich zulässt. Diese beiden Punkte lassen sich nicht mit einem Tool oder einer einmaligen Schulung lösen. Sie erfordern zwar auch eine Verhaltensänderung bei Führungskräften, doch die tragen diese Verantwortung nicht allein: Wer im Tagesgeschäft ohnehin schon viele Baustellen jongliert, kann Lernkultur nur schwer zusätzlich "nebenbei" vorleben. Es braucht deshalb auch Strukturen und Freiräume, die von der Geschäftsleitung aktiv geschaffen und gefördert werden müssen, etwa feste Zeitfenster für Reflexion oder eine klare Rückendeckung, wenn im Team einmal etwas schiefgeht.

Future Skills - was das für die Praxis bedeutet

Aus den Diskussionen und Ergebnissen des Seminars lassen sich vier Handlungsfelder ableiten:

  • Berufsprofile sollten regelmäßig überprüft und an neue Anforderungen angepasst werden.
  • Lernkultur muss aktiv gestaltet werden, arbeitsnah, aber auch mit bewusstem Raum für Reflexion und Fehler.
  • Führungskräfte brauchen Unterstützung, um sich als Vorbilder und „Möglichmacher" für Lernen zu positionieren, etwa durch die Geschäftsleitung und durch gezielte Fortbildungen.
  • Und nicht zuletzt lohnt sich der regelmäßige Blick in aktuelle Studien, etwa vom Fraunhofer IAO oder vom Stifterverband, um am Ball zu bleiben.

Feedback, das uns besonders gefreut hat

Eine teilnehmende Person schrieb uns im Nachgang, das Seminar sei ein "sehr gelungener Mix aus theoretischem Inhalt und praktischen Beispielen" gewesen, und lobte insbesondere das verlinkte Zusatzmaterial. Gleichzeitig kam ein Wunsch, den wir uns zu Herzen nehmen: mehr Zeit für den Austausch zwischen Branchen und Bereichen, etwa in Form einer freiwilligen Austauschphase im Anschluss an das eigentliche Seminar. Dieser Wunsch deckt sich passgenau mit einer der sechs Lernkultur-Dimensionen, dem kollaborativen Lernen. Wir nehmen diese Anregung gerne für künftige Formate mit.

Weiterführende Angebote

Wer tiefer einsteigen möchte, findet auf unserer Website unter anderem das Digiscouts-Projekt mit Praxisbeispielen und einen Canvas für eigene Azubiprojekte, das Azubi-Workbook zu KI in der Ausbildung, einen Leitfaden zu sechs zentralen Future Skills sowie einen Online-Selbstcheck, mit dem Betriebe die für sie passenden Zukunftskompetenzen identifizieren können. Wer lieber hört statt liest, findet im Podcast „Wanted – Fachkräftenachwuchs" ebenfalls passende Folgen zum Thema.

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