Wie gelingt eine Unternehmensnachfolge, wenn nicht nur eine Person Verantwortung übernimmt, sondern gleich mehrere Familienmitglieder künftig unterschiedliche Rollen im Unternehmen und in der Gesellschafterstruktur einnehmen?

Mit dieser Frage beschäftigte sich das Familienunternehmen Pütz GmbH + Co. Folien KG bereits in einem sehr frühen Stadium des Nachfolgeprozesses. Begleitet wurde die Unternehmerfamilie von der Nachfolgeberaterin Angelika Thiedemann, die dabei die geförderte Nachfolgeberatung des Landes Hessen über das RKW Hessen nutzte.

Vertrauen als Grundlage für den Nachfolgeprozess

Der erste Kontakt zwischen der Unternehmerfamilie Pütz und der Beraterin Angelika Thiedemann entstand bei einer Veranstaltung der IHK Wiesbaden zur Unternehmensnachfolge. Im Gespräch wurde schnell deutlich, dass die Vorstellungen über eine professionelle Begleitung des Generationswechsels gut zusammenpassten.

Die persönliche Vertrauensebene ist für Angelika Thiedemann ein entscheidender Erfolgsfaktor. Nachfolgeprozesse berühren nicht nur wirtschaftliche und rechtliche Fragen, sondern auch familiäre Beziehungen, Werte und Erwartungen. Deshalb sei gegenseitiges Vertrauen unverzichtbar, das im besten Fall auch die externe Beratung einschließt. In ersten Dialogen stellte sie der Familie verschiedene Fördermöglichkeiten vor. Gemeinsam entschied man sich schließlich für eine geförderte Nachfolgeberatung des Landes Hessen als Begleitung des gesamten Prozesses. Das RKW Hessen wurde für die Umsetzung aktiv und Sascha Gutzeit, Geschäftsführer der RKW Hessen GmbH, betont: „Wir sehen in der geförderten Nachfolgeberatung ein wichtiges landespolitisches Instrument, damit mehr Nachfolgen in Hessen wirklich gelingen. Eine Nachfolge ist ein komplexer Prozess, bei dem die Weichen richtig gestellt werden müssen, damit die  junge Generation der Unternehmerinnen und Unternehmer mit ihren frischen Ideen und Zukunftskompetenzen langfristig erfolgreich sein kann.“

Früh starten bevor Zeitdruck entsteht

Als die Beratung begann, befand sich das Unternehmen noch in einer frühen Phase der Nachfolgeplanung. Die Pütz GmbH + Co. Folien KG, ein seit rund sechs Jahrzehnten erfolgreiches Familienunternehmen mit einer komplexen Holdingstruktur, wurde bereits in zweiter Generation von den Geschwistern Ferdinand Pütz und Christiane Pütz geführt.

Gleichzeitig steht die dritte Generation bereit: Insgesamt vier Familienmitglieder sollen künftig unterschiedliche Rollen im Unternehmen und in der Gesellschafterstruktur übernehmen. Damit stellte sich frühzeitig die Frage, wie die Übergabe auf operativer, gesellschaftsrechtlicher und familiärer Ebene gestaltet werden kann.

Besonders herausfordernd war dabei ein grundlegender Strukturwandel. Erstmals in der Unternehmensgeschichte wird es künftig Gesellschafterinnen und Gesellschafter geben, die nicht operativ im Unternehmen tätig sind. Damit verändern sich Verantwortlichkeiten, Erwartungen und Entscheidungsprozesse innerhalb der Unternehmerfamilie grundlegend. Eine gemeinsame Zukunftsvision der Familie trat deshalb in den Mittelpunkt, bevor steuerliche oder rechtliche Umsetzungsmodelle zu diskutieren wären.  

Familienverfassung als Leitplanke für die Zukunft

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Interessen der abgebenden Generation. Fragen zur finanziellen Absicherung nach dem Ausscheiden aus der Geschäftsführung wurden frühzeitig in den Prozess integriert. Dabei zeigte sich schnell, dass eine erfolgreiche Nachfolge im Zusammenspiel verschiedener Expertinnen und Experten wie Steuerberatung, Rechtsanwaltskanzlei, Unternehmerfamilie und Beraterin optimal gelingen kann.

Das zentrale Ergebnis der Zukunftsgespräche war die Entwicklung einer Familienverfassung. Sie definiert unter anderem gemeinsame Werte, Rollenverständnisse, Entscheidungswege und Regeln für die Zusammenarbeit innerhalb der Unternehmerfamilie. Gleichzeitig enthält sie wichtige Grundlagen für die spätere rechtliche und steuerliche Umsetzung sowie einen Zeit- und Maßnahmenplan, wann Führungsverantwortung übertragen wird, welche Funktionen neu geschaffen werden und wie sich die Gesellschafterstruktur entwickeln soll.

„Auch unterschiedliche Sichtweisen zwischen den Generationen und schwierige Diskussionen gehörten zum Prozess“, betont die Beraterin, „aber mittels klarer Gesprächsregeln lassen sich unterschiedliche Positionen sichtbar machen und in gemeinsam getragene Lösungen überführen.“

Klarer Fahrplan für die dritte Generation

Die Nachfolgeplanung bei Pütz GmbH + Co. Folien KG ist inzwischen weit fortgeschritten. Die Planung reicht derzeit bis ins Jahr 2030. Es besteht die Möglichkeit, dass weitere Familienmitglieder künftig operative Aufgaben übernehmen und zusätzliche Kompetenzen in das Unternehmen einbringen. Definitiv sollen alle vier Mitglieder der Nachfolgegeneration Gesellschafteranteile übernehmen. Ziel ist es, auch diejenigen Familienmitglieder langfristig an das Unternehmen zu binden, die nicht operativ tätig sind.

Dennis Pütz, Nachfolger bei der Pütz GmbH + Co. Folien KG, steht voll hinter dem Vorgehen und betont: „Die frühzeitige und strukturierte Vorbereitung kann so wertvoll sein! Klare Ziele, verbindliche Meilensteine und die aktive Einbindung aller Beteiligten schaffen die Grundlage dafür, dass Unternehmensnachfolge nicht nur organisatorisch gelingt, sondern auch den Zusammenhalt der Unternehmerfamilie stärkt.“

Beschreibung des Beratungsunternehmens

Mit ihrem Beratungsunternehmen erntezeit begleitet Angelika Thiedemann seit mehr als 14 Jahren Familienunternehmen bei der Planung und Umsetzung von Unternehmensnachfolgen. Dabei unterstützt sie Unternehmerfamilien sowohl bei strategischen und wirtschaftlichen Fragestellungen als auch bei den familiären und zwischenmenschlichen Herausforderungen eines Generationswechsels. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Entwicklung tragfähiger Nachfolgestrukturen und der Moderation von Familien- und Entscheidungsprozessen.

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Juliane Kummer Gründung / Referentin

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