"Losgehen, lernen, kontinuierlich an sich selbst und an der Idee arbeiten..."

Junge Menschen für sozialunternehmerisches Engagement begeistern

Veröffentlicht: 18.04.2019

Projekt: Entrepreneurship Education

Zusammenfassung: Michael Wihlenda ist der Initiator der World Citizen School in Tübingen. Ich habe ihn im Rahmen einer RKW-Veranstaltung an der Universität Tübingen zu seiner Initiative befragt.

... so kommt der Change in die Welt."

Junge Menschen für unternehmerisches Denken zu begeistern, ist nicht nur in unserem RKW-Projekt "Unternehmergeist erleben!" ein wichtiges Ziel. Es gibt  viele weitere Initiativen und Programme, die vor allem das sozialunternehmerische Engagement fördern: So auch zum Beispiel die World Citizen School des Weltethos-Instituts der Universität Tübingen. Auf der RKW-Hochschulveranstaltung "Unternehmerisches Denken & Handeln erleben!" Anfang des Jahres an der Universität Tübingen habe ich Michael Wihlenda zu den konkreten Angeboten seiner Initiative befragt. Das Interview ist im aktuellen RKW Magazin 1/2019 zum Thema "Social Entrepreneurship" veröffentlicht.

Podiumsdiskussion zum Thema "Social Entrepreneurship" mit den Teilnehmenden (v.r.n.l.):
Claudio Rathlef (Social Impact Lab Stuttgart), Chris Veit (Chillchoc.de), Rabena Ahluwalia (RKW Kompetenzzentrum) und Michael Wihlenda (Weltethos-Institut).(© RKW Kompetenzzentrum/ Franziska Kraufmann - BILDKRAFTWERK)

Michael, wie unterschützt Ihr mit der World Citizen School soziales Unternehmertum?
Wihlenda: 2013 starteten wir die World Citizen School als Modell und Praxisschule zur Förderung bürgerschaftlichen Engagements durch Social Entrepreneurship an der Universität Tübingen. Nach humanistischen Prinzipien werden Studierende befähigt bzw. befähigen sich selbst, ihr Wissen und Fähigkeiten für eine bessere Welt einzusetzen.
Die Studierenden erfahren sich selbst als Weltbürger, wenn sie eigene Ideen auf gemeinsame Weltprobleme beziehen und mit innovativem Handeln Verantwortung für die gemeinsame Welt von morgen übernehmen. Das ist die Grundidee. Dabei helfen vor allem auch sozialunternehmerische Methoden, um sich in der Welt zurechtzufinden und diese mitzugestalten.

Was bietet Ihr den Studierenden konkret?
Studierende unterstützen wir auf drei Arten:

Unsere Mitgliedsinitiativen und Social Startups unterstützen wir durch unsere Kommunikationsarbeit, indem wir der Öffentlichkeit zeigen, wie selbstorganisiertes und selbstbestimmtes Lernen durch freiwilliges Engagement dem humboldtschen Bildungsideal tatsächlich gerecht wird. Mit unserer Markplatz-Methode bieten wir online und offline professionelle Vernetzungsmöglichkeiten für unsere Mitgliedsinitiativen, aus denen wiederum zahlreiche Kooperationen entstehen. Das führt außerdem zur Professionalisierung durch die gegenseitige Unterstützung bzw. Nachahmung. Auf diese Weise stärken wir das gesamte Ökosystem und die Wissenszirkulation zwischen den Engagierten und ihren Initiativen.

Im Rahmen unseres Social-Innovation-Programms fördern wir zum Beispiel mit dem zweitägigen Social Innovation Camp die konkrete Umsetzung von Projekten. Der nächste Termin ist der 10. bis 12. Mai. Mit diesem „sozialunternehmerischen Methodenrundflug“ beispielsweise lernen die teilnehmenden Teams den gesamten Prozess sowie die wichtigsten Methoden sozialunternehmerischer Praxis am eigenen Projekt kennen. Wir bieten dazu viele weitere Workshops sowie ein Coaching-Angebot, erfahrene Coaches unterstützen z. B. bei Fragen zur Persönlichkeits- oder Organisationsentwicklung bis hin zu Finanzierungs- und Rechtsfragen.

Du hast mich selbst für den Termin im Mai eingeladen. Ich freue mich sehr, als Coach mit dabei zu sein und junge Menschen bei ihrer Idee zu unterstützen.

Ist denn schon ein Projekt erfolgreich umgesetzt worden?
Ja, einige Projekte werden weiterentwickelt und umgesetzt, andere aber auch nicht. Ein vielversprechendes Social Startup ist outdoorRent. Es ist ein ehemals studentisches Projekt, das Outdoor-Ausrüstung zur Miete vermittelt. Dafür wird eine Sharing-Plattform für Outdoor-Ausrüstung aufgebaut, in der man schnell die
passende Ausrüstung finden kann. Mittlerweile hat das Projekt ein Stipendium vom Social Impact Lab in Stuttgart erhalten. Generell viel wichtiger als messbare Erfolge, auf die wir auch stolz sind, sind uns jedoch die unternehmerischen Selbstwirksamkeitserfahrungen, die Studierende erleben, wenn sie eigene Ideen umsetzen.

Du hast viel mit jungen engagierten Menschen zu tun, welche Tipps kannst Du ihnen persönlich mit auf den Weg in eine Gründung geben?
Losgehen, lernen, kontinuierlich an sich selbst und an der Idee arbeiten – so kommt der Change in die Welt. Habt keine Angst davor, dass jemand anderes eure Idee bereits gedacht oder umgesetzt hat. Das ist zu 90 Prozent sowieso der Fall. Habt den Mut auf andere Projekte zuzugehen und in den Dialog mit anderen zu treten! Ihr könnt davon nur lernen und durch Synergien mehr erreichen.

Dieses Interview wurde im RKW Magazin 1/2019 zum Thema "Social Entrepreneurship" veröffentlicht. Hier geht's zur Ausgabe!