Das Beste hoffen und auf das Schlechteste vorbereitet sein!

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Veröffentlicht: 22.07.2020

Projekt: DiKoBau

Zusammenfassung: Im Interview mit Ingo Reifgerste, dem Beiratsvorsitzenden der RG-Bau, erfahren Sie, wie er mit dem Thema COVID-19-Virus beruflich und privat umgeht.

Ingo Reifgerste ist Ges. Geschäftsführer der Firmengruppe Schleiff mit Sitz in Erkelenz im Kreis Heinsberg. Das Unternehmen hat sich auf die Sanierung und Instandhaltung und Instandsetzung von Baukonstruktionen und Immobilienprojektentwicklung spezialisiert und beschäftigt 103 Mitarbeitende. Vor einigen Wochen hatte sich der Kreis Heinsberg allerdings zu einem Corona-Hotspot entwickelt. Wir wollten von Herrn Reifgerste wissen, wie er auf die sich fast täglich verändernden Bedingungen reagiert, schließlich ist er nicht nur Geschäftsführer eines Unternehmens sondern auch Familienvater.

Herr Reifgerste, wie erleben Sie die Corona-Krise in Ihrer Region, quasi einem Corona-Hotspot? Sie sind ja nicht nur Geschäftsführer eines mitteständischen Bauunternehmens sondern auch Familienvater.

Surreal beschreibt wohl am ehesten den Eindruck, den die Corona-Pandemie bei mir erzeugt. Tatsächlich habe ich mich im Rahmen unseres Risikomanagements bereits früher mit möglichen „scharzen Schwänen“ auseinandergesetzt – ich muss aber zugeben, dass ich eine Virus-Pandemie in diesem Ausmaß und mit diesen Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Wirtschaft nicht ausreichend ins Kalkül gezogen habe. Als Unternehmer ist man den Umgang mit und die Bewertung von Risiken gewohnt und muss dabei auch oft – in Ermangelung valider Daten – seinem Bauchgefühl vertrauen. Dies führte bei mir dann letztlich sehr früh zu der Einschätzung, es mit einer ernsten Erkrankung zu tun zu haben, die jedoch nur für eine kleine Anzahl von Menschen gefährlich ist. Diese Risikogruppe galt es dann sowohl im Unternehmen als auch im direkten Umfeld durch geeignete Schutz- und Hygienemaßnahmen zu schützen.

Welche Veränderungen mussten Sie in Ihrem Betrieb vornehmen? An welcher Stelle haben Sie zuerst begonnen?

Zu Beginn der Krise – die ja in Heinsberg sehr früh begann – haben wir einen internen Mail-Newsletter aufgesetzt und alle Mitarbeiter und deren Familien täglich über die Lage des Unternehmens hinsichtlich Verdachtsfällen, Infektionsfällen und Schutz- und Hygieneanweisungen informiert. Aufklären, Erklären und transparent informieren waren das Gebot der Stunde, um Verunsicherung in der Belegschaft gar nicht erst aufkommen zu lassen. Neben gesundheitlichen Ängsten und der allgemeinen Unsicherheit galt es auch, den Mitarbeitern die Sorgen um den Arbeitsplatz zu nehmen und ihnen zu kommunizieren, dass wir ein sehr robust aufgestelltes Unternehmen sind. Parallel mussten wir die obligatorischen Schutzartikel wie Desinfektionsmittel, Papierhandtücher, FFP2-Masken etc. in ausreichender Menge für die Baustellen und die Verwaltungseinheiten zur Verfügung stellen. Geschäftsreisen und Besuchstermine wurden auf das absolute Minimum reduziert oder per Video- oder Telefonkonferenz abgehalten.
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…und wie sieht die Situation auf den Baustellen aus? Welches sind hier die besonderen Herausforderungen in Zeiten der Pandemie und wie gehen Sie hier damit um?

Wir sind eine AMS-Bau zertifiziertes Unternehmen. Arbeits- und Gesundheitsheitsschutz haben bei uns schon immer eine große Rolle gespielt. Schutz- und Hygieneregeln ließen sich deshalb leichter verschärfen. Wir haben die Bauteams rasch entzerrt, Kolonnen fixiert, die Anzahl der gleichzeitig in einem Fahrzeug beförderten Personen auf maximal zwei begrenzt sowie Pausenzeiten aufgeteilt. Die Herausforderung bestand immer wieder darin, sowohl die verängstigten Mitarbeiter zu beruhigen als auch die risikobereiteren Mitarbeiter zu disziplinieren.   

Was hätten Sie bisher beim Umgang mit der Krise besser machen können? Gibt es für Sie schon „lessons learned“?

Ich kann im Grunde nicht feststellen, dass wir etwas besser hätten machen können. Allenfalls hätten wir noch früher reagieren können. Mir war immer wichtig, vor die Lage zu kommen, um meine Mitarbeiter und unsere Geschäftspartner ausreichend schützen zu können und gleichzeitig den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Das ist uns bis heute gelungen. Gelernt habe ich, dass schnelles und konsequentes Handeln und stetige, zielgruppengerechte Kommunikation extrem wichtig sind. Auch das Potential digitaler Wergzeuge hat sich wieder einmal bewiesen und zeigt uns, dass wir hier zwar schon auf einem sehr guten Weg waren – die Chancen der Digitalisierung für unser Unternehmen aber noch längst nicht ausgeschöpft sind.
 Was hätten Sie bisher beim Umgang mit der Krise besser machen können? Gibt es für Sie schon „lessons learned“?

Ich kann im Grunde nicht feststellen, dass wir etwas besser hätten machen können. Allenfalls hätten wir noch früher reagieren können. Mir war immer wichtig, vor die Lage zu kommen, um meine Mitarbeiter und unsere Geschäftspartner ausreichend schützen zu können und gleichzeitig den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Das ist uns bis heute gelungen. Gelernt habe ich, dass schnelles und konsequentes Handeln und stetige, zielgruppengerechte Kommunikation extrem wichtig sind. Auch das Potential digitaler Wergzeuge hat sich wieder einmal bewiesen und zeigt uns, dass wir hier zwar schon auf einem sehr guten Weg waren – die Chancen der Digitalisierung für unser Unternehmen aber noch längst nicht ausgeschöpft sind.

Was raten Sie anderen Unternehmerinnen und Unternehmern?

Es fällt mir schwer an dieser Stelle Ratschläge zu erteilen, zumal ich überzeugt bin, dass die vielen Unternehmerinnen und Unternehmer schon sehr genau wissen wie sie zu handeln haben. Hinzu kommt die sehr gute Unterstützung durch die jeweiligen Branchenverbände – in unserem Fall angefangen vom ZDB  in Berlin über die Bauverbände NRW bis hinunter zu Innungen. Auch das RKW hat mit vielen nützlichen Informationen geholfen. An kompetenten Ratgebern hat es nie gefehlt. Sollte ich jedoch einen Rat geben müssen, wäre er:
Ruhe bewahren, Informationen beschaffen und bewerten und dann rational und schnell handeln und entscheiden und transparent kommunizieren. Aber ich bin sehr sicher, dass die Mehrheit der Unternehmer genau das gemacht hat – das gehört nämlich zur Jobbeschreibung!

Wenn Sie einen Blick in die Zeit nach der Krise wagen: haben Sie schon eine Strategie, wie es bei Schleiff weitergehen soll?

Wir werden genau so weitermachen, wie vor der Krise und unser Wachstum – quantitativ und qualitativ – fortsetzen. Ich bin sicher, dass es in den kommenden Monaten schwieriger werden wird unsere Ziele zu erreichen. Dass die Baubranche bislang durch die akute
Krise - relativ zu vielen anderen Branchen - unbeschadet geblieben ist, bedeutet nicht, dass dies so bleibt. Als „konjunkturell nachlaufende“ Branche, rechne ich in den nächsten Monaten und Jahren mit spürbaren Auswirkungen aufgrund der wirtschaftlichen Situation auf der Nachfrageseite. Hier werden wir in unserem Unternehmen entsprechende Strategieanpassungen vornehmen und uns darauf vorbereiten. Bei Schleiff gilt der Grundsatz: Das Beste hoffen und auf das Schlechteste vorbereitet sein!

Das Gespräch führte Christina Hoffmann, Leiterin der RG-Bau.

Wir danken Herrn Reifgerste für die Zeit, die er sich für das Interview genommen hat!