In 5 Schritten zum Gründungsnetzwerk

Sonja Alt

Sonja Alt

Veröffentlicht: 12.12.2017

Projekt: Gründungsnetzwerk

Zusammenfassung: Immer mehr Städte und Regionen in Deutschland wollen ihr regionales Gründungsgeschehen stärken und zu diesem Zweck ein Gründungsnetzwerk etablieren. Diese Anleitung soll ihnen dabei helfen.

Die folgenden 5 Schritte beruhen auf den Erkenntnissen, die wir in den vergangenen Monaten in zahlreichen Gesprächen und Workshops mit regionalen Netzwerken gesammelt haben.

Schritt 1: Analysieren Sie Ihr regionales Gründerökosystem

Wir haben eine Methode entwickelt, die Ihnen hilft, die relevanten Erfolgsfaktoren und deren Zusammenspiel bei der Arbeit an Ihrem lokalen Ökosystem zu identifizieren. Der Ansatz regionaler Gründerökosysteme wird von der Praxis zunehmend anerkannt, um Gründungsaktivitäten ganzheitlich zu unterstützen.

Die Methode beinhaltet insgesamt drei Schritte:

  1. Das große Ganze: In einem ersten Schritt dienen das Modell und das Canvas als Sensibilisierungsinstrumente, die die Schlüsselakteure daran erinnern, ein regionales Ökosystem ganzheitlich zu denken. Dieser Schritt verbindet dabei die Akteure miteinander und verhindert damit gleichzeitig, dass einzelne Akteure „nur“ ihr eigenes Programm betrachten. Am besten suchen Sie sich Mitstreiter und füllen das Poster gemeinsam aus. Damit ver­hindern Sie gleichzeitig, Ihr eigenes Programm isoliert zu betrachten.
  2. Status Quo: In einem zweiten Schritt wird die aktuelle Situation des Ökosystems mit seinen Elementen und Netzwerken im Rahmen einer Bestandsaufnahme beleuchtet und analysiert. Dieser Schritt dient vor allem dazu, Potenziale zu heben und mögliche Doppelungen (z. B. von Förderprogrammen) zu identifizieren.
  3. Zusammenhänge erkennen und Zukunft gestalten: In einem dritten Schritt unterstützt die Methode die Entwicklung einer Strategie zur Gestaltung von Gründerökosystemen. Ziel dieses Schrittes ist es, Synergien zwischen den einzelnen Programmen und Akteure zu erschließen, also die Identifikation von Missing Links und die Etablierung von Netzwerken. Im Zuge der strategischen Ausrichtung gilt es, neue Wachstumsmöglichkeiten zu erforschen, Chancen zu bewerten, die Verwendungen oder Einführung neuer Förderprogramme zu prüfen und gemeinsame Wege zur Entwicklung des Ökosystems zu finden.

Die Erfahrung zeigt, dass die Beantwortung dieser Fragen am besten möglich ist, wenn die regionalen Akteure gemeinsam im Rahmen von persönlichen Treffen und interaktiven Workshops Ideen und Lösungen erarbeiten.

Deshalb…

Schritt 2: Suchen Sie sich die richtigen Partner für Ihr Netzwerk

Jeder Gründer bewegt sich in seinem spezifischen regionalen Umfeld – dem Gründerökosystem. Auch alle Förderer des Gründungsgeschehens gehören zu diesem Ökosystem. Ihre Beziehungen und Interaktionen lassen sich dabei ausbauen und optimieren, so dass Doppelstrukturen wegfallen, gegenseitiges Lernen stattfindet und schlussendlich das Gründen in der Region leichter wird.

Deshalb ist es empfehlenswert, alle gründungsrelevanten Einrichtungen vor Ort zu identifizieren, Kontakt aufzunehmen und eine Zusammenarbeit voranzutreiben.

Gründungsrelevante Partner können z. B. sein:

Agentur für Arbeit / Jobcenter, Industrie- und Handelskammer / Handwerks- und sonstige Kammern, Wirtschaftsjunioren, Banken und Kreditinstitute, Universitäten / Hochschulen / Fachhochschulen / private Bildungsträger / Volkshochschule, Coworking-Spaces, Verwaltung von Städten und Gemeinden, Wirtschaftsförderungen, Technologie- und Innovationszentren, Initiativen und Vereine aus der Gründerszene, Beratungsstellen, Versicherungen...

Auf der Webseite der Gründerwoche Deutschland finden Sie eine Liste aller 1.500 Partner in ganz Deutschland. Hier können Sie nach Ihrer Region selektieren und prüfen, wer sich in Ihrer Nähe bereits für das Gründungsgeschehen engagiert.

Schritt 3: Interne Organisation regeln

Wenn Sie Partner für die Zusammenarbeit in Ihrem Netzwerk gefunden haben, empfiehlt es sich, die interne Organisation zu regeln. Hier gibt es einige „Spielregeln“ zu beachten, über die man sich zu Beginn der Zusammenarbeit Gedanken machen sollte. Allerdings spielen dabei vielfältige Faktoren eine Rolle, die es schwer machen, Patentlösungen anzubieten – denn jedes Netzwerk ist in Bezug auf Größe, Zusammensetzung, persönliche Beziehungen, finanzielle Ausstattung etc. einzigartig.

 

  • Kooperationsvereinbarung und Ziele

Eine Zielvereinbarung oder ein gemeinsam erarbeitetes Leitbild, auf das sich alle Partner verständigen, können die Zusammenarbeit erleichtern und von Anfang an zum gemeinsamen Verständnis beitragen. Besprechen Sie, was Ihnen besonders wichtig ist und Grundlage für Ihre Maßnahmen und Zielgruppen sein soll, zum Beispiel:  

- (potenzielle) Gründer am Standort halten (insbesondere in ländlichen Regionen ein wichtiges Thema)

- Entwicklungsmöglichkeiten für junge Menschen aufzeigen

- die Innovationskraft der Wirtschaft stärken

- die Vermarktung als Gründungsstandort aufbauen, etc.

  • Größe des Netzwerks

Unseren Untersuchungen nach ist die Größe des Netzwerks nicht entscheidend für deren Erfolg. Allerdings ist es wichtig, möglichst viele der themenrelevanten Partner vor Ort einzubinden – in ländlichen Regionen sind diese erfahrungsgemäß weniger zahlreich als in größeren Städten. Je größer das Netzwerk am Ende ist, desto mehr Arbeit muss in die interne Organisation investiert werden.

  • Entscheidungsstrukturen

Insbesondere bei den größeren Netzwerken mit mehr als 20 Mitgliedern hat sich die Einrichtung einer gesonderten Steuerungsgruppe als praktikabel erwiesen, die Entscheidungen vorbereitet oder eine strategische Richtung vorgibt.

  • Rechtsform

Nur in Ausnahmefällen haben die bestehenden und von uns befragten Netzwerke eine Rechtsform, z. B. eines eingetragenen Vereins. Die Entscheidung darüber hängt ab von der Trägerstruktur, der Finanzierung und den geplanten Maßnahmen des Netzwerks.

  • Koordinierungsstelle/ Träger

Organisatorisch ist es sinnvoll, das Netzwerk (zunächst) bei einer Einrichtung, wie beispielsweise Wirtschaftsförderungen, Technologie- und Innovationszentren oder Gründungsbüros von Hochschulen anzugliedern und von hier aus zu steuern.

  • Turnus der gemeinsamen Treffen

Zum Start der Netzwerkarbeit sind häufigere Treffen wichtig, um das Reglement und Grundsätzliches zu klären. Danach ist die Häufigkeit der Treffen unter anderem davon abhängig, ob man auch unabhängig von der Netzwerkarbeit in regelmäßigem Austausch steht oder ansonsten keine inhaltlichen Schnittstellen hat. Auch der Aufwand für die Treffen ist zu bedenken, dieser lässt sich aber durch abgestimmte Tagesordnungen, eine gute Moderation oder durch die Unterstützung technischer Tools wie z. B. Skype-Konferenzen oder anderer Projektmanagement-Tools verringern.

  • Finanzierung

Es gibt unterschiedliche Modelle, wie sich Gründungsnetzwerke finanzieren. Neben regelmäßigen Netzwerkbeiträgen der Mitglieder (pauschal oder größenabhängig) sind auch projektbezogene Beiträge, z. B. für größere Veranstaltungen, denkbar. Diese können geringer ausfallen, wenn sich die städtische oder Landesverwaltung an den Kosten beteiligt. Bei größeren Ausgaben kann auch die Unterstützung durch monetäres oder Sach-Sponsoring von regionalen Unternehmen hilfreich sein.

  • Umgang mit neuen Mitgliedern und kommerziellen Anbietern

Von Anfang an sollte geklärt sein, wie mit neuen Mitgliedern umgegangen wird. Empfehlenswert ist es, einen inklusiven Ansatz zu verfolgen und alle Interessenten, die inhaltlich mit den Zielen des Netzwerks konform gehen, auch zu involvieren. Ausschlaggebend sollte immer der Nutzen für den Gründer sein.

Ebenfalls ein wichtiges Thema ist der Umgang mit kommerziellen Anbietern innerhalb der Gründerszene – zum Beispiel Berater –, da die meisten Netzwerke ihr Angebot möglichst niedrigschwellig und kostenfrei halten wollen. Ein mögliches Modell ist es, Berater zwar nicht als feste Partner in das Netzwerk mit aufzunehmen, sie aber bei einzelnen Veranstaltungs- und Beratungsangeboten einzubeziehen. Gleiches empfiehlt sich im Umgang mit Banken, Versicherern, etc.

  • Kontakt zu etablierten Unternehmen der Region

Interessant für die Gründer können auch Kooperationen mit dem Mittelstand der Region sein, insbesondere wenn es sich um innovative, technologische Gründungen handelt. Wir bieten seit einiger Zeit Workshops an, bei denen sich Mittelständler und Startups treffen und kennenlernen können. Melden Sie sich gerne bei uns, wenn Sie daran Interesse haben sollten.

 

Weil es bereits Netzwerke gibt, die seit vielen Jahren erfolgreich arbeiten, empfehlen wir Ihnen einen Blick auf unsere Übersichts-Karte. Dort finden Sie Gründungsnetzwerke, bei denen Sie Ratschläge und Erfahrungsberichte einholen können.

Außerdem finden Sie auf unserem Blog Beiträge über die Netzwerke in Berlin, Hildesheim und Mainz.

Schritt 4: Gemeinsame Maßnahmen planen

Gemeinsame Maßnahmen zu planen ist der hauptsächliche Mehrwert eines Gründungsnetzwerks. Durch in Kooperation organisierte Veranstaltungen und Beratungsangebote können die Partner Ressourcen bündeln und gegebenenfalls einsparen. Die Gründer wiederum haben den Nutzen, Informationen zentral und direkt von den richtigen Ansprechpartnern zu erhalten.

Denkbar sind unterschiedlichste Modelle der Zusammenarbeit, z. B. ein gemeinsamer Beratungssprechtag in Kooperation von Wirtschaftsförderung und Bankberatern, ein Workshop für Studierende mit Gründungsinteresse, bei der die IHK Kontakte zu etablierten mittelständischen Unternehmen vermittelt und so einen Einblick in den unternehmerischen Alltag ermöglicht, ein Pitch-Event, bei dem Business Angels neue Geschäftsmodelle kennenlernen können, ein Finanzierungsworkshop mit Bankvertretern, bei dem ein Crowdfunding-Experte über alternative Finanzierungsmöglichkeiten informiert, etc.

Die Möglichkeiten sind vielfältig und abhängig von den jeweiligen Gegebenheiten und Partnerstrukturen vor Ort. Die Zusammenarbeit lohnt sich – insbesondere für die Gründer, denen dadurch zusätzliche Wege erspart bleiben.

Ein paar Beispiele für erfolgreiche Maßnahmen bestehender Netzwerke:

Weitere Maßnahmen und Formate der Netzwerke:

  • Informationsveranstaltungen
  • Gründermessen
  • Vernetzungsveranstaltungen für Gründer, z. B. Gründerfrühstück, Gründerstammtisch
  • Beratungen
  • Flyer und Broschüren mit gebündelten Informationen zu den Partnern und den jeweiligen Ansprechpartnern
  • Betreuung von Gründerteams an Hochschulen bzw. Unterstützung bei EXIST-Anträgen
  • Schnittstelle zu Gründerwettbewerben
  • Fachworkshops zu gründungsspezifischen Themen

Wenn Sie nun ein gemeinsames Programm konzipiert haben, geht es im nächsten Schritt darum, dies auch nach außen zu kommunizieren, um gründungsinteressierte Menschen in Ihrer Region anzusprechen und einzuladen. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich gleichzeitig Gedanken über den Außenauftritt und Kommunikationsmaßnahmen zu machen.

Schritt 5: Außendarstellung

Gründungsnetzwerke sind um Sichtbarkeit auf mehreren Ebenen bemüht:

  • Sichtbarkeit des Themas Gründung in der Öffentlichkeit,
  • Sichtbarkeit der Angebote für Gründungsinteressierte,
  • Sichtbarkeit der Partner und ihrer Ansprechpartner nach Außen,
  • nicht selten auch die Sichtbarkeit in Richtung Politik, um dort Aufmerksamkeit zu erzeugen und bessere Rahmenbedingungen für Gründungen zu bewirken.

Das Thema der Außendarstellung ist deshalb für alle Netzwerke von großer Bedeutung. Alle befragten Netzwerke verfügen über eine Online-Präsenz, meist eine eigene Webseite oder eine Unterseite auf der Webseite der koordinierenden Institution, auf der die Partner, Veranstaltungen und sonstige Angebote präsentiert werden.

Für den einheitlichen Außenauftritt ist eine starke Marke mit Wiedererkennungseffekt für die Gründer Ihrer Region von Vorteil – auch wenn dies bedeutet, dass die einzelnen Partner bei gemeinsamen Veranstaltungen mal in den Hintergrund treten. Für Inspirationen empfehlen wir Ihnen einen Blick auf die Webseiten der Netzwerke B.E.G.IN (Bremen), ThEx (Thüringen) und neugeister (Oberlausitz).

Egal wie Sie Ihre Außenkommunikation gestalten: Wichtig dabei ist vor allem, dass Sie die für sich und Ihre Region passenden Maßnahmen auswählen. Nur so ist gewährleistet, dass die Kommunikation authentisch und wirksam ist und nicht nur zur lästigen Pflicht wird.