Über 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer versammelten sich am 2. November online zum Launch des neuen Academic Entrepreneurship Monitor 2025/26 – Ausgründungen aus der Wissenschaft in Deutschland.
Die Ergebnisse des Berichtes zeigen: Ausgründerinnen und Ausgründer sind jünger, stärker innovations- und internationalisierungsorientiert als Gründerinnen und Gründer insgesamt und messen Künstlicher Intelligenz eine besonders hohe Bedeutung bei. Zudem nehmen sie deutlich häufiger Gründungsberatung in Anspruch und planen öfter, ihre Innovationen durch Patente zu schützen. Datenbasis sind die Befragungen des Global Entrepreneurship Monitors (GEM) Deutschland aus dem Jahr 2025. Der GEM wird jährlich vom RKW Kompetenzzentrum und dem Thünen-Institut für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen erstellt.

Laut den aktuellen Ergebnissen des Academic Entrepreneurship Monitors 2025/26 geben 2,6 Prozent der deutschen Bevölkerung an, ihr Unternehmen aus einer Forschungseinrichtung oder Universität heraus gegründet oder eine solche Gründung geplant zu haben, um zumindest einen Teil des dort geschaffenen Wissens zu verwerten. Das Durchschnittsalter der Ausgründerinnen und Ausgründer liegt bei knapp 30 Jahren. Gründerinnen und Gründer im Allgemeinen sind dagegen im Durchschnitt rund 36 Jahre alt. Auch das familiäre Umfeld spielt eine Rolle: Bei 60 Prozent der Ausgründerinnen und Ausgründer ist oder war mindestens ein Elternteil selbstständig. Unter den übrigen Gründerinnen und Gründern trifft dies lediglich auf knapp ein Drittel zu.

Hauptmotive: Welt verändern und unternehmerische Traditionen fortführen

Die Sicherung des Lebensunterhalts und der Aufbau von Wohlstand gehören bei beiden Gruppen zu den zentralen Gründungsmotiven. Darüber hinaus zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede: Bei den Ausgründerinnen und Ausgründern geben 62 Prozent an, mit ihrem (geplanten) Unternehmen die Welt verändern zu wollen. Unter den Gründerinnen und Gründern insgesamt sind es nur 42 Prozent. Auch die Fortführung einer Familientradition spielt bei Ausgründungen eine größere Rolle: Für die Hälfte der Ausgründerinnen und Ausgründer war dies ein Gründungsmotiv, gegenüber 30 Prozent bei den Gründerinnen und Gründern.

Innovationen im Fokus

Bei den Ausgründerinnen und Ausgründern ist der Anteil derer, die Produkt- oder Dienstleistungsinnovationen (6,2 Prozent) sowie Innovationen bezüglich der eingesetzten Technologien oder Prozesse (5,9 Prozent) anbieten oder anzubieten planen, die eine Neuheit für den Weltmarkt sind, deutlich höher als bei den Gründerinnen und Gründern allgemein (jeweils 3,9 Prozent). Diese vergleichsweise hohe Innovationsorientierung spiegelt sich auch beim Schutz geistigen Eigentums wider: 67 Prozent der Ausgründerinnen und Ausgründer planen, innerhalb der kommenden zwei Jahre Schutzrechte anzumelden. Bei allen Gründerinnen und Gründern beträgt dieser Anteil lediglich 27 Prozent.

Von der Wissenschaft auf internationale Märkte

Auch die internationale Orientierung ist bei Ausgründerinnen und Ausgründern stärker ausgeprägt. Rund 29 Prozent von ihnen weisen eine hohe beziehungsweise geplante hohe Exportintensität auf. Bei den Gründerinnen und Gründern insgesamt sind es rund 17 Prozent. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen nicht nur Wissen in unternehmerische Aktivitäten übertragen, sondern auch ihre Produkte und Dienstleistungen vergleichsweise häufig auf internationale Märkte ausrichten.

Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit sind wichtig

Über die Hälfte der Ausgründerinnen und Ausgründer betrachten Künstliche Intelligenz für ihr Geschäftsmodell und ihre Geschäftsstrategie in den kommenden drei Jahren als „sehr wichtig“. Bei den Gründerinnen und Gründern liegt der Anteil bei rund 33 Prozent. Auch Umweltaspekte finden eine stärkere Berücksichtigung: Rund 72 Prozent der Ausgründerinnen und Ausgründer haben innerhalb des Jahres vor der Befragung Maßnahmen ergriffen, um die Umweltwirkungen ihres Unternehmens zu minimieren. Bei den übrigen Gründerinnen und Gründern waren es dagegen nur 42 Prozent.

Wichtige Impulse aus Gründungsberatung und Entrepreneurship Education

Gründungsberatung wird von Ausgründerinnen und Ausgründern besonders häufig genutzt: Rund 78 Prozent haben eine Beratung in Anspruch genommen – gegenüber rund 40 Prozent bei allen Gründerinnen und Gründern. Ein Grund hierfür liegt in den besonderen Unterstützungsstrukturen im Wissenschafts- und Hochschulumfeld. Potenzielle Ausgründerinnen und Ausgründer haben direkten Zugang zu hochschulischen Gründungszentren, Wissens- und Technologietransferstellen sowie spezifischen Förderangeboten wie EXIST. Auch Entrepreneurship Education spielt eine wichtige Rolle: Rund 70 Prozent der Ausgründerinnen und Ausgründer geben an, dass entsprechende Angebote an Hochschulen für ihre Gründung beziehungsweise geplante Gründung ausschlaggebend waren. Bei den Gründerinnen und Gründern sind es knapp 45 Prozent.

Holger Maus, Leiter des Referats VIIC2 Unternehmensgründungen, Finanzierungs- und Förderberatung im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, betonte während der Launch-Veranstaltung: „Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind ein wichtiger Motor für Innovation, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland. Sie bringen wissenschaftliche Erkenntnisse in die wirtschaftliche Anwendung und schaffen die Grundlage für neue, technologieorientierte Unternehmen. Mit unserer Startup- und Scaleup-Strategie wollen wir die Rahmenbedingungen für Gründungen und Wachstum – von der Finanzierung über den Bürokratieabbau bis hin zur Zusammenarbeit von Startups mit etablierten Unternehmen – verbessern, auch für wissenschaftsbasierte Ausgründungen. Der Academic Entrepreneurship Monitor zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in diesen Gründungen steckt und wie wichtig es ist, den Transfer aus der Wissenschaft in die Wirtschaft weiter zu stärken.“

Bildquellen und Copyright-Hinweise
  • © imaginima / Getty Images – Cyberpunk Globus mit Netzwerken (3833_cyberpunk-globus-mit-netzwerken.jpg)

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