In dieser Artikelreihe beschäftigen wir uns mit den verschiedenen Phasen der Entrepreneurial Journey. Nach Beiträgen zur Orientierungs-, Gründungs- und Aufbauphase schließt die Reihe mit der Betrachtung der Wachstums- bzw. Scale-up-Phase ab. Ziel der Artikelreihe ist es, sowohl die zentralen Aufgaben von Gründerinnen und Gründern in den jeweiligen Phasen als auch passende Unterstützungsangebote im regionalen und überregionalen Startup- oder Gründungsökosystem sichtbar zu machen.

Grundlage ist das RKW-Tool „Startup Ecosystem Pathfinder“ (StEP). Es beschreibt eine idealtypische Abfolge von Aufgaben entlang der Entrepreneurial Journey (Startup Tasks) sowie unterstützende Angebote des Ökosystems (Ecosystem Features). Die einzelnen Phasen sind durch sogenannte Stage Gates voneinander getrennt, die den Übergang in die nächste Entwicklungsstufe markieren. Das StEP-Tool unterstützt Akteure dabei, Unterstützungsleistungen gezielt aufeinander abzustimmen und Startups wirksam zu begleiten. Es wurde gemeinsam mit der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH entwickelt.

Wachstumsphase im Gründungsprozess – worum geht es?

Ein überdurchschnittliches Wachstum von Startups wird als Skalierung bezeichnet. Als Richtwert gelten dabei Wachstumsraten von mehr als 20 Prozent bei Umsatz oder Mitarbeitenden über drei aufeinanderfolgende Jahre. Ab einer Beschäftigtenzahl von etwa 50 Mitarbeitenden wird häufig auch von einem Scale-up gesprochen. Voraussetzung für dieses Wachstum ist in der Regel eine steigende Kundenzahl sowie die Expansion in internationale Märkte. Strategische Allianzen, Fusionen oder Übernahmen können dabei helfen, neue Märkte zu erschließen und Skaleneffekte zu realisieren. Gleichzeitig rückt die Ausrichtung auf Profitabilität stärker in den Fokus. Die kontinuierliche Optimierung von Kernprozessen wird zu einer zentralen Aufgabe des Managements.

Die Bewältigung schnellen Wachstums stellt viele Unternehmen vor große Herausforderungen. Häufig gehen damit Change-Prozesse im Management und in der Organisation einher. Zudem rücken langfristige Perspektiven in den Blick, etwa ein möglicher Exit durch Unternehmensverkauf oder Börsengang. Ziel der Entrepreneurial Journey ist der Aufbau eines Unternehmens, das den Zustand der Reife erreicht.

Welche Aufgaben stehen in der Wachstumsphase an?

In der Wachstumsphase gewinnt zunächst der Ausbau der Reputation an Bedeutung. Eine starke Marke und erhöhte Sichtbarkeit tragen dazu bei, neue Kundinnen und Kunden zu gewinnen und Vertrauen bei Partnern, Investoren und Talenten aufzubauen. Darauf aufbauend wird die Marktposition gestärkt, indem die Kundenbasis gezielt erweitert und bestehende Märkte weiter durchdrungen werden.

Mit zunehmender Unternehmensgröße wird auch die Profitorientierung wichtiger. Die Geschäftstätigkeit wird konsequent auf nachhaltige Gewinne ausgerichtet, um finanzielle Stabilität und Unabhängigkeit zu sichern. Häufig geht dies mit der Sicherung weiterer Finanzierungsrunden einher, etwa durch eine Series-B-Finanzierung oder weitere Kapitalaufnahmen, um Wachstum zu ermöglichen.

Weitere Strategische Maßnahmen sind zu diesem Zeitpunkt relevant. Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions) können eingesetzt werden, um Marktanteile auszubauen, Kompetenzen zu ergänzen oder neue Technologien zu integrieren. Ergänzend werden strategische Partnerschaften aufgebaut, die als Hebel für weiteres Wachstum dienen.

Ein zentraler Faktor ist die Umsetzung von Operational Excellence (OpEx). Prozesse werden kontinuierlich optimiert, standardisiert und skaliert, um Effizienz und Qualität auch bei wachsender Komplexität sicherzustellen. Am Ende der Wachstumsphase kann die Vorbereitung eines Exits stehen – etwa durch einen Trade Sale, einen Börsengang (IPO) oder einen Rückkauf von Anteilen.

Welche Unterstützung bietet das Gründungsökosystem?

In der Wachstumsphase sind Unterstützungsangebote gefragt, die Skalierung, Internationalisierung und strategische Entscheidungen begleiten. Skalierungsprogramme bündeln unterschiedliche Unterstützungsleistungen und fungieren häufig als Brücke zu einem möglichen Exit. Sie bieten gezielten Support für Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial.

Ergänzend tragen Venture-Capital- und Private-Equity-Angebote zur Finanzierung weiterer Wachstumsphasen bei, insbesondere im Rahmen von Series-B- oder späteren Finanzierungsrunden. Delegationsreisen unterstützen die Internationalisierung, indem sie globale Marktzugänge eröffnen und den Aufbau internationaler Geschäftsbeziehungen erleichtern. Beim Zugang zu internationalen Talentpools können solche Angebote ebenso helfen. Des Weiteren unterstützen Recruiting-Plattformen Unternehmen dabei, qualifizierte Fachkräfte für den weiteren Ausbau des Teams zu gewinnen. Die globale Verteilung von Mitarbeitenden spielt eine zunehmende Rolle, um sicherzustellen, dass Unternehmen unabhängig von lokalen Marktveränderungen wachsen können.

Industrienetzwerke und Cluster-Initiativen erleichtern den Austausch mit etablierten Unternehmen und fördern Kooperationen innerhalb spezifischer Branchen. Mit zunehmender Unternehmensreife rücken zudem M&A-Beratungen sowie spezialisierte Exit-Beratungen in den Fokus. Sie begleiten Fusionen, Übernahmen, Börsengänge oder Unternehmensverkäufe und unterstützen Startups dabei, strategische Optionen professionell zu prüfen und umzusetzen.

Die Zielgerade der Entrepreneurial Journey

Die Wachstumsphase ist eine Art Zielgerade der Entrepreneurial Journey. Hier erfolgt der Übergang vom Startup zu einem reifen Unternehmen. Dieses Level ist erreicht, wenn das Unternehmen nachhaltig wächst, stabile Strukturen etabliert sind und die Organisation in der Lage ist, auch komplexe Wachstumsprozesse erfolgreich zu steuern.

Idealtypische Zielpunkte sind der Verkauf an einen internationalen Konzern oder die Etablierung eines eigenständigen, international wettbewerbsfähigen Unternehmens. Aus volkswirtschaftlicher Perspektive ist es dabei sinnvoll, wenn ein Großteil der Wertschöpfung langfristig am Unternehmensstandort verbleibt. Für ein Startup-Ökosystem ist es außerdem von großer Bedeutung, dass Gründerinnen und Gründer ihre Erfahrungen, die sie entlang der Entrepreneurial Journey gemacht haben, wieder aktiv einbringen, zum Beispiel als beratende oder investierende Personen oder sich als Serial Entrepreneur selbst noch einmal auf den Weg machen, um das nächste Unternehmen aufzubauen.  

Mit diesem Artikel endet die Reihe. Es wurde aufgezeigt, wie sich Aufgaben und Unterstützungsbedarfe entlang der einzelnen Phasen verändern – von der ersten Orientierung bis zur Skalierung. Eine gut abgestimmte Unterstützung durch das Startup-Ökosystem kann dabei entscheidend dazu beitragen, die Entrepreneurial Journey erfolgreich zu gestalten.

 

>> Zu Teil 1 - Orientierungsphase in der Gründung: Der Startpunkt der Entrepreneurial Journey

>> Zu Teil 2 - Gründungsphase der Entrepreneurial Journey: Von der Idee zur formellen Gründung

>> Zu Teil 3 - Aufbauphase der Entrepreneurial Journey: Strukturen festigen und Wachstum vorbereiten

>> Zu weiteren Informationen zum RKW-Tool "Startup Ecosystem Pathfinder"

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