Gehaltstransparenz ist wichtig für Mitarbeiterinnen
Bis zum 7. Juni 2026 sollte es vorliegen – das Gesetz mit dem sperrigen Titel „Entgelttransparenzgesetz“. Bereits 2023 hatte die EU den entsprechenden Beschluss gefasst, die Bundesregierung hätte ihn fristgerecht in nationales Recht umsetzen müssen.
Gehaltstransparenz? Genießt unter manchen Unternehmen nicht unbedingt einen guten Ruf, denn es beinhaltet bürokratischen Aufwand. Aus Sicht von Frauen hingegen könnte es ein Gamechanger sein. Beispiel Belgien: Hier sind Firmen ab 50 Beschäftigten verpflichtet, alle zwei Jahre einen Gender-Pay-Gap-Report zu veröffentlichen. Der Gender Pay Gap - also die Lohnlücke zwischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern - liegt dort nur noch bei 0,7 Prozent.
In Deutschland klaffen Gehälter weiter auseinander
In Deutschland hingegen klaffen die Gehälter von Männern und Frauen weit auseinander. Der Gender Pay Gap beträgt 16 Prozent. Das bedeutet, Frauen verdienen einen durchschnittlichen Bruttostundenlohn von 22,81 Euro, Männer 27,05 Euro. Ein Großteil der Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen lässt sich durch Einflussfaktoren wie Arbeitszeit, Branche, Berufsgruppe, Unternehmensgröße oder sogar das Bundesland erklären. Denn viele Frauen entscheiden sich für schlecht bezahlte Berufe im sozialen Bereich.Trotzdem bleiben nach Herausrechnung aller Faktoren noch 6 Prozent Lohnunterschied.
Erschreckend: Junge Frauen erwarten schlechtere Bezahlung
Eine Studie des DIW macht deutlich, dass Frauen bereits mit weniger Gehalt rechnen! Abiturientinnen gehen davon aus, dass sie mit 35 Jahren im Vollzeitjob mit einem Hochschulstudium fast 16 Prozent weniger Gehalt haben werden als Männer. Also genau den momentanen Gender Pay Gap.
Das ist besonders deprimierend: Wenn Frauen bereits mit geringeren Erwartungen in Gehaltsverhandlungen gehen, bekommen sie tatsächlich am Ende ein niedrigeres Gehalt - der Gender Pay wird immer weiter fortgeführt.
Das niedrigere Gehalt wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung
Beim Berufseinstieg kommt es wie erwartet: Bei gleichem Bildungs- und Erfahrungshintergrund starten Frauen mit einem geringeren Gehalt als ihre männlichen Kollegen. Das zeigt der Stepstone Gehaltsreports 2024. Männer erhalten in den ersten drei Berufsjahren bei Vollzeitbeschäftigung ein durchschnittliches Bruttogehalt von 40.250 Euro - Frauen lediglich 37.500 Euro.
Frauen verhandeln seltener und weniger routiniert
Frauen gehen oft mit niedrigeren Erwartungen in Verhandlungen und haben wenig Erfahrung darin – viele haben es schlicht nicht gelernt, es fehlen Mut und Sicherheit. Nicht selten wird daher das erste Gehaltsangebot des Unternehmens akzeptiert. Im Laufe ihrer Karriere fragen Frauen seltener nach Gehaltserhöhungen, eine Umfrage von You Gov zeigt: Männer trauen sich häufiger als Frauen, nach mehr Geld zu fragen. Bei Frauen sind es 33 Prozent, bei den Männern hingegen 45 Prozent.
Mit zunehmender Berufserfahrung steigen die Gehaltsunterschiede weiter
Ein Grund für steigende Gehaltsunterschiede wird der „Nachteil der Mütter“ genannt. Das IAB sieht einen wichtigen Grund beim Zusammenhang zwischen Verdienst und der Flexibilität der Beschäftigten. Höher bezahlte Stellen – auch Führungspositionen - erforderten mehr Flexibilität bei Arbeitszeit und Mobilität. Je höher die Anforderungen an die Flexibilität in den Stellenausschreibungen, umso mehr steige der Anteil der männlichen Bewerbungen. Im Mittel bewarben sich beispielsweise nur 30 Prozent Frauen auf Stellen mit häufigen Dienstreisen und wechselnden Arbeitsorten. Besonders gilt das für Mütter.
Junge Frauen sind top ausgebildete Fachkräfte
Dabei haben junge Frauen bei der schulischen und beruflichen Bildung die Männer bereits überholt: Von den knapp 260.000 Abiturienten 2023 waren 55 Prozent weiblich und 45 Prozent männlich. Ähnlich sieht es bei den Hochschulabsolventen aus, von den rund 500.000 Abschlüssen im Jahr entfielen 53 Prozent auf Frauen und nur 47 Prozent auf Männer. Zeit also, die vielen gut ausgebildeten weiblichen Fachkräfte richtig anzusprechen.
Wie können KMUs Mitarbeiterinnen gewinnen?
Generell lautet das Erfolgsrezept für Unternehmen: Flexibilität, Flexibilität, Flexibilität. Für 66 Prozent der Frauen ist Flexibilität der wichtigste Faktor bei der Stellensuche, das besagt eine forsa Umfrage für Xing. Zwei der meistgenannten Wünsche von Frauen lauten „flexible Arbeitszeitgestaltung“ mit 66 Prozent und „mehr Gehalt“ mit 58 Prozent. KMUs, die in auf diesen beiden Kriterien eingehen, sind klar im Vorteil.
Erstens: Richtige Schwerpunkte und Wortwahl in der Stellenanzeige
Der Stepstone Gehaltsreport macht deutlich, was Bewerberinnen in Stellenanzeigen lesen möchten: An erster Stelle „Angaben zu flexiblen Arbeitszeiten und -modellen (91 Prozent & 89 Prozent), und zweitens „Angaben von Gehältern oder von Benefits wie Kinderbetreuung“ (jeweils 83 Prozent). Also sollten KMU diese Informationen unbedingt liefern!
Wichtig sind auch die richtigen Formulierungen inStellenanzeigen, denn manche Ausdrücke/Wörter sprechen Frauen und Männer – oft unterbewusst - unterschiedlich an. Wird ein „ambitioniertes und leistungsstarkes Teammitglied‘ gesucht, identifizieren sich tendenziell Männer mit der Stelle. Sobald ein „engagiertes und talentiertes Teammitglied“ daraus wird, zahlt die Formulierung eher auf Frauen ein.
Zweitens: Flexibilität beim Zuschnitt der Position
Wie kann eine Position möglichst flexibel gestaltet werden? Ein Thema bei dem Unternehmen punkten können. Bei Bürojobs, die oft im Homeoffice erledigt werden können, ist das natürlich leichter. Prinzipiell gibt es jedoch bei jeder Position und in jeder Branche Flexibilisierungsmöglichkeiten. Ob es extra „Eltern-Touren“ zu späteren Arbeitszeiten in einem Verkehrsbetrieb sind oder ein Homeoffice Tag in der Pflege zur Erledigung der Papierarbeit. Manchmal machen bereits kleine Anpassungen einen Unterschied für potentielle Bewerbende.
Drittens: Gehaltstransparenz und faire Verhandlungen
Transparenz über Gehälter hilft Frauen, die es weniger gewohnt sind, über Geld zu sprechen. Gleichzeitig sind faire Gehaltsverhandlungen auf Augenhöhe für Frauen von großer Bedeutung, denn typischerweise verhandeln Frauen für sich selbst schlechter als Männer. Sie gehen oft nicht so selbstsicher in die Gespräche und verhandeln weniger hart.
Fazit
In Zeiten des Fachkräftemangels benötigen Unternehmen Mitarbeiter jeden Geschlechts. Bei der Ansprache von Frauen gibt es noch einige Stellschrauben, an denen Unternehmen drehen können. Anfangen von den richtigen Formulierungen in Stellenanzeigen, über flexible Arbeitszeiten bis hin zur Gehaltstransparenz.
Quellen:
- DIW Berlin: Bereits kurz nach dem Abitur rechnen Frauen mit niedrigerem Gehalt als Männer
- Ungerechter Arbeitsmarkt: Unternehmen schließen Frauen oft unterbewusst aus | The Stepstone Group
- Flexible Arbeitszeiten: Für viele Frauen Top-Kriterium bei der Jobwahl
- Wie Männer und Frauen sich bei der Jobsuche unterscheiden: Bewerbungsverhalten kann die Hälfte der bereinigten
- Frauen verdienen schon beim Berufsstart weniger als Männer
- © Pakin Songmor / Getty Images – Frau zählt Euro-Banknoten (3765_frau-zaehlt-euro-banknoten.jpg)