Morgenstimmung in Düsseldorf

Als am 19. März 2026 die Türen der IHK Düsseldorf aufgingen, spürte man sofort das Summen von Motivation und Neugier. Über 60 Teilnehmende aus Kammern, Bildungseinrichtungen und Politik fanden sich zusammen zum fünften Netzwerktreffen der Ausbildungsbotschafter-Initiativen – die einen mit Kaffeebecher in der Hand, die anderen mit Notizbuch und gespannten Blicken. Wer nicht dabei war, hätte denken können: Hier wird die Zukunft der dualen Ausbildung nicht nur besprochen, sie wird gefühlt, gelebt und gemeinsam gestaltet.

Mehr als ein Projekt – Ausbildungsbotschafter als Brückenbauer

Der Tag startete offiziell um 10:00 Uhr mit den Grußworten von Kerstin Rapp-Schwan, Geschäftsführerin der JaJa Holding und Vizepräsidentin der IHK Düsseldorf, und Dr. Janina Jänsch, Abteilungsleiterin für Mittelstand, Zukunftstechnologien und Start-ups im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE).

Bereits bei den Grußworten wurde klar: Ausbildungsbotschafter sind längst kein kleines regionales Projekt mehr. Sie sind Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Schule und Politik, vermitteln Orientierung, zeigen Chancen auf und bringen die Praxis direkt zu den Jugendlichen.

Kerstin Rapp-Schwan machte deutlich, dass diese Botschafterarbeit gerade jetzt entscheidend ist, um jungen Menschen berufliche Möglichkeiten sichtbar zu machen und sie für Ausbildung zu gewinnen. Parallel dazu unterstrich Dr. Janina Jänsch: Die Ausbildungsbotschafter motivieren durch persönliche Geschichten und direkte Ansprache, durch Authentizität und Glaubwürdigkeit. Kein Flyer, keine Anzeige kann das ersetzen. Sie bauen Brücken, auf denen Jugendliche gerne gehen.

Paneldiskussion „Quo vadis?“ – Erfahrung trifft Strategie

Nach dem Gruppenfoto wurde es konkret: In der Paneldiskussion „Quo vadis?“ traf Praxis auf Politik, moderiert von Sonja Müller, Fachbereichsleiterin Fachkräftesicherung im RKW Kompetenzzentrum. Auf dem Podium diskutierten über die aktuelle Situation in Unternehmen und die Bedeutung authentischer Ansprache:

  • Dr. Janina Jänsch, BMWE
  • Eva Zuidam, Ausbildungsbotschafterin, Hotel Kö59
  • Jennifer Heinrichs-Müller, Personalreferentin, Hotel Kö59
  • Ingo Reifgerste, Geschäftsführer, Schleiff Bauflächentechnik und Vorstandsvorsitzender des RKW e.V.
  • Katrin Kolfhaus, Koordinatorin Ausbildungsbotschafter-Initiative, IHK Düsseldorf

Ingo Reifgerste erzählte, dass gerade in technischen und operativen Berufen die Suche nach Auszubildenden anspruchsvoller geworden sei. Sein Fazit: Wer früh anfängt – schon in Schulen – und Eltern sowie Lehrkräfte einbezieht, habe einen entscheidenden Vorteil. Dabei gehe es nicht nur um Zahlen, sondern um echte Einblicke in die Arbeitswelt.

Ein gemeinsamer Nenner der Diskussion: Authentizität gewinnt. Jugendliche möchten Geschichten hören, die greifbar sind, Menschen treffen, die die Praxis kennen. Die Ausbildungsbotschafter tun genau das – sie machen Berufe erlebbar, motivieren und öffnen Türen.

Regionale Vielfalt – voneinander lernen

Im nächsten Programmpunkt berichteten Anna-Lena Bayer und Nicole Krispin von der Handwerkskammer Kassel, wie unterschiedlich die regionalen Initiativen ausgestaltet sind: Von Mentoring-Programmen über Projektwochen bis hin zu strukturierten Schulbesuchen. Besonders inspirierend war, wie Initiativen kreative Wege finden, junge Menschen für die Ausbildung zu begeistern – und wie der Austausch zwischen Initiativen voneinander lernen lässt.

Das wichtigste Learning: Jeder kann von den anderen profitieren. Wer Ideen teilt, kann sie adaptieren, verbessern und auf die eigene Region übertragen. Netzwerken lohnt sich also nicht nur im direkten Kontakt, sondern auch im Blick über den Tellerrand.

Kooperation, die wirkt – Schule und Kammer im Gespräch

Karin Rading von der Schule am Eller Forst in Düsseldorf und Lisa Stege, Koordinatorin Schulkontakte, IHK Düsseldorf, gaben Einblicke in die Zusammenarbeit zwischen Schule und Ausbildungsbotschaftern. Dabei wurde deutlich, dass frühzeitige Kontaktpunkte und transparente Kommunikation zwischen Schule, Eltern und Betrieben entscheidend sind, um Jugendliche nachhaltig zu erreichen.

Aktuelle Entwicklungen bei den Partnern

Jana Heiberger, DIHK, und Dr. Kirsten Kielbassa-Schnepp, ZDH, stellten aktuelle Programme, Tools und Fördermöglichkeiten vor, die die Arbeit der Ausbildungsbotschafter unterstützen und weiter professionalisieren.

Neues aus dem Netzwerk

Kurz vor dem Mittagessen gab Bruno Pusch vomRKW Kompetenzzentrum einen kompakten Überblick über den aktuellen Stand im Netzwerk: 113 Initiativen sind inzwischen aktiv, Bremen bleibt die letzte Lücke. Mit der neuen Handlungshilfe zur Einführung eines Ausbildungsbotschafter-Projekts als „lebendem Dokument“ (Feedback ist ausdrücklich erwünscht!) sowie regionalen Newslettern und einem geplanten Evaluations-Kit wird der Austausch gestärkt und die Weiterentwicklung der Initiativen gezielt unterstützt.

Workshops: Ideen sprudeln

Nach dem Mittagessen war es Zeit, selbst aktiv zu werden. Die Workshops am Nachmittag waren lebendig, kreativ und voller Ideen. Drei Schwerpunkte prägten die Diskussionen:

  • Evaluation & Wirkungsmessung: Wie können wir den Einfluss der Botschafterarbeit sichtbar machen? Welche Kennzahlen sind aussagekräftig? Hier gab es viel Austausch über einfache Tools und Best Practices.
  • Podcast-Formate: Die Idee, Geschichten direkt in die Ohren zu bringen, stieß auf Begeisterung. Es wurde diskutiert, wie authentische O-Töne, kurze Episoden und spannende Storylines umgesetzt werden können.
  • Künstliche Intelligenz: Überraschend schnell entwickelte sich eine lebhafte Debatte über den generellen KI-Einsatz bei den Initiativen und die (erlaubte) Nutzung digitaler Tools.

Social Media und neue Wege, Jugendliche zu erreichen

Ein Impulsvortrag von Kim Adamek von den digitallotsen zu Social Media Trends 2026 rundete die Workshops ab. Die Teilnehmenden bekamen konkrete Tipps, wie sie Jugendliche erreichen können: mit kurzen Videos, interaktiven Formaten und authentischen Einblicken – Inhalten, die schnell konsumierbar sind und gleichzeitig Begeisterung wecken.

"Wir müssen da sein, wo die Jugendlichen sind, und ehrlich erzählen, was unsere Berufe spannend macht", fasste eine Teilnehmerin zusammen. Das Bild von klassischen Flyern wird durch Storytelling, Reels und Podcasts ersetzt.

Neue Perspektiven für junge Talente

Melanie Lochner von der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (sbb) brachte einen weiteren Blickwinkel ein: Förderung und Unterstützung besonders talentierter Auszubildender. Wer passende Förderprogramme kennt, kann die individuelle Entwicklung stärken und Talente gezielt auf Ausbildung und Beruf vorbereiten.

Für die Ausbildungsbotschafter ist das eine spannende Ergänzung, um ihre Geschichten und Angebote noch attraktiver zu machen.

Nachklang und Ausblick

Zum Ende fasste Dr. Tholen Eekhoff, Referatsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), die Ergebnisse zusammen und betonte die Bedeutung von Vernetzung und kontinuierlicher Weiterentwicklung. Die Impulse des Tages sollen in die tägliche Arbeit der Initiativen einfließen, weitere Unternehmen für Beteiligung gewonnen und die Reichweite wie Bekanntheit bei Jugendlichen noch erhöht werden.

 Das Graphic Recording von Daniel Jennewein, RKW Kompetenzzentrum, fasste die zentralen Themen anschaulich zusammen – von der Paneldiskussion und dem Sommer der Berufsausbildung über Workshop-Ergebnisse bis hin zu Social Media Learnings. Es ist nicht nur ein Dokument, sondern auch ein Symbol für die Vielfalt, Kreativität und den gemeinsamen Spirit.

Save the Date: Am 24. September 2026 geht es online von 10.00 bis 12.00 Uhr weiter – mit neuen Impulsen, Erfolgsgeschichten und jeder Menge Inspiration.

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