Digitale Vorreiter aus dem europäischen Norden – ein Blick auf das Gründerökosystem Estlands

Veröffentlicht: 01.12.2017

Projekt: Gründungsnetzwerk

Zusammenfassung: Im Rahmen der Teilnahme am Startup Nations Summit im November 2017 konnten wir spannende Einblicke in die Gründerszene Estlands erhalten.

  • 2014 wurde die Estonian Entrepreneurship Growth Strategy 2020 entwickelt. Sie ist der wichtigste strategische Maßnahmenplan für die estnische Wirtschaft für die Zeit bis zum Jahr 2020 und konzentriert sich auf drei große Herausforderungen, um den Wohlstand von Estland zu erhöhen:
    • Steigerung der Produktivität,
    • Förderung der unternehmerischen Tätigkeiten im Land,
    • Förderung von Innovationen.
  • Estland ist seit 2014 Mitglied der Gruppe Digital 5/D5. Die Gruppe besteht neben Estland aus Israel, Neuseeland, Südkorea und England und hat sich den Zielen verpflichtet, die digitale Wirtschaft zu stärken und durch die Anwendung von gemeinsamen Standards und open-source Software die Beziehung zwischen Regierung und Technologie zu verändern.
  • Für Nicht-Europäer besonders spannend dürfte das Programm „e-Residency“ sein: Digitale Bürger profitieren damit nicht nur von den digitalen Angeboten Estlands, sondern erhalten auch für ihre Unternehmen Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Schon ca. 27.000 Personen und über 4.000 Unternehmen konnte das Land so für sich gewinnen.
  • Startup Estonia ist ein Projekt des Wirtschaftsministeriums und wurde bisher von zwei verschiedenen öffentlichen Organisationen umgesetzt: von 2011-2014 durch Enterprise Estonia und ab 2014 durch Estonian Development Fund. Die Organisation konzentriert sich auf die Schaffung eines starken Gründerökosystems. Statt direkte finanzielle Förderung zu vergeben hilft Startup Estonia dabei, qualitativ hochwertige Dienstleistungen für junge Unternehmen zu etablieren. Startup Estonia fokussiert sich dabei auf 4 Kernthemen:
    • „Strong Ecosystem“: Entwicklung des Gründerökosystems
    • „Smart People“: Verbesserung der unternehmerischen Fähigkeiten, z. B. durch speziell auf Startups ausgerichtete Trainingsprogramme sowie Entrepreneurship Education an Universitäten
    • „Friendly Regulation“: gesetzliche Rahmenbedingungen, die Neu-Gründungen vereinfachen
    • „Smart Money“: Finanzierung (Aufsetzen von Accelerator Funds sowie Unterstützung der Weiterentwicklung der Business Angels Szene).

Startup Estland sucht proaktiv den Kontakt zu Gründern, um herauszufinden, an welchen Stellen des Gründerökosystems Handlungsbedarf herrscht und der Gesetzgeber aktiv werden muss.
Mit der Hilfe von Startup Estonia wurden drei Acceleratoren in Nischen-Branchen gestartet, darunter Gamefounders, der erste Online-Gaming-Accelerator in Europa.

  •  Im Schulwesen wurde das übergeordnete Thema „Technologie und Innovation“ etabliert. Damit soll erreicht werden, dass Lehrer mehr Technologie in ihrem Unterricht einsetzen – sei es im Mathematik-, Musik- oder Sprachunterricht. Die Art der Technologie wird nicht vorgegeben sondern obliegt den Präferenzen des jeweiligen Lehrers.
    • Vorschul-Lehrer nutzen LEGO WeDo, Kodu Game Lab, spezielle Apps und Programme um Animation zu erstellen.
    • In der Grundschule werden z.B. Kodu Game Lab, Logo MSW, Scratch, LEGO Mindstorms EV3 verwendet sowie ausgewählte Apps und Programme zur Vermittlung von Lehrinhalten der Fächer Musik, Mathematik, Physik und Biologie.
    • In höheren Klassenstufen werden verschiedene Programmiersprachen unterrichtet (Python, JavaScript etc.), es wird mit 3D-Grafiken und Robotern gearbeitet und die Schüler haben die Möglichkeit, Spiele, Webseiten und Apps zu programmieren.
  • Das Startup Visa Programm, das im Jahr 2017 etabliert wurde, richtet sich an Gründer mit innovativen und skalierbaren Geschäftsmodellen aus nicht-EU-Staaten, die gerne Teil der kleinen aber äußerst lebhaften Gründerszene Estlands werden wollen. Auch das Anwerben talentierter Mitarbeiter für bestehende Startups in Estland wird mit dem Visa Programm deutlich erleichtert.