Gründungseinstellungen im internationalen Vergleich

Veröffentlicht: 29.08.2018

Projekt: GEM

Zusammenfassung: Chancenwahrnehmung, Angst vor dem Scheitern und die Einschätzung der eigenen Gründungsfähigkeiten können die Gründungsentscheidung beeinflussen.

Die Gründungsentscheidung sowie deren Erfolg werden unter anderem von der Einstellung der Person gegenüber der unternehmerischen Selbstständigkeit mitbestimmt. Zu den wichtigen Determinanten der Gründungsentscheidung im Global Entrepreneurship Monitor zählen

- Die Wahrnehmung von Gründungschancen
- Die Einschätzung der eigenen individuellen Gründungsfähigkeiten
- Angst vor dem Scheitern
- Gründungsabsichten.

Durchschnittlich sehen 40 Prozent der Bürger in innovationsbasierten Ländern gute Chancen für die Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit. Die Einschätzung von Gründungschancen variiert jedoch stark zwischen den Ländern von 28,8 Prozent in Italien (Platz 46/52) über 42 Prozent in Deutschland (Platz 32/52) bis hin zu 79,5 Prozent in Schweden (Platz 1/52). In Deutschland hat sich dieser Wert in den vergangenen Jahren deutlich erhöht und ist 2017 so hoch wie noch nie seit Beginn des GEM im Jahr 1999. Das Ergebnis macht durchaus Hoffnung auf steigende Gründungsquoten.

In Deutschland bestehen jedoch deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Männer nehmen in Deutschland die Gründungschancen statistisch signifikant positiver wahr als Frauen (48 Prozent vs. 35 Prozent positive Wahrnehmung bei Männern bzw. Frauen). Dieses Ergebnis trifft 2017 mit Ausnahme von drei asiatischen Ländern (Japan, Taiwan, Katar) für alle anderen GEM-Länder ebenfalls zu.

Hinsichtlich der Einschätzung eigener Gründungsfähigkeiten belegt Deutschland hingegen den 47. Platz. Lediglich 37 Prozent der befragten Personen sind der Ansicht, dass sie ausreichendes Fachwissen und die notwendigen Fähigkeiten für die Gründung eines Unternehmens haben. Auch bezüglich der Wahrnehmung der eigenen Gründungsfähigkeiten existieren auffällige Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Männer sind häufiger als Frauen der Überzeugung, die notwendigen Fähigkeiten und Erfahrungen zu besitzen (44 Prozent vs. 31 Prozent). Dies trifft – mit Ausnahme von Israel – auf alle anderen innovationsbasierten GEM-Länder ebenfalls zu.

Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland unterdurchschnittlich ab (Durchschnittswert für innovationsbasierte Länder 43 Prozent). Insbesondere die Bürger aus Kanada, USA und Slowenien glauben am meisten, dass sie die benötigten Gründungsfähigkeiten besitzen. Eine wichtige Variable in diesem Zusammenhang ist außerdem die persönliche Kenntnis einer anderen Gründerperson. Eine persönliche Beziehung zu anderen Gründern oder Gründerinnen kann die individuelle Gründungsentscheidung positiv beeinflussen.

In Bezug auf die Gründungsabsichten gibt es ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen den innovationsbasierten Ländern. Durchschnittlich geben 15,2 Prozent der Bürger an, in den nächsten drei Jahren ein Unternehmen  gründen zu wollen. In Deutschland und Ländern wie beispielsweise Großbritannien, Schweden und Holland  liegt der Anteil der Bürger mit einer Gründungsabsicht lediglich zwischen 7 und 8 Prozent. Grund hierfür ist ein boomender Arbeitsmarkt mit einer Vielzahl an attraktiven Stellen bei etablierten Unternehmen. Trotz der positiven Einschätzung der eigenen persönlichen Gründungsfähigkeiten entscheidet sich der überwiegende Teil deshalb gegen die Gründung eines eigenen Unternehmens.

Die Angst vor dem Scheitern ist ebenfalls ein großer Hemmfaktor bezüglich der Nutzung von Marktchancen und der tatsächlichen Umsetzung von Gründungabsichten. 36,3 Prozent der Deutschen würde die Angst vor dem Scheitern von einer Gründung abhalten.

Die größte Angst vor dem Scheitern bestand bei Befragten in Italien (49,4 Prozent), Israel (48 Prozent) oder Kanada (43,8 Prozent). Im Gegensatz dazu wurden die niedrigsten Werte in der Schweiz (29,5 Prozent), Holland (29,7 Prozent), Estland und Slowenien (31,8 Prozent) ausgemacht.

Im Global Entrepreneurship Monitor wurden auch gesellschaftliche Werte in Hinblick auf unternehmerisches Handeln berücksichtigt. Die Mehrheit der Bürger aus Ländern wie Holland, Kanada und USA sieht die Unternehmensgründung im Gegensatz zu Volkswirtschaften wie beispielsweise Korea oder Schweiz als eine gute berufliche Wahl. In Deutschland bewertet nur etwas mehr als die Hälfte der Bürger eine selbständige Tätigkeit als positiv. Dieser Wert liegt unter dem Durchschnitt (57 Prozent) der innovationsbasierten Länder.

Etwas höheres Ansehen genießen etablierte Unternehmen in Deutschland. Hier belegt Deutschland den 8. Platz aller befragten GEM-Länder. Dagegen ist das Medieninteresse, im Hinblick auf die Berichterstattung über unternehmerische Aktivitäten, in Deutschland mit 49,5 Prozent deutlich geringer als in anderen innovationsbasierten Ländern (62,3 Prozent).


Dr. Natalia Gorynia-Pfeffer

Dr. Natalia Gorynia-Pfeffer

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universität Hannover hat das RKW Kompetenzzentrum den ersten gemeinsamen Global Entrepreneurship Monitor 2017/2018 zur Lage des Unternehmertums in Deutschland veröffentlicht. Er zeigt sowohl Gründungsaktivitäten und -einstellungen als auch gründungsbezogene Rahmenbedingungen in Deutschland auf.