In den kommenden Wochen veröffentlichen wir regelmäßig Online-Beiträge, die sich vertiefend mit den vier Phasen der Entrepreneurial Journey befassen: der Orientierungs-, Gründungs-, Aufbau- und Wachstumsphase. Ziel der Artikelreihe ist es, sowohl die zentralen Aufgaben und Fragestellungen von Gründerinnen und Gründern als auch passende Unterstützungsangebote im regionalen Startup-Ökosystem innerhalb einer Phase sichtbar zu machen. Dieser Beitrag bildet den Auftakt.
Grundlage ist das RKW-Tool „Startup Ecosystem Pathfinder“ (StEP), das eine idealtypische Abfolge von Aufgaben (sog. Startup tasks) entlang der Entrepreneurial Journey sowie zugehörige Unterstützungsleistungen im Startup-Ökosystem (sog. Ecosystem features) skizziert. Zwischen den Phasen liegen sog. Stage Gates, welche die Voraussetzung für den Übergang in die nächste Phase definieren. Bei der Anwendung des Tools steht die Frage im Fokus, wie Unterstützungsaktivitäten besser aufeinander abgestimmt werden können, um Startups entlang ihrer Gründung wirksam zu begleiten. Das Tool dient als Orientierungshilfe, um Transparenz zu schaffen und Akteure im Gründungsökosystem gezielt zu vernetzen.
Orientierungsphase im Gründungsprozess – worum geht es?
Die Orientierungsphase der Gründung, häufig auch als Pre-Seed-Phase bezeichnet, markiert den Startpunkt der Entrepreneurial Journey. Sie ist geprägt von großem Engagement der Gründerinnen und Gründer, aber auch von vielen offenen Fragestellungen und ersten Suchbewegungen, die zu Unsicherheit führen können. Der Ausgangspunkt ist eine Idee oder der Wunsch, ein konkretes Problem unternehmerisch zu lösen.
Welche Aufgaben stehen in der Orientierungsphase der Gründung an?
Eine zentrale Aufgabe in dieser Phase besteht darin, das zugrunde liegende Kundenproblem klar zu definieren: Welches Problem soll das geplante Produkt oder die Dienstleistung lösen? Ebenso wichtig ist die Identifikation potenzieller Kundengruppen. Gründerinnen und Gründer setzen sich frühzeitig mit den Bedürfnissen ihrer Zielgruppe auseinander und prüfen, inwieweit diese Erkenntnisse die eigene Geschäftsidee tragen oder weiterentwickeln.
Da Startups häufig technologie- und innovationsorientiert sind, spielen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten bereits in der Orientierungsphase eine wichtige Rolle. Ein zielgerichteter Technologietransfer kann entscheidend dazu beitragen, Ideen in marktfähige Lösungen zu überführen. Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen übernehmen hierbei eine zentrale Funktion. Insbesondere bei wissens- und forschungsbasierten Spin-off-Gründungen ist es wichtig, den Umgang mit Intellectual Property – also geistigem Eigentum – frühzeitig zu klären und rechtliche Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.
Darüber hinaus stellt sich die Frage nach dem Gründungsteam. Gründerinnen und Gründer sollten prüfen, ob und in welchem Umfang eine Erweiterung des Teams sinnvoll ist, um fehlende Kompetenzen zu ergänzen. Der Aufbau erster Kontakte im Startup-Ökosystem unterstützt diesen Prozess und eröffnet neue Perspektiven.
Typische Herausforderungen der Orientierungsphase sind unklare Prioritäten, begrenzte finanzielle Ressourcen sowie geringe Marktkenntnisse. Die Finanzierung erfolgt in der Pre-Seed-Phase häufig durch eigenes Kapital oder Mittel aus dem persönlichen Umfeld, etwa durch Familie und Freunde. Parallel dazu sollten Gründerinnen und Gründer verfügbare Fördermöglichkeiten sichten und geeignete Programme identifizieren.
Welche Unterstützung bietet das Gründungsökosystem?
Gerade in der frühen Phase des Gründungsprozesses ist eine niedrigschwellige Orientierungsberatung für gründungsinteressierte Personen von zentraler Bedeutung. Ein verlässlicher und gut auffindbarer Ansprechpartner im regionalen Umfeld hilft dabei, unternehmerische Herausforderungen einzuordnen und nächste Schritte zu strukturieren. Angebote der Entrepreneurship Education, die unternehmerische Kompetenzen vermittelt und Gründungschancen sichtbar macht, kann Orientierung bieten.
Darüber hinaus leisten Coworking-Spaces, Austauschformate und Netzwerkveranstaltungen einen wichtigen Beitrag. Sie bieten Arbeitsräume, fördern den Austausch mit anderen Gründerinnen und Gründern und erleichtern den Zugang zum Startup-Ökosystem. Auch der Rückgriff auf passende Förderprogramme kann dazu beitragen, finanzielle Engpässe von angehenden Startups zu überbrücken und außerdem die persönliche Absicherung in der Orientierungsphase unterstützen.
Diversity-Maßnahmen sind ebenso von Bedeutung, denn sie helfen dabei, Gründerinnen, Menschen mit Migrationsgeschichte und andere unterrepräsentierte Gruppen, gezielt zu unterstützen und tragen so zu einem offenen und inklusiven Startup-Ökosystem bei.
Übergang von der Orientierungsphase zur Gründungsphase
Der Übergang von der Orientierungsphase in die Gründungsphase - also Stage Gate 1 - ist erreicht, wenn eine Lösung für das zentrale Problem klar erkannt ist, erste Kenntnisse über potenzielle Kundinnen und Kunden vorliegen und die Bereitschaft besteht, die formale Gründung anzugehen. In der nächsten Phase geht es darum, diese Grundlagen weiter zu konkretisieren und die Geschäftsidee systematisch in ein tragfähiges Geschäftsmodell zu überführen.
Im Online-Beitrag in der nächsten Woche wird die Gründungsphase vertiefend besprochen.
>> Zu weiteren Informationen zum RKW-Tool "Startup Ecosystem Pathfinder"
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- © RKW Kompetenzzentrum – Ausschnitt StEP-Leitfaden "Orientierungsphase" (Step_LF_Orientierungsphase.png)
