Wanderin zwischen den Welten

Inga Bauer im Betrieb

Veröffentlicht: 20.08.2018

Projekt: Startup meets Mittelstand

Zusammenfassung: Mittelständlerin und Innovationsbotschafterin Inga Bauer sucht den intensiven Kontakt zu Startups.

Startup-Kultur ist nicht gerade das, was Inga Bauer in die Wiege gelegt wurde. Das Remscheider Familienunternehmen, in das sie 1992 eintrat und das sie seit 2003 in dritter Generation führt, wurde 1932 von ihrem Großvater gegründet. Bis 2014 standen Rohrsteckschlüssel im Vordergrund, heute sind es die Geschäftsbereiche Magnettechnik, LED-Arbeits- und Maschinenleuchten, Inspektionswerkzeuge und Laserbeschriftung. Inga Bauer, die sich selbst gerne als Innovationsbotschafterin bezeichnet und von der Startup-Kultur in Berlin schwärmt, ist dieser beherzte Schritt in Richtung Zukunft zu verdanken.

 

Frau Bauer, wie kommt es, dass die Geschäftsführerin eines mittelständischen Traditionsunternehmens in Remscheid in die Berliner Startup-Szene eintaucht?

Inga Bauer: Das ist eine längere Geschichte. Einen roten Faden bildet darin meine Begeisterung für Technik, Innovation und Unternehmertum. Nach meiner Ausbildung zur Büroinformationselektronikerin habe ich weitere Berufserfahrungen in einem Broker-Unternehmen gesammelt und war auch bei den Wirtschaftsjunioren aktiv. 1992 bin ich dann in das Familienunternehmen eingetreten und habe dort angepackt, wo sich etwas effizienter oder besser gestalten ließ. Als ein Geschäftspartner erzählte, dass das Unternehmensgebiet der Laserbeschriftung in Remscheid unterbesetzt sei, kam die Idee auf, mit diesem Geschäftspartner eine Firma für Laserbeschriftungen zu gründen. So entstand 2001 Axis Lasertec, das später als Geschäftsbereich in Bauer & Böcker integriert wurde. Eine weitere Firma habe ich Anfang der 2000er Jahre zusammen mit einem Designer gegründet. Obwohl ich aus dieser Firma später ausgestiegen bin, habe ich ab 2011 dieses Thema wieder aufgegriffen. Die LED-Arbeits- und Maschinenleuchten sind heute neben den Inspektionswerkzeugen und der Magnettechnik unsere wichtigsten Standbeine. 2003 habe ich als 33-Jährige die Geschäftsführung unseres Familienunternehmens übernommen. Mein Antrieb war es auch in dieser Position, offen für neue Ideen zu sein, die dem Kunden nutzen und die die eigene Hardware optimieren können. In einem Produktionsbetrieb wie dem unseren, ist die Digitalisierung eine zukunftsentscheidende Herausforderung. Der aktive Austausch mit Startups ist dabei sehr inspirierend und hilfreich.

Welche konkreten Erfahrungen haben Sie in der Begegnung mit Startups gemacht?

Das Berliner Gründerökosystem ist sehr lebendig. In Meet-Ups, bei Startup-Treffen oder in Working Spaces erhält man sehr viele Inspirationen. Man sieht Projekte in der Anfangsphase, lernt Gründer und deren methodische Ansätze kennen, spürt die Experimentierfreude, die Lust, neues Terrain zu entdecken. Wenn ich aus dieser Atmosphäre zurück nach Remscheid komme, bringe ich nicht nur neue Ideen mit, sondern gewinne auch einen neuen Blick auf mein Unternehmen. Das hilft mir bei der Beantwortung der zentralen Frage: Wie wollen wir in Zukunft aufgestellt sein? Gerade auch in den Bereichen Marketing oder Ideenmanagement nutzen wir alle neuen Wege, die die digitale Welt bietet.

Wie sähe aus Ihrer Sicht eine gute Zusammenarbeit von einem Mittelständler mit einem Startup aus?

Zunächst einmal treffen in dem Fall zwei sehr konträre Kulturen aufeinander. Das zeigt sich schon in Äußerlichkeiten. Auf der einen Seite herrscht eher Jeans-Look vor, man duzt sich, kommuniziert per WhatsApp, schätzt kreative Umgebungen, individuelle Arbeitszeiten, freien Gedankenflug und offene Strukturen. Auf der anderen Seite geht es deutlich formeller, strukturierter und hierarchischer zu. Diese Diskrepanz lässt manchmal Berührungsängste aufkommen, die sich aber im fachlichen Austausch zumeist auflösen lassen.

Dennoch scheint es mir bei einer Zusammenarbeit von Startup und Mittelstand wichtig, dass eine räumliche Trennung und die kreative Freiheit des Startups erhalten bleiben. Das Unternehmen übernimmt eher die Rolle eines Coaches, der unterstützt, aber nicht zu sehr eingreift. Nur so kann sich die Innovationskraft entfalten, die den Veränderungsprozess antreibt.

Würden Sie selbst noch einmal ein Startup gründen?

Man sollte nie „nie“ sagen. Aber ich fühle mich in meiner jetzigen Mittlerrolle zwischen klassischem Unternehmen und Gründerökosystem sehr wohl. Inspirationen aufzugreifen und diese dann im eigenen Unternehmen umsetzen zu können oder Erfahrungen in Vorträgen oder Workshops weiterzugeben, empfinde ich als sehr erfüllend. (...)

 

Dieses Interview erschien in voller Länge im RKW Magazin 1|18. Wenn Sie das gesamte Interview lesen möchten, können Sie sich das RKW Magazin als PDF runterladen.