In dieser Reihe stellen wir Ihnen die Mitglieder des RKW Fachbeirates Unternehmensführung und Innovation vor. Hierfür haben wir die Beiratsmitglieder um eine Einschätzung zu unserem Jahresthema 2025 „Nachhaltig Wirtschaften“ gebeten.
Frau Maas, bitte beschreiben Sie kurz, was Sie in Ihrem „richtigen Leben“ beruflich machen.
Ich habe in Deutschland und Großbritannien Umweltwissenschaften und Umweltmanagement studiert und anschließend in der Forschung im Bereich Abfall- und Ressourcenmanagement gearbeitet. Vor vier Jahren bin ich in unser Familienunternehmen eingestiegen und befinde mich derzeit in der Nachfolge von der dritten in die vierte Generation. Unser Unternehmen, die „Dittelbach und Kerzler GmbH & Co. KG“, existiert inzwischen seit hundert Jahren und produziert in Gießen Sicherheitsschaltgeräte. Unsere Schalter sind weltweit in den unterschiedlichsten Bereichen im Einsatz, unter anderem in nahezu allen Formen der Energiegewinnung – mit Ausnahme der Photovoltaik. Dazu gehören auch erneuerbare Energiequellen wie Wasser- oder Biomassekraftwerke.
Nachhaltigkeit ist ein zentrales gesellschaftliches Thema und war zugleich in 2025 Jahresthema des RKW. Welche persönliche Bedeutung hat Nachhaltigkeit für Sie – und inwiefern spielt sie in Ihrem beruflichen Alltag eine Rolle?
Nachhaltigkeit spielt für mich persönlich eine wichtige Rolle. Für mich bedeutet sie, auf allen drei Ebenen – ökologisch, sozial und ökonomisch – die Welt für kommende Generationen besser zu hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben, und auch global zu mehr Gerechtigkeit beizutragen. Privat heißt das für mich ganz konkret, mein Konsumverhalten zu hinterfragen, möglichst auf Unnötiges zu verzichten, Abfall und Verschwendung zu vermeiden und eher auf Qualität statt Quantität zu setzen.
Qualität ist auch ein gutes Stichwort für unser Unternehmen. Wir leben Qualität – und leben von Qualität „made in Germany“. Wir setzen auf regionale Vorprodukte und beziehen unser Gusseisen beispielsweise aus dem Vogelsberg. Wir versuchen, so ressourceneffizient wie möglich zu wirtschaften, und setzen auf Langlebigkeit der Produkte. Manche Schalter erhalten wir nach einer Lebensdauer von 80 Jahren wieder zur Überprüfung zurück. Genau diese Qualität wird von unserer Kundschaft weltweit geschätzt. Unsere Produkte sind dadurch bedingt etwas teurer, aber wir verzichten zugunsten dieses nachhaltigen Erfolgs bewusst auf den schnellen Profit.
Darüber hinaus geht es bei uns im Unternehmen sehr familiär zu und ein sozialer Umgang miteinander ist für uns selbstverständlich. Außerdem sind wir – im Gegensatz zu vielen anderen Betrieben – von viel Grün umgeben und auf unserem Gelände tummeln sich durchaus auch mal Hasen und Eichhörnchen. Das freut uns alle.
Welche Bedeutung wird Ihrer Einschätzung nach das Thema Nachhaltigkeit künftig für den deutschen Mittelstand haben?
Der Begriff Nachhaltigkeit ist leider inzwischen etwas abgenutzt, wozu sicher auch Berichtspflichten und das Lieferkettengesetz beigetragen haben. Ich bin jedoch überzeugt, dass nur Unternehmen, die ganzheitlich agieren und im positiven Sinne nachhaltig sind, langfristig erfolgreich am Markt bestehen werden – denn das Kaufverhalten der Konsumentinnen und Konsumenten wird sich zunehmend verändern.
Viele kleine Familienunternehmen arbeiten bereits sehr nachhaltig, oft ohne sich bewusst zu machen, wie weit sie in diesem Bereich eigentlich schon sind und wie sehr Nachhaltigkeit Teil ihrer DNA ist. Gleichzeitig sind kleine Unternehmen mitunter etwas konservativ. Um den nächsten Schritt zu gehen, muss man jedoch bereit sein, Dinge zu hinterfragen und auch einmal anders zu machen, als man es immer schon getan hat. Auch das ist Nachhaltigkeit: innovativ zu denken, sich weiterzuentwickeln und beispielsweise digitaler zu werden. Gerade die neuen Generationen sind eine große Chance, denn sie sind mit der Thematik aufgewachsen und bringen frische Perspektiven in die Unternehmen.
Was ist Ihre Motivation für Ihr Engagement im Fachbeirat Unternehmensführung und Innovation?
Der Beirat bietet mir die Möglichkeit, mich mit Expertinnen und Experten aus ganz unterschiedlichen Bereichen auszutauschen. Gleichzeitig macht es mir persönlich Freude, am „Methodenkoffer“ für kleine und mittlere Unternehmen mitarbeiten zu können.
Über den Fachbeirat Unternehmensführung und Innovation
Der heutige RKW-Fachbeirat „Unternehmensführung und Innovation“ ist eines der ältesten Gremien des RKW. Bis Anfang 2007 führte der Fachbeirat den Namen „Bundesausschuss Betriebswirtschaft“ (BBW), der bereits am 21. Juli 1953 gegründet wurde. Gründungsmitglieder waren 40 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Gewerkschaften, beratenden Berufen und den beteiligten Bundesministerien.
1953, das Jahr in dem der Koreakrieg mit einem Waffenstillstand endet, Josef Stalin stirbt und Elizabeth II. zur Königin gekrönt wird. In Deutschland wird die Adenauer-Regierung bei den Wahlen zum zweiten deutschen Bundestag bestätigt und in der DDR kommt es zum Arbeiteraufstand, der niedergeschlagen wird.
In den über siebzig Jahren seines Bestehens ist der Fachbeirat in seiner Programmatik stets am Puls der Zeit geblieben. Lagen in den ersten Jahrzehnten die fachlichen Schwerpunkte auf den Themen Betriebsvergleich, Planungsrechnung, Unternehmensplanung und Kooperationsförderung, setzte er später seine Akzente auf betriebswirtschaftliche Arbeiten in der Unternehmensführung, Strategieentwicklung und im Kooperationsmanagement. In den 90-er und 2000er Jahren befasste sich der Beirat unter anderem mit Fragen des Controllings, der Finanzierung und der Förderung von Innovation. Seitdem spielen u.a. Themen wie Ressourceneffizienz, Nachhaltigkeit und Digitalisierung wichtige Rollen in der Arbeit des Fachbeirats.
Das RKW Kompetenzzentrum dankt dem Fachbeirat „Unternehmensführung und Innovation“ herzlich für sein Engagement und seine wertvollen Impulse. Denn die Fachbeiräte des RKW waren immer und sind bis heute wichtige Beratungsgremien für die entsprechenden fachlichen Organisationseinheiten des RKW und unterstützen sie in ihrer Arbeit. Dafür ist der Fachbeirat mit erfahrenen Expertinnen und Experten besetzt, die wir Ihnen in dieser Serie vorstellen möchten.
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